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Startups

Gigster: Diese beiden Amerikaner arbeiten am Ende der Software-Entwicklung, wie wir sie kennen

(Foto: Presse)

Das US-Startup Gigster will die Art, wie Software entwickelt wird, radikal verändern. Das ambitionierte Vorhaben birgt aber auch Risiken.

US-Startup Gigster: „Push a button, get software“

Festangestellte Entwickler dieser Welt, ihr müsst jetzt stark sein: Das Startup Gigster will euch überflüssig machen. Anders jedenfalls lassen sich die Ambitionen von Roger Dickey und seinem Mitgründer Debo Olaosebikan nicht deuten.

„Heuer ein elitäres Entwicklerteam in Minuten an“, versprechen die beiden Amerikaner auf ihrer Website. Das Konzept hinter diesem etwas kryptischen Slogan ist schnell erklärt: Bei Gigster handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Online-Marktplatz, über den Unternehmen Entwicklungsarbeiten aller Art an freiberufliche Programmierer auslagern können. Nein, wirklich revolutionär erscheint das erst mal nicht, allerdings sollen ein Pool an ehemaligen Google- und Facebook-Entwicklern sowie schlaue, in das Korsett einer Suchmaschine gepresste Algorithmen zu besonders hochwertigen Projektergebnissen führen.

„Drück einen Knopf und erhalte Software“, fasst CEO Dickey die Idee seines Unternehmens im Gespräch mit dem Business Insider zusammen. Man sei in der Lage, alle Bedürfnisse rund um das Thema Entwicklung zu erfüllen, egal ob es sich um eine vollwertige App für Smartphones oder einen Design-Sprint für ein neues Webseiten-Feature handele. „Es gibt kein Projekt, das zu groß oder zu klein ist“, so Dickey weiter.

10 Millionen Dollar nach 18 Wochen

„In dieser Ausprägung dürfte es eine der prestigeträchtigsten Frühphasen-Finanzierungen sein, die es in jüngster Zeit gab.“

Bemerkenswert an diesem Konzept ist zunächst weniger die Idee an sich, als vielmehr die Hoffnungen, die Investoren in das erst im November 2014 gegründete und seit vergangenem Juli mit seiner Plattform aktive Startup stecken. Wie jetzt bekannt wurde, haben Dickey und Olaosebikan schon zehn Millionen US-Dollar über eine Series-A-Finanzierung eingesammelt.

Die Liste der an Gigster beteiligten Investoren liest sich wie das Who is Who des Silicon Valley: So ist die berühmte Startup-Schmiede Y-Combinator über einen Fonds bei Gigster eingestiegen, außerdem sind der „Super Angel“ Ron Conway und der umtriebige Uber-Investor Jason Calacanis dabei. Und: Neben Andreessen Horowitz mischt auch US-Schauspieler Ashton Kutcher mit. In dieser Ausprägung dürfte es eine der prestigeträchtigsten Frühphasen-Finanzierungen sein, die es in jüngster Zeit gab.

Ein Mitgründer verkaufte schon an Zynga

Die Höhe des Investments, einhergehend mit der Prominenz der Geldgeber, wirft die berechtigte Frage auf, was Gigster eigentlich so spannend macht. Sehr wahrscheinlich ist es unter anderem das zweiköpfige Gründerteam selbst: Roger Dickey und Debo Olaosebikan haben jede Menge Erfahrung auf dem Kerbholz.

Die Gigster-Gründer Debo Olaosebikan und Roger Dickey. (Foto: Presse)
Die Gigster-Gründer Debo Olaosebikan und Roger Dickey. (Foto: Presse)

Dickey etwa, 32 Jahre alt, gründete im Jahr 2007 das Software-Startup Curiosoft und stieg damit in den zu jener Zeit schwer umkämpften Markt für Facebook-Spiele ein. In wenigen Monaten entwickelte er 19 unterschiedliche Anwendungen, von denen die populärste allein 300 Millionen Pageviews im Monat verzeichnen konnte. Das genügte, um das Unternehmen nach nicht mal einem Jahr an Zynga zu verkaufen. Der 30-jährige Debo Olaosebika hingegen ist studierter Physiker und hat schon zuvor mehrere Startups mit Fokus auf App-Entwicklung gegründet.

Beide brachte die Erkenntnis zusammen, dass die Umsetzung einer App-Idee für technologieorientierte Unternehmen in Zeiten des notorischen Entwicklermangels eine äußerst lästige Angelegenheit sein kann. So seien Freelancer manchmal unzuverlässig, externe Agenturen teuer und auch die Zeit für Gründer, selbst zu programmieren, sei aufgrund zahlreicher anderer Führungsaufgaben häufig zu knapp, wie es in einem Bericht von Chicago Inno heißt. Daraus ergab sich vor etwas über einem Jahr schließlich die Idee für Gigster: „Im Zuge unserer Produktentwicklung haben wir uns gefragt: Warum gibt es keinen Online-Dienst, um Prototypen zu erstellen?“, so Dickey.

Gigster will den War for Talents beenden

Für Startups und gewachsene Unternehmen stellt Gigster insofern eine attraktive Plattform dar, als sie eine probate Lösung für den vor allem im Silicon Valley zunehmenden War for Talents darstellt. Die Nachfrage nach Entwicklern übersteigt das verfügbare Angebot seit Jahren, viele Unternehmen müssen entweder horrende Gehälter zahlen oder finden gar kein Personal.

Genau hier kommt Gigster ins Spiel. Statt einen oder mehrere Entwickler aufwändig suchen zu müssen, können Unternehmen die Entwicklungsarbeit nach dem Willen der Gründer einfach an ihre Online-Plattform auslagern. Was das Startup von vergleichbaren Freelancer-Marktplätzen wie Toptal unterscheidet, ist nach Auffassung von Dickey ein komplexes Geflecht aus Algorithmen, das je nach Art der gewünschten App den passenden Entwickler oder wahlweise ein ganzes Team findet. Diese Automatisierung soll einen eingereichten Auftrag auf bis zu 162 unterschiedliche Kriterien – vom Budget über das gewünschte System bis hin zu einzelnen Features wie Zahlungsterminals oder Messenger-Elemente – abgleichen. Schon nach wenigen Minuten soll ein unterschriftsreifes Angebot vorliegen.

Bei Gigster handelt es sich um einen Online-Marktplatz, der technologieorientierte Unternehmen mit hochkarätigen Entwicklern zusammenbringen will. (Screenshot: t3n)
Bei Gigster handelt es sich um einen Online-Marktplatz, der technologieorientierte Unternehmen mit hochkarätigen Entwicklern zusammenbringen will. (Screenshot: t3n)

Das Konzept ist durchaus gefragt: Schon zwei Wochen nach dem offiziellen Launch haben Dickey und Olaosebika nach eigenen Angaben einen Umsatz von einer Million US-Dollar verbucht. Ein ehemaliger Google-Mitarbeiter habe die Plattform beispielsweise genutzt, um eine Reporting-Software für Werbeanzeigen zu veröffentlichen. Ein anderer Kunde habe über Gigster eine Dating-App speziell für den Islam gelauncht, entwickelt von einem muslimischen Projektmanager.

Laut Angaben auf der Website wickelt das Startup heute 271 Projekte von rund 300 Kunden ab. Knapp 1.500 sogenannte „Gigster“ – vornehmlich ehemalige Google- und Facebook-Entwickler aus dem Umfeld von Elite-Universitäten – sollen auf der Plattform schon als vollwertige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Willkommen in der Gig-Economy

Wie die Entwickler von dem Startup genau ausgewählt werden, bleibt jedoch ebenso vage wie die Antwort auf die Frage nach der Bezahlung. Gigster arbeitet nicht mit Stundensätzen, sondern mit fixen Preispauschalen. Je nach Art und Umfang des Projekts werden zwischen 10.000 und 36.000 US-Dollar an Gebühren fällig. Weitere Details nennt das Startup nicht. Wie viel davon als Honorar bei einem Entwickler übrig bleibt? Dieser Frage weicht Gigster bislang aus. Im Gespräch mit dem Business Insider versichert Mitgründer Dickey nur: „Wenn du ein wirklich guter Entwickler bist, gibt es auf unserer Plattform jede Menge zu tun.“

„Je mehr Wettbewerb auf der Plattform, desto geringer die Honorare.“

Gigster reiht sich damit in den Kreis der seit einigen Jahren aufstrebenden Gig-Economy ein. Immer weniger Menschen sind fest bei einem Unternehmen angestellt und bieten ihre Arbeitskraft autark und über Online-Plattformen an. Das hat nicht nur Vorteile: Experten kritisieren den oft fehlenden Versicherungsschutz sowie die mit der steigenden Konkurrenz einhergehenden geringen Löhne. Vor diesem Hintergrund dürfte vor allem die weitere Skalierung eine Herausforderung für die Gigster-Gründer sein. Je mehr Wettbewerb zwischen den Entwicklern auf der Plattform herrscht, desto größer ist naturgemäß auch die Gefahr von Qualitätseinbußen. Von sinkenden Honoraren ganz zu Schweigen.

In jedem Fall steht Gigster sinnbildlich für einen Trend, den Silicon-Valley-Investoren schon länger voraussehen – allen voran Starinvestor Marc Andreessen: „Software wird die Software-Entwicklung auffressen“, prophezeite er 2011. Mit Gigster hat er jetzt den perfekten Investment-Case gefunden.

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2 Reaktionen
Programmierer sind verfügbar

Schaut mal ob die Studie berichtet in der ct'
https://t3n.de/news/it-gehaelter-2015-entwickler-597308/#comment-179327
online verfügbar ist. Daran sollte man (wie auch das mooresche Gesetz) in jeweiligen Kontext immer erinnern.

Pferdehufe muss man (wie Ersatz-Zähne beim Zahnarzt) individuell mit Hufeisen versehen. Winterreifen wechseln geht schneller.
Durch Standards schafft man schnellere und und meist billigere Interoperabilität.
Extrawurst kost'(et) Extrageld.
Wer die Datenhaltung selber programmiert setzt das Projekt in den Sand (also erreicht Time und Budget nicht).
sind alte Sprichworte.

Bei Autos wird fast alles neu entwickelt. Aber halt auch in Verbindung mit Bosch usw. als Lieferanten. Bei Handies deutlich weniger weil 90% fertige Chip-Designs usw. sind die man nur noch verknüpft. Trotzdem herrscht bei Handies die höchste Innovations-geschwindigkeit mit mehreren neuen Modellen pro Jahr bei Samsung, HTC usw. . Und es gibt auch immer individuelle Spezialitäten ab etwa 399 Euro wie die gebogenen Displays, Verbesserungen bzgl. der Kamera usw. Die berühmten IBM-Touchpoints könnte man z.b. als Button hinten auf ein Handy montieren um es zu bedienen. Drehbare Kamera hat irgendwer irgendwann mal umgesetzt.... Armbändern von Smartwatches sind riesiges ungenutzes Volumen. Die echte Smartwatch ist ein Handy welche man ums Handgelenk gebogen ist weil man damit das macht was man mit dem Handy macht. Aber dafür bräuchte man ja Steve Jobs weil Rechtskosten und Softwarepatente es in vielen Ländern finanziell uninteressant machen. Stattdessen damit leben das der Akku so kurz hält obwohl 2/3 vom Volumen der gesamten Smartwatch (Körper 1/3 und Armband 2/3) gar nicht genutzt werden...

Lösungen um Apps auf allen gängigen Handy, SmarTV, Tabletts usw. laufen zu lassen gibts ja auch. Von daher ist Gigster ein guter Zwischenschritt zu Bausteinbasierter Entwicklung. Wer Linux-Pakete installiert kennt das schon ewig. APIs die man verbindet. Excel machts schon ewig vor.
Oder Music-Player seit Windows95: Die kann man mit beliebigen Skins versehen und die Bedienung (Welche Taste auf der Fernbedienung, Tastatur, Gamepad Maus oder Schaltfläche ruft welche Funktion auf) selber definieren wenn man will.

Sehr gut ist zwar die Nachfrage nach der Auszahlungs-Quote aber bis heute haben die Linken und Gewerkschaften wohl immer noch keine digitale Lohnstatistik wo man regelmäßig seinen Abschluss und sein Gehalt eintragen kann damit jeder öffentlich sieht welche Studiengänge die Armut fördern... Stattdessen schaut man munter zu wie noch mehr Leute den eigenen Studiengang studieren (1). Wenn bald die Rezession kommt, sind die folglich genau dann fertig wenn der Aufschwung kommt und haben sich (weil sie länger auf den Job warten mussten als sonst) noch ein paar Zusatz-Skills, Zertifikate, Auslands-Praktika usw. erworben um mit frischen Skills wie Windows11, .NET4.0, iOS11,... praktisch alle Älteren (die nicht auf eigene Kosten im Urlaub diese Skills auch erworben haben) aus der Firma zu verdrängen wie es üblich ist aber der entsprechende Spiegel-Online-Link blockiert das Posting vielleicht... . Als 30jähriger wird man dann also durch eine große Menge frischer Absolventen ersetzt und kann sehen wo man bleibt während man (siehe TV-Berichte) oft immer weniger brauchbare Handwerke findet... Sehr schlau ist das nicht...
Doch soll man eine Branche studieren welche eine Abbrecher-Quote von 50% hat obwohl bessere Vor-Selektion das verhindern könnte ? Denn das Lebensjahr ist weg und man zahlt 1 Jahr weniger in die Sozialkassen und hat 1 Rentenjahr weniger wenn man in Rente geht...

(1) http://www.golem.de/news/wintersemester-rekord-bei-informatik-studienanfaengern-1511-117670.html

Antworten
Sven

Gute Software ist kein Produkt vom Fließband. Es entsteht nur mit genügend Know-How, Erfahrung, Motivation, Selbstverantwortung und Leidenschaft. Dies kostet aber nun mal Geld und letztendlich Respekt für die Leistungen des Entwicklers.

Ja... erstmal werden wieder viele auf den "Ich will meine Software schnell und Billig" Zug aufspringen (ist ja nicht das erste Mal)... Jeder wird wieder unter diesen kurzsichtigen Entscheidungen Leiden müssen, bis unsere Topmanager es kapieren. Schade, schade schade....

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