Fundstück

German Angst: Tweet zu 5G entlarvt deutsche Tech-Paranoia

Tweet zu 5G entlarvt deutsche Tech-Paranoia. (Grafik: Shutterstock / t3n)

Über 5G kursieren Gerüchte, die sich oft als Halbwahrheiten herausstellen. Ein Tweet zeigt, wie diese Positionen die öffentliche Meinung beeinflussen. Das Fundstück des Tages.

Dass sich in Deutschland technologisch nicht viel bewegt – und wenn doch, erst mit viel Verzug –, bringt viele Menschen auf die Palme. Grund dafür ist auch und gerade ein Phänomen, das zwar wissenschaftlich nicht fundiert, aber in den letzten Jahren zumindest zum geflügelten Begriff geworden ist: die German Angst. Neue Technologien stehen stets unter kritischer Beobachtung. Das muss nicht grundsätzlich schlecht sein, jedoch sollte es auch nicht dazu führen, dass diese Stimmung neue Potenziale im Keim erstickt. Nehmen wir das Beispiel 5G: Der aktuelle Mobilfunk-Standard kommt allmählich, andere haben ihn längst.

Die Politik reagiert – zumindest hierzulande – auf Stimmungen. Ein Tweet der Republik-Tech-Reporterin Adrienne Fichter zeigt jetzt deutlich, wie die Stimmung zu 5G in weiten Teilen der Bevölkerung sein dürfte. Knapp formuliert: paranoid. Fichter präsentiert ihren Followern einen Screenshot aus Buzzsumo, einem Tool, das die meistgeteilten Inhalte zu individuellen Themen im Netz per Knopfdruck identifiziert. Das Bild zeigt, dass die erfolgreichsten Beiträge diejenigen sind, die Angst verbreiten. Angst, die weitestgehend unbegründet ist. Angst, die jedoch im Zweifel dazu führt, dass Politiker dann doch lieber das weniger heiße Eisen anpacken.

In der Liste findet sich beispielsweise ein Link zu Klagemauer.tv – ein Medium, das von einem ehemaligen Redakteur und Aussteiger unlängst als Seite für Verschwörungstheorien entlarvt wurde. Aber auch ein Beitrag vom RBB befindet sich darin, der einen Aufruf einiger Forscher thematisiert, der suggeriert, dass Handystrahlung Krebs erzeuge. Ein Position, die auch in der Wissenschaft höchst umstritten ist. „Mainstream-Medien berichten zwar sachlicher, jedoch nicht weniger einseitig“, kommentiert Adrienne Fichter die Quellen der populärsten Artikel gegenüber t3n. Sie würde sich zusätzlichen Fokus auf die Chancen und auch auf andere Aspekte wie Machtpolitik, Infrastruktur und Überwachung wünschen.

Auf den Gedanken, sich das Thema genauer anzuschauen, kam die Schweizerin übrigens, nachdem sie sich an eine Buzzfeed-Recherche erinnerte, die das Medium in Bezug auf Angela Merkel durchführte. Damals wollte die Redaktion wissen, welche Artikel zu ihrer Person besonders erfolgreich im Netz geteilt wurden. Auch hier zeigt sich, dass es vor allem Fake News und Verschwörungstheorien waren, die die Menschen interessierten und die Kanzlerin denunzierten. Mit 5G erschien ihr das ähnlich. „Die Berichterstattung der Mainstream-Medien ist durchweg negativ“, erklärt Fichter und wollte wissen, woran das liegen könnte. Ihr Tweet liefert zumindest eine Teilantwort.

Übrigens, wer sich einmal umfangreicher zum Thema 5G informieren will, findet hier eine spannende Reportage unseres Reporters Jan Vollmer. Lies auch: „Inside 5G – wie gefährlich ist das Netz der Zukunft wirklich?“

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8 Kommentare
Atalanttore
Atalanttore

Ich bin für 5G, wenn damit besorgten Bürgern (a.k.a. Rechtspopulisten) und Biovolksdeutschen (a.k.a. Rassisten) das Hirn weggebrutzelt wird.

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xordinary
xordinary

Willkommen in meiner Welt! Geht mir beim Thema Elektroautos seit Jahren so. Einseitig mindestens, häufig völlig unwissender Bullshit! So ganz langsam wird es besser (z.B. Bloch vom AMS) …

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Dennis
Dennis

Irgendwie klingt dieser Artikel über Verschwörungstheorien, selber wie eine.

Meine „German Angst“ zu 5G ist: wenn ich mit 5G genauso im Funkloch sitze, wie mit GSM, EDGE, 3G, 4G, dann brauche ich auch kein 5G. Dann nützt es auch nicht, wenn ich dafür sogar noch mehr bezahlen muss als heute ;-)

Wenn ich ernsthafte Vorteile bei 5G für mich sehe, dann bin ich auch dafür. Und bestimmt auch noch genug andere. Aber was einem heutzutage da von Politikern und Anbieter angepriesen wird, braucht der normale deutsche Angsthase vermutlich nicht.

Ich brauche kein Verdummungs-TV oder Stream in 4K oder mehr. Mehrere davon schon gar nicht. Und die Verfolgung meiner nicht vorhandenen Kühe auf der Weide ist mir auch egal. Wo ist nun ein spürbarer Vorteil? Ich weiß auch nicht, wann das letzte mal ein Telefon abgebrochen ist? Achja, wir können höhere Frequenzbereiche nutzen. Aber was habe ich für einen konkreten Vorteil? Das die Masten jetzt noch enger stehen müssen?

Die Vorteile, die genannt werden, sind m. E. oft sehr technisch, für eine sehr kleine Zielgruppe interessant oder einfach nur Marketing-Blabla, welches dann einfach nur wiederholt wird.

Und ich denke auch, dass die Angsthasen mit Alu-Hut wohl eher in der Minderheit sind. Da fehlt wohl eher das Erkennen eines persönlichen Mehrwerts.
Was wohl eher Angst macht, ist die Bürokratie und die Geldsucht der Anbieter. Warum in was Neues investieren, wenn man die Kunden so schön mit alten Zeugs melken kann.

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Torsten der Zauberer
Torsten der Zauberer

„Die Vorteile, die genannt werden, sind m. E. oft sehr technisch, für eine sehr kleine Zielgruppe interessant…“

Weil es in erster Linie eben ein Industrienetz ist. Privatanwender profitieren wenn nur indirekt davon, z. B. durch den dafür erforderlichen Netzausbau. Weil 5G/lights-out manufacturing eben nicht mit Klingeldraht funktioniert.

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Luise
Luise

Von t3n hätte ich auch keinen anderen Artikel zu G5 erwartet, aber ich sehe das etwas skeptischer und sehe durchaus eine Belastung durch G5.

t3n hinterfragt nicht will einfach den Digitalisierungscheiss weiter hypen.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Was du bei „G5“ siehst ist nicht relevant, dafür gibt es Behörden und staatliche Institute.

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Steppo
Steppo

Wenn German Angst hilfreich ist um Tech-Hypes, wie 5G (wo ich auch keine wirklichen Vorteile erkenne) herunter zu kochen, dann steht anderen Ländern vielleicht auch etwas German Angst zu Gute ;)

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