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Kommentar

GitHub lässt Issues dauerhaft löschen – warum das eine schlechte Neuerung ist

Der erste Schritt in die falsche Richtung? (Grafik: GitHub)

GitHub hat auf Twitter angekündigt, dass Issues in Zukunft endgültig gelöscht werden können. Doch es gibt viele gute Gründe, warum das keine gute Idee ist.

GitHub hat auf Twitter einen Screenshot gepostet, auf dem das neue Feature präsentiert wird. „Bist du sicher, dass du das Issue endgültig löschen willst? Das kann nicht wieder rückgängig gemacht werden“, heißt es in einer Meldung auf dem Screenshot. Bereits unter dem Tweet machen sich negativ gestimmte Kommentare breit.

Warum sollten Issues löschbar sein?

Es liegen durchaus einige Gründe auf der Hand, warum Issues löschbar sein sollten. Ihretwegen hat GitHub das neue Feature vermutlich angekündigt. Für Spam-Issues oder wenn ein Issue fälschlicherweise angelegt wurde zum Beispiel. Auch wenn sich die Gegebenheiten während des Projektfortschritts geändert haben sollten, kann es passieren, dass ein Feature so nicht mehr umgesetzt werden kann oder komplett wegfällt. Dann mag das Löschen der zugehörigen Issues erstmal sinnvoll erscheinen. Auch könnten manche Probleme aus Versehen von unterschiedlichen Erstellern in verschiedenen Issues doppelt festgehalten werden. Nun könnte eben das Doppelte einfach gelöscht werden.

Doch ein viel größeres Problem sind sicherheitsrelevante Issues, die öffentlich für jeden einsehbar sind. Genau dann könnten Projektteilnehmer die Issues löschen und somit vor der Öffentlichkeit verstecken oder vielmehr verschwinden lassen. Doch solche Issues endgültig zu löschen, kann keine akzeptable Lösung dafür sein. Sinnvoller scheint die Lösung der Github-Konkurrenz. GitLab ermöglicht das Markieren von Issues als vertraulich. Dadurch können sie vor der Öffentlichkeit versteckt werden.

Löschen von Issues macht Projektverlauf inkonsistent

Wenn Issues endgültig löschbar gemacht werden, entsteht auch ein neues großes Problem: Der Projektfortschritt kann nicht mehr vollständig nachvollzogen werden. Denn das Löschen könnte viel zu häufig ausgenutzt werden. Den einzigen sinnvollen Nutzen der Funktion sehe ich beim Löschen von Spam. Für alle anderen Fälle sorgt das Feature für mehr Probleme als Lösungen. Wurde beispielsweise ein Issue doppelt erstellt und eines der beiden wird gelöscht, wird es für den Ersteller zur echten Herausforderung, das Problem wiederzufinden. Die bisherige Lösung, das doppelte Issue zu schließen und in den Kommentaren auf das andere Issue zu verweisen, ist deutlich sinnvoller.

Auch der Verweis auf Issues in Kommentaren und Commit-Nachrichten wird zu einem großen Problem. Denn wird ein Issue endgültig gelöscht, kann der Sinn eines Commits oder Kommentars nicht mehr vollständig nachvollzogen werden. Will man das verhindern, muss in Zukunft der Inhalt jedes Issues in die Commit-Meldung kopiert werden. Wenn ein Entwickler nach einem Issue der letzten Woche suchen will, das aber gelöscht wurde, tritt genau das gleiche Problem auf.

Insgesamt sorgt das Löschen von Issues schlicht für mehr Probleme als Lösungen. Dabei war die Art und Weise, wie zuvor mit beispielsweise Spam-Issues umgegangen wurde, absolut akzeptabel. Das Issue konnte einfach mit einem Spam-Hinweis in den Kommentaren versehen und dann geschlossen werden. Es ist nachvollziehbar, dass Spam im Verlauf des Projekts durchaus störend ist. Doch GitHub hätte zum Beispiel auch eine separate Markierungs-Funktion für Spam und sicherheitsrelevante Features implementieren können, sodass derartige Issues komplett beziehungsweise vor der Öffentlichkeit ausgeblendet werden können. Stattdessen wählt GitHub den offensichtlicheren Weg und ermöglicht das unwiderrufliche Löschen. Dadurch kann das unvorsichtige Nutzen der Funktion schlimme Folgen haben. Folgen, die man eigentlich mit der Verwendung von Git umgehen will: die Inkonsistenz der Projekt-History. Nach der inzwischen abgeschlossenen Microsoft-Übernahme ist das ein erster kleiner Schritt in die falsche Richtung.

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