Ratgeber

Gewinnspiele online rechtssicher veranstalten

(Foto: tannujannu / Adobe Stock)

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Gewinnspiele zur Steigerung der Reichweite und Engagements sind keine Neu- oder Seltenheit im Online-Marketing. Markus Heins und Sebastian Laoutoumai von der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft geben Ratschläge, wie du jederzeit auf der rechtlich sicheren Seite bist.

Gewinnspiele und Preisausschreiben sind für viele Brands und Unternehmen eine gute und schnelle Möglichkeit, Aufmerksamkeit und Reichweite in sozialen Medien zu generieren. Beim Einsatz dieser Werbeform setzen Unternehmen nicht selten auch auf Influencer, die ihre Produkte im Rahmen einer Verlosung an die Zielgruppe herausgeben. Durch die hohe Verbundenheit zwischen Influencern und ihrer Community gleichen deren Aussagen nahezu einer persönlichen Empfehlung. Diese zielgruppengerechte Ansprache, kombiniert mit hoher Glaubwürdigkeit und Authentizität von Influencern, lässt heutzutage kaum eine Marketing-Abteilung am Thema Influencer-Marketing vorbeilaufen. Gerade bei Gewinnspielen wird dieser Effekt sogar noch verstärkt.

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Engagement und Awareness

Neben der großen Reichweite und Sichtbarkeit ist es vor allem die Aufforderung zum Mitmachen, die das Engagement zwischen Veranstalter und den Gewinnspielteilnehmern fördert. Dabei kann sogar ein viraler Effekt entstehen – etwa, wenn die Teilnehmer Freunde verlinken oder den Beitrag teilen sollen.

Die große Frage: Was ist rechtens?

Für Gewinnspiele bestehen nicht nur gesetzliche Vorgaben, auch die Social-Media-Plattformen haben einige Regeln aufgestellt, die die Veranstalter eines Gewinnspiels unbedingt beachten sollten. Ein Verstoß gegen die gesetzlichen Vorgaben stellt zum einen eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldstrafe durch die zuständige Landesmedienanstalt geahndet werden kann. Zum anderen drohen dem Veranstalter eines nicht ordnungsgemäß durchgeführten Gewinnspiels wettbewerbsrechtliche Konsequenzen, etwa Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche, insbesondere in Form einer Abmahnung durch Wettbewerber oder dafür bekannte Verbände. Das gilt selbst dann, wenn ein Influencer das Gewinnspiel für das Unternehmen ausführen soll. Das werbende Unternehmen trägt als Veranstalter des Gewinnspiels stets die Verantwortung über dessen ordnungsgemäße Durchführung.

Abgrenzung Gewinnspiel zum Glücksspiel

Zunächst ist es wichtig, das Gewinnspiel von einem Glücksspiel zu unterscheiden. Glücksspiele dürfen in Deutschland nämlich nicht ohne behördliche Genehmigung durchgeführt werden. Ein Verstoß gegen diese Vorgaben kann darüber hinaus auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Spielformen ist die kostenlose Teilnahmemöglichkeit eines Gewinnspiels. Hierbei dürfen lediglich geringfügige Kosten anfallen, die für eine Teilnahme unausweichlich sind, beispielsweise das Porto für eine Postkarte. Dagegen leistet der Teilnehmer bei einem Glücksspiel in der Regel einen höheren geldwerten Einsatz. Zum klassischen Glücksspiel zählen zum Beispiel Lotto oder Glücksspielautomaten.

Transparenz und Teilnahmebedingungen

Genau wie Werbung müssen Gewinnspiele stets transparent und erkennbar sein. Das bedeutet nicht nur, dass sie als solche zu kennzeichnen sind, sondern auch über klare und eindeutige Teilnahmebedingungen verfügen müssen, die jederzeit in unmittelbarer Nähe zum Gewinnspiel abrufbar sind. In den Teilnahmebedingungen sind mindestens die folgenden Angaben zu machen:

  • Kontaktdaten des Veranstalters
  • Teilnahmemodalitäten
  • Ablauf des Gewinnspiels
  • Teilnahmeberechtigung
  • Gewinnermittlung und -aushändigung

Darüber hinaus können weitere Punkte geregelt werden, wie beispielsweise etwaige Nutzungsrechte an übersendeten Bildern, Haftungsfragen bei vorzeitiger Beendigung des Gewinnspiels oder der Ausschluss des Rechtsweges. Aus Transparenzgründen sollte nach Beendigung des Gewinnspiels auch der Gewinner – in anonymisierter Form – bekanntgegeben werden, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass es sich nur um ein gefaktes Gewinnspiel gehandelt hat.

Gewinnspiele als Video

Wenn das Gewinnspiel in Form eines Videos veranstaltet werden soll, müssen zudem weitere Vorgaben beachtet werden. Sofern ein Produkt gewonnen werden kann, sollte bei einer Präsentation innerhalb des Videos darauf geachtet werden, dass das Produkt nicht zu häufig erwähnt oder zu stark optisch dargestellt wird. Andernfalls kann der Eindruck entstehen, dass lediglich Werbung für ein Produkt oder eine Firma gemacht werden soll. Letztlich bedeutet dies, dass alles, was über eine zweimalige Nennung der Firma beziehungsweise über eine zweimalige optische Darstellung des Produktes hinausgeht, vermieden werden sollte.

Jugendschutz

Das absolute Mindestalter für die Gewinnspielteilnahme beträgt vierzehn Jahre. Darüber hinaus sind Gewinnspiele etwa dann unzulässig, wenn sich die zu gewinnenden Produkte oder die Ansprache gezielt an Minderjährige richten. Dies dürfte besonders im Rahmen des Influencer-Marketings zu beachten sein. Relevant ist das Alter der Teilnehmer auch für eine mögliche Rechteübertragung an gegebenenfalls übersendeten Bildern, die bei Minderjährigen schwebend unwirksam sind.

Datenschutz nicht vergessen

Datenschutz ist ein sehr sensibles Thema. Es gilt der Grundsatz der „Datensparsamkeit“. Das bedeutet, dass nur die Daten verlangt werden dürfen, die tatsächlich für die Durchführung des Gewinnspiels benötigt werden – „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Hierbei sollte also darauf geachtet werden, nur so wenige Daten wie möglich von den Teilnehmern zu verlangen und diese nach Beendigung des Gewinnspiels direkt wieder zu löschen. Die Verwendung der erhaltenen Teilnehmerdaten für weitere Werbezwecke ist zwar grundsätzlich möglich, allerdings bedarf dies einer gesonderten Einwilligung jedes einzelnen Teilnehmers. Darüber hinaus besteht diese Möglichkeit nur bei volljährigen Teilnehmern.

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