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Gisbert Rühl bei Changerider: „Digitalisierung groß denken, aber klein anfangen“

Gisbert Rühl im Changerider. (Screenshot: t3n.de)

Mit dem neuen Video-Format Changerider wollen Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Der aktuelle Interviewgast: Gisbert Rühl.

In der dritten Folge des neuen Video- und Podcastformats Changerider von Etventure-Gründer Philipp Depiereux und t3n erzählt dieses Mal Gisbert Rühl, CEO des Stahlhändlers Klöckner & Co, wie Digitalisierung im B2B-Traditionsunternehmen funktioniert – und wie er Bundeskanzlerin Angela Merkel einmal buchstäblich im Regen stehen ließ.

Wenn man an Innovation denkt, kommt einem die Stahlbranche sicherlich nicht zuerst in den Sinn – eine Traditionsindustrie, die aktuell vor allem mit Überkapazitäten und dem Wettbewerb aus China zu kämpfen hat. Klöckner-CEO Gisbert Rühl hat aus der Not eine Tugend gemacht und dem Stahlhändler in den letzten fünf Jahren eine digitale Frischzellenkur verordnet.

„Wenn es zu revolutionär war, dann ging es immer aus irgendwelchen Gründen nicht“

Mit Kloeckner.i baute Rühl eine Einheit auf, die eigenständig an digitalen Ideen arbeitete, und zwar in Berlin, fernab der Kernorganisation in Duisburg. Denn, so Rühl: „Wir haben schnell gemerkt, dass wir aus unserer internen Box nicht rauskamen. Wenn es zu revolutionär war, dann ging es immer aus irgendwelchen Gründen nicht.“ Die ersten erfolgreichen digitalen Produkte und Services waren schnell entwickelt. Im weiteren Verlauf habe sich aber gezeigt, dass die Digital-Einheit – zumindest im B2B-Bereich – nicht völlig unabhängig vom Kerngeschäft laufen kann. Zu wichtig sind Branchen-Know-how und Kundenstamm auch auf der digitalen Schiene. „Es ist ein Unterschied, ob man Stahl im Web verkauft oder Hundefutter“, beschreibt es Rühl.

Schon 2017 erwirtschaftete Klöckner gut eine Milliarde Digital-Umsatz. Auch für die Zukunft hat sich Gisbert Rühl ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2022 will Klöckner 60 Prozent des Umsatzes über digitale Kanäle erwirtschaften, dann auch über die eigens geschaffene Industrieplattform, auf der auch Wettbewerber nach dem Amazon-Modell ihre Produkte vertreiben sollen. Damit greift Rühl das eigene Kerngeschäft disruptiv an. „Wenn der Kunde sich eine Plattform wünscht, über die er alle Stahl- und Metallprodukte beziehen kann, dann wird es so etwas zwangsläufig geben. Besser also, man startet es direkt selbst und partizipiert daran“, so Rühl.

„Die Mitarbeiter merken schnell, ob man es ernst meint“

Inzwischen ist Kloeckner.i deshalb wieder näher an die Stammorganisation herangerückt, was anfangs nicht nur Begeisterung ausgelöst hat. „Wenn sowohl unser Vertriebsmann als auch der Einkäufer auf Kundenseite Angst haben, ihren Job durch online zu verlieren, dann können wir die besten Webshops der Welt entwickeln, es wird nicht funktionieren.“ Dennoch ist Rühl ein umfassender Kulturwandel gelungen. Wie? Indem man die Leute mitnimmt und weiterbildet, mit kleinen Schritten startet und auf Augenhöhe kommuniziert, erklärt er. Und indem der Wandel von ganz oben getrieben wird. „Die Mitarbeiter merken sehr schnell, ob man nur Sonntagsreden über Digitalisierung hält, oder ob man es wirklich lebt.“

Auch anderen Mittelständlern rät der Klöckner-Chef, bei der Digitalisierung ins Risiko zu gehen und nicht ewig abzuwägen. Wichtig sei es, mit kleinen Schritten anzufangen statt direkt das große digitale Rad zu drehen. Sein Tipp: „Für die Digitalisierung sollte man groß denken und klein anfangen.“

Außerdem sprechen Philipp Depiereux und Gisbert Rühl bei ihrer Changerider-Fahrt nach Tirol über die DSGVO („Wir schießen uns damit selbst ins Knie“), die digitale Agenda der Regierung („Maßnahmen, die erst in fünf Jahren wirken, sind zu spät“), eigene Scheitergeschichten („Wir haben einen siebenstelligen Betrag in den Webshop investiert und hatten insgesamt acht Kunden drauf – von 170.000 Bestandskunden“) und wie er einmal Angela Merkel im Regen stehen ließ („Ich wollte sie mit dem Schirm am Wagen abholen. Der einzige, der aber dann unter dem Schirm stand, war ich“).

Und so geht es weiter: Bei der nächsten Changerider-Fahrt wird Laura Kohler, eine der einflussreichsten Frauen der europäischen Startup-Szene, mit an Bord sein.

Alle Folgen, etwa mit Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär oder Chief Empowerment Officer Fabian Kienbaum, sind auf Changerider.com abrufbar. Außerdem könnt ihr Wunschgäste für den „Talk im Tesla“ nominieren.

Disclaimer: Etventure hat mit Klöckner & Co. von 2012 bis 2014 zusammengearbeitet und den Aufbau der Digital-Einheit Kloeckner.i vorangetrieben.

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