Interview

Gewohnheiten hacken: Sie erklärt, wie Raucherinnen zu Läuferinnen werden

Professorin Wendy Wood ist mit Tricks aus der eigenen Forschung zur Sportlerin geworden. (Foto: J. Emilio Flores)

Es geht nicht um Willenskraft, sondern um Wissenschaft. Psychologin Wendy Wood erforscht, wie Routinen unser Leben bestimmen, wie wir neue konstruieren und alte loswerden.

Es gab Monate, in denen hat sich Wendy Wood abends ihre Laufschuhe an die Haustür gestellt, hat sich ihre Sportsachen angezogen – und ist dann damit ins Bett gegangen. Und erst am nächsten Morgen joggen.

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Wendy Wood ist Professorin für Psychologie an der Universität von Südkalifornien. Weltweit ist sie die führende Expertin bei der Erforschung von Gewohnheiten. Mit Sportsachen zu schlafen, ist gewissermaßen das Ergebnis jahrelanger Forschung.

Die These von Woods Arbeit lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Einen großen Teil unseres Tages verbringen wir mit Tätigkeiten, die wir  automatisiert haben – Zähneputzen, Kaffeekochen, zur Arbeit fahren, nach Hause fahren, Duschen, die Geschirrspülmaschine einräumen. Gewohnheiten, so Wood, bestimmen unser Leben. Und wenn wir nachhaltig etwas in unserem Leben ändern wollen, wird das nicht gehen, ohne uns unsere Gewohnheiten genauer anzuschauen.

Das interessante dabei ist, dass Woods These von den Gewohnheiten, von der Macht der unbewussten Handlungen, in starkem Kontrast zu dem herrschenden Dogma steht: Die meisten Menschen glauben, so Wood, dass wir vor allem Willensstärke brauchen, um etwas zu schaffen. Die Marke Nike bringt das auf den Punkt mit dem Slogan „Just do it.“

Just do it? Funktioniert nur manchmal

Dabei funktioniere Willenskraft nur bei bestimmten Dingen, erklärt Wood in ihrem Buch „Good Habits, Bad Habits“ (Amazon | Thalia): Wer sich impfen lassen will, muss sich nur ein Mal dazu aufraffen. Viele andere Dinge haben – auch wenn es nicht so aussieht – mit Willensstärke wenig zu tun: Niemand wird fit, wenn er oder sie sich ein Mal zwingt, laufen zu gehen. Niemand wird schlauer, weil er oder sie ein Mal ein Buch liest. Bei den langfristigen Veränderungen im Leben, so Wood, gehe es nicht um Willenskraft, sondern darum, Dinge möglichst einfach zu machen, damit wir sie oft wiederholen – und sie zu einer Gewohnheit werden.

Im t3n-Interview erklärt die Psychologie-Professorin, was genau Gewohnheiten sind, wie wir neue Gewohnheiten bauen und alte loswerden können.

t3n: Frau Wood, Sie erforschen, wie Gewohnheiten und Routinen sich auf unser Leben auswirken. Hat die Coronakrise ihre Gewohnheiten durcheinandergebracht?

Wendy Wood: Ehrlich gesagt, mache ich ungefähr so weiter wie bisher: Ich schreibe morgens, spreche mit meinen Studenten und habe Meetings am Nachmittag. Nur eben online. Viele andere Menschen in den USA haben aber ihre Jobs verloren, arbeiten von zu Hause aus oder unterrichten ihre Kinder selbst. Das hat tatsächlich viele Gewohnheiten durcheinandergebracht.

t3n: Gibt es Tricks aus der Erforschung von Gewohnheiten, um mit der Coronakrise besser umzugehen?
Ich empfehle, verschiedene Ecken der Wohnung für verschiedene Aktivitäten zu nutzen. Das macht es einfacher, den Tag zu strukturieren. Dann hast du einen Ort, an dem die Kinder ihre Schulaufgaben machen können, einen Ort, an dem du arbeiten kannst, einen Ort, an dem du Sport machst, einen anderen Ort, an dem du isst. Ich arbeite am Küchentisch. Also wechsle ich den Stuhl, wenn ich mit meinem Mann esse, und wechsle zurück, wenn ich wieder schreibe.

t3n: Warum sollte uns das helfen, in der Wohnung eine bestimmte Ecke für Sport und eine Ecke zum Arbeiten zu haben?
Wenn wir verschiedene Orte für verschiedene Aktivitäten nutzen, ist es einfacher, all die verschiedenen Rollen zu leben, die wir haben – und darin produktiv zu sein. Der Ort, an dem du bist, gibt dir viele Hinweise darauf, was du in diesem Kontext machst. In einer neuen Situation müssen wir also neue Hinweise an neuen Orten etablieren – um sicherzugehen, dass sie mit dem Verhalten verbunden sind, das wir uns wünschen.

Gewohnheiten hacken: 11 Apps, die helfen!
Nichtraucher werden? Mit „Smoke Free – Jetzt Nichtraucher“ (kostenlos für iOS und Android) und „QuitNow!“ (kostenlos für iOS und Android) werden Raucher dabei unterstützt, endlich mit dem ungesunden Laster aufzuhören. (Foto: Shutterstock-Boris Bulychev)

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t3n: Wie wichtig sind neue Gewohnheiten, wo unsere alten Routinen gerade nicht funktionieren?
Der Bruch mit den alten Routinen ist ein Grund, warum der Wechsel ins Homeoffice für viele so schwierig war. Wir konnten das Leben nicht mehr im Autopilot leben. Plötzlich mussten wir Entscheidungen fällen, wo oder wie lange wir arbeiten.

„Viele Entscheidungen sind Aufwand, und das bedeutet, dass du weniger produktiv bist.“

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