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Gesundheitswesen: Sensible Patientendaten gehen oft an falsche Empfänger

Tippfehler bei Versendung sensibler Patientendaten. (Foto: Shutterstock)

Ausgerechnet bei sensiblen Patientendaten lässt der Datenschutz in Deutschland offenbar zu wünschen übrig. Dem NDR zufolge verschicken Kliniken, Ärzte oder Labore die Infos oft an falsche Empfänger.

Kein Mensch will, dass sensible Daten über mögliche Krankheiten oder Werte an die falschen Empfänger geschickt werden. Aber genau das passiert Recherchen des NDR zufolge öfter als gewünscht. Seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 haben die Datenschutzbehörden deutschlandweit 850 Datenpannen durch Fehlversendungen von Patientenunterlagen registriert, wie die Tagesschau online berichtet. Spitzenreiter ist Bayern mit 383 Fällen. Die Dunkelziffer ist allerdings viel höher, nicht alle Verstöße werden gemeldet.

Datenschutzbeauftragter sieht hohes Risiko

Zudem konnten allein sechs Bundesländer dem NDR keine konkreten Zahlen senden. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sieht in den Sendungen von sensiblen Daten an die falschen Empfänger allerdings ein „hohes Datenschutzrisiko“ für „sehr, sehr wesentliche Daten von Betroffenen“, wie es in dem Bericht heißt.

Laut den Behördenangaben kämen die Pannen in allen Bereichen des Gesundheitswesens vor, etwa in Kliniken, Arztpraxen, Laboren oder Abrechnungsstellen. In der Regel stecke dahinter menschliches Versagen. So würden die Schreiben oft falsch adressiert, es passierten Tippfehler oder es sei zu Verwechslungen von Patienten oder Ärzten gekommen. Meist handle es sich laut den Datenschützer um Einzelfälle und nicht um systematische Fehler.

Bußgeld droht: Patientendaten falsch verschickt

Allerdings untersucht etwa Datenschützer Caspar derzeit in Hamburg die Abläufe in der Asklepios-Klinik in Altona, in der es zu einer besonderen Häufung von Fehlversendungen gekommen sein soll. Seit 2013 seien dort elf Briefe mit vertraulichen Patientendaten an eine Therapeutin geschickt worden, die nichts mit den Patienten zu tun hatte. Die Pannenserie hielt auch dann an, als die Therapeutin die Klinik mehrfach auf den Fehler hinwies. Asklepios in Hamburg droht jetzt ein hohes Bußgeld.

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Ein Kommentar
strizzi
strizzi

Typisch fürs Daten verschleudern: Ärzte geben Daten bei Privaten an Abrechnungsstellen weiter. Obwohl der Patient ausdrücklich Abrechnung direkt mit der Praxis vereinbart hat, gelangen so sensible Patientendaten in falsche Kanäle.

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