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Startups

Wie ich versuchte, per SMS drei Katzen und eine Prostituierte zu bestellen

Das SMS-Startup GoButler im Test. (Foto: t3n/Mockdrop)

Eine kurze SMS und du bekommst, was immer du willst. Mit dieser Geschäftsidee ködert das deutsche Startup GoButler aktuell Couchpotatos. Unser Redakteur Daniel Hüfner hat die digitale Wunschfee getestet – mit erstaunlichen Ergebnissen.

GoButler: „Schick’ uns eine SMS“

Manchen Versprechen darf man nicht einfach glauben, man muss sie auf die Probe stellen. Das von GoButler ist so eins. „GoButler kümmert sich per SMS kostenlos um deine alltäglichen Wünsche“, schreibt das Berliner Startup auf seiner Website.

Das Team von GoButler mit Investor Joko Winterscheidt. (Foto: Claudius Pflug/20min.ch)
Das Team von GoButler mit Investor Joko Winterscheidt. (Foto: Claudius Pflug/20min.ch)

Es handelt sich keineswegs um einen Scherz. Getreu dem US-Vorbild Magic mischen die drei Gründer Navid Hadzaad, Jens Urbaniak und Maximilian Deilmann seit Februar die deutsche Gründerszene auf – mit einem digitalen Concierge-Service.

Und der funktioniert so: Einmal auf der Website von GoButler registriert, brauchen Nutzer nur die Mobilfunknummer des Startups auf ihrem Smartphone hinterlegen und können sich anschließend per SMS jede auch nur denkbare, lästige Aufgabe abnehmen lassen. Ob es sich dabei um die Buchung eines Zugtickets handelt, eine gewöhnliche Essenslieferung oder eine komplexe Recherche für eine Bachelorarbeit – völlig egal. „Solange es legal und realistisch ist“, erklärt GoButler. „Schick’ uns eine SMS.“

Gesagt, getan.

GoButler ausprobiert: Das taugt die SMS-Wunschfee

Wunsch 1: Ein Stück Käsekuchen

Gleich mein erster Auftrag fällt unter die Kategorie „fies“. Es ist ein warmer Nachmittag und ich habe plötzlich Hunger auf Käsekuchen. Natürlich könnte ich jetzt selbst zum Bäcker gehen, aber das ist ja der psychologische Trick bei GoButler: eine SMS und du kriegst, was du willst. Also hacke ich die Nummer von GoButler in mein Smartphone und schreibe eine kurze SMS: „Hallo, ich hätte gerne ein Stück Käsekuchen!“ Ich schäme mich ein bisschen, drücke aber trotzdem auf „Senden“.

Ich rechne mit allem, nicht aber mit einer ernst gemeinten Antwort. Doch die kommt. Nach fünf Minuten meldet sich GoButler: „Wann und wohin?“, will ein Mitarbeiter wissen. „Okay“, denke ich, „jetzt mache ich ernst“. Ich gebe Adresse und Lieferzeit durch. Keine zehn Minuten später eine neue SMS: Man bietet mir eine Lieferung per Kurier innerhalb der nächsten Stunde an. Die Barzahlung kostet: „Würdest du 20-25 Euro Lieferkosten in Kauf nehmen?“, fragt mich der Mitarbeiter. Ich entscheide mich gegen die Bestellung.

„Schade, kann ich sonst noch etwas für Dich tun?“

So funktioniert GoButler

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Wunsch 2: Eine Ladung Eis für das Team

Weil ich mich unbedingt von GoButler als Terminal für eine kurzfristige Essensbestellung überzeugen will, entscheide ich, einfach 20 Eis für das t3n-Team zu bestellen. Das ist günstiger und alle haben was davon. Wieder organisiert GoButler einen Kurier, der innerhalb einer Stunde liefern kann.

Bezahlen muss ich wieder in bar, dafür aber zu guten Konditionen. Ich sage zu. „Das Eis ist auf dem Weg zu euch. Die Lieferung kostet 5,38 Euro plus das Eis :)“, schreibt GoButler.

Kurioserweise erhalte ich zwischenzeitlich einen Anruf der Kurierfirma. Man sei von einem dubiosen Unternehmen aus Berlin angerufen worden mit der Bitte, 20 Eis ins t3n-Hauptquartier zu liefern. Ich kläre die Sache auf und beruhige den besorgten Mitarbeiter. Das Eis trifft dann tatsächlich nur eine halbe Stunde nach meiner SMS in der Redaktion ein. Ich bin beeindruckt – und habe Lust auf mehr.

Bitte, 20 Cornetto-Eis für das Team. Bestellt mit GoButler. (Foto: t3n)
Bitte, 20 Eis für das Team, bestellt mit GoButler. (Foto: t3n)

Wunsch 3: Die Biografie von Elon Musk

Einige Tage später. Schon länger steht die Biografie von Elon Musk auf meiner Wunschliste. Ich könnte einfach selbst über Amazon bestellen, schreibe aber inzwischen lieber eine SMS, als mich durch den Checkout des Online-Kaufhauses zu klicken. Kein Problem, sagt GoButler. Diesmal kann ich sogar online bezahlen.

Über einen verschlüsselten Link in der SMS werde ich auf eine Website weitergeleitet, auf der ich meine Kreditkartendaten eingeben kann. GoButler nutzt zur Abwicklung von Online-Bestellungen den zu PayPal gehörenden Bezahldienstleister Braintree. Ich gebe die Daten ein und bezahle. Das ging schnell.

Nicht schnell hingegen ist die Lieferung. Erst zwei Wochen nach der SMS landet das Buch auf meinem Schreibtisch. Auf Nachfrage teilt mir GoButler erwartungsgemäß mit, dass sich die Lieferung wegen des Poststreiks verzögert hat. Schade, aber nichts zu machen. Doch auch diesen Test meistert GoButler mit Bravour.

Die Bestellung per war in 2 Minuten erledigt, die Lieferung ließ zwei Wochen auf sich warten. Der Poststreik kam der Elon-Musk-Biographie dazwischen. (Foto: t3n)
Die Bestellung war in zwei Minuten erledigt, die Lieferung ließ zwei Wochen auf sich warten. Der Poststreik kam der Elon-Musk-Biographie dazwischen. (Foto: t3n)

Wunsch 4: Ein Termin beim Hautarzt

Jetzt sind Einkäufe im Internet zugegeben nicht das ideale Beispiel, um den Mehrwert von GoButler zu erklären. Sind die Preise bei Online-Bestellungen doch in aller Regel die gleichen, die Zusatzkosten bei Kurierfahrten hoch und die Zeitersparnis nur marginal. Anders ist das bei der Terminfindung für den Besuch beim Facharzt. Hier muss ich mich zum einen die notwendige Recherche nach einem geeigneten Arzt in der Nähe kümmern. Zum anderen kommen oft mehrere Telefonate dazu, um den schnellstmöglichen Termin auszuloten. Das kostet Zeit, die ich während der Arbeit nur selten habe.

Zum Glück verspricht GoButler, mir auch diese lästige Aufgabe abzunehmen. Die Vorstellung, dass eine mir völlig fremde Person bei Ärzten anruft, um für mich einen Termin zu vereinbaren, klingt skurril, bietet mir aber in jedem Fall Komfort. Knapp zwei Stunden nach meiner ersten SMS erhalte ich die Terminbestätigung inklusive Adresse. Allerdings stellt sich hier auch erstmals die Frage nach den Datenschutz: So musste ich GoButler neben bevorzugten Uhrzeiten zuvor auch mein Geburtstdatum und die Krankenkasse mitteilen.

Ich freue mich trotzdem, dass es geklappt hat. Geht da noch mehr?

Wunsch 5: Drei Katzenbabys und eine Prostituierte

Ja und Nein. Ja, danach habe ich GoButler wirklich gefragt. Nein, natürlich waren diese Anfragen nicht ernst gemeint. Trotzdem sind sie prädestiniert dafür, um auszuloten, wie weit man mit einem Service wie dem von GoButler theoretisch gehen kann. Immerhin wirbt das Startup auf seiner Website sogar damit, Katzen liefern zu können.

Leider stellte sich dieses Versprechen als Ente heraus. Meine Anfrage nach drei Katzenbabys für ein Geburtstagsgeschenk lehnt GoButler mit dem Hinweis auf „Tierschutzgründe“ ab. Eine gute Sache. Und was ist mit der Prostituierten? Auch den Auftrag, sagt GoButler auf Nachfrage, könne man nicht erfüllen. Dafür sei man dann doch nicht zuständig.

Fazit

Mit GoButler haben die drei Gründer Navid Hadzaad, Jens Urbaniak und Maximilian Deilmann einer der wohl charmantesten Geschäftsideen der jüngsten Zeit lanciert. Im Test überrascht der digitale Concierge-Service mit Zuverlässigkeit und Schnelligkeit. Jede auch noch so skurrile Anfrage wird zügig beantwortet. Vor allem bei komplexen Aufgaben wie etwa Recherchen, der Buchung von Arztterminen oder Tickets gelingt es GoButler, ein ungewöhnliches Komfortgefühl zu transportieren – wohl auch, weil alles per SMS und ohne zusätzliche App funktioniert. Das Mehr an Komfort bedeutet unter Umständen aber auch Kontrollverlust. Wer sich viele Aufgaben im Alltag von GoButler erledigen lässt, riskiert, persönliche Daten per SMS an Dritte weitergeben zu müssen.

„75.000 Nutzer, 60 Mitarbeiter und 370 Bestellungen jeden Tag.“

Bleibt noch zu klären, wie das Startup eigentlich Geld verdient. Eine berechtigte Frage. Immerhin sind die verschickten SMS nach Angaben von GoButler für Nutzer ebenso kostenlos wie alle Anfragen, die nicht per se auf eine kostenpflichtige Bestellung im Internet hinauslaufen. Gegenüber Gründerszene ließ GoButler-Gründer Navid Hadzaad sogar durchblicken: „Die Pizza oder der Flug kosten bei uns genauso viel, wie wenn der Bucher selbst die Buchung vornehmen würde.“

Das stimmt, wenn auch mit einer kleinen Randnotiz. Denn tatsächlich erhält GoButler eine Provision von den Unternehmen, deren Dienstleistung es vermittelt. Solche Affiliate-Provisionen können bei Händlern wie Amazon oder Lieferheld bis zu zehn Prozent betragen. Ein durchaus interessantes Geschäft, vorausgesetzt, das Auftragsvolumen stimmt. Zumindest die Zahlen sprechen für das Berliner Startup: So sollen sich seit dem Start im Februar schon 75.000 Nutzer für den Dienst registriert haben. Jeden Tag werden nach eigenen Angaben 370 Bestellungen vermittelt.

Der Konkurrenzkampf aber ist groß. Mit MyWichtel, James Bitte und Sixtyone Minutes versuchen sich auch andere deutsche Startups an der Renaissance der SMS als Geschäftsmodell. Bei GoButler stehen daher alle Zeichen auf Wachstum. „Inzwischen beschäftigt GoButler 60 Mitarbeiter und ist in 13 Ländern aktiv“, sagt Hadzaad. Damit haben er und seine Mitgründer zumindest das einstige US-Vorbild überholt: „Wir sind jetzt schon größer als Magic.“

Was haltet ihr von GoButler und was würdet ihr euch per SMS bestellen? Teilt es uns in den Kommentaren mit!

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14 Reaktionen
Antonia

Ich finde die Jungs von GoButler machen einen tollen Job hinsichtlich Marketing und PR. Ich persönlich finde den Ansatz "alles" dort machen zu können etwas zu breit, wir haben bei chatShopper (www.chatshopper.com) uns auf die Beratung, Inspiration und Shopping per Messenger fokussiert. Wir binden bei uns externe Experten an die eine sehr hohe Fachkompetenz haben um so dem Kunden die bestmögliche Beratung zu erhalten.
Die Themen Conversational Commerce/Messenger-Economy werden in den nächsten Jahren die großen Trends und ich bin gespannt wie schnell sich das Thema in Deutschland entwickeln wird!

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Georg

Es ist eine Zielgruppenfrage. Mich interessiert GoButler überhaupt nicht, weil ich einen echten Ansprechpartner eher schätze. Dafür bin ich auch bereit Geld zu zahlen (aktuell 1500€ pro 2 Jahre für eine Couple-Mitgliedschaft bei haltinner.com). Meine Frau und ich genießen persönliches Lifestyle Management. Hier fällt auch die Betreuung und der Kundenkontakt bei weitem großzügiger aus. Mein Sohn ist bei GoButler und zufrieden. Meinen Ansprüchen reicht es aber nicht.

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Ich

Super, danke für die schnelle Antwort. Ich schätze Elon Musk war 19,99€, denn das ist das aktuelle Preis bei Amazon.
Wäre wirklich interessant wie dort Geld verdient werden soll. Affiliate ist klar, aber bei Amazon gibts 5%, und ob man für 1€ rentabel die Bestellung ausführen kann ... Beim Arzt buchen wird auch nur kostenlos für den Kunden gehen wenn der Arzt dafür bezahlt.... Es bleibt interessant. Aber vermutlich bin ich einfach die falsche Zielgruppe. Wäre interessant wenn GoButler Details zu den täglichen Aufträgen veröffentlicht....

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Ich

Ist das Werbung? Oder wirklich ein ernst gemeinter Test? Hört sich alles nach Werbung an.... Müssten / Sollten bei einem ernsten Test nicht auch die Preise genannt werden? Finde ich nur beim Käsekuchen. Aber was hat das Eis gekostet? Vermutlich normaler Kioskpreis? Also 20-mal Cornetto & Co sind vermutlich 40 €, plus 5 € Lieferkosten. Für 45 € finde ich bei uns in der Firma auch jemanden der schnell mal zu Rewe läuft und entsprechende Grosspackungen kauft....
Während des Poststreiks habe ich weiterhin Amazon-Lieferungen bekommen, einige andere auch, siehe http://www.welt.de/wirtschaft/article142356787/Post-pickt-Amazon-Ware-aus-Paketbergen-heraus.html Aber die Lieferung von GoButler wurde bestreikt??... Da hätte GoButler ja mal herausstechen können und eine Lieferung durch einen lokalen Buchhändler organisieren können. Genau DAFÜR brauche ich so einen Butler... nicht um 2 Wochen auf die Lieferung zu warten...

Veröffentlicht doch bitte mal die Preise für das Eis, das Buch (Aufpreis?) sowie die Buchung beim Arzt (wobei ich mich dem ersten Kommentator anschliesse: Ich müsste GoButler erst alle meine Termine geben damit die was gescheites buchen können. Wie soll das sonst funktionieren?)

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Daniel Hüfner

Hi!

Die Preise für das Eis lagen bei circa 38,50 Euro zzgl. die Lieferkosten. Die Biographie von Elon Musk hat insgesamt 18,99 inklusive Versand gekostet.

Die Buchung beim Arzt war – wie im Artikel auch steht – kostenlos. So wie für alle Anfragen an GoButler, die nicht auf eine Warenbestellung oder Essenslieferung hinauslaufen. Natürlich habe ich GoButler vor der Anfrage nach einem Arzttermin einen Zeitraum genannt, der für mich infrage kommt (zum Beispiel: Jeden Montag im August ab 17 Uhr).

Das Konzept hinter GoButler ist sicher an der ein oder anderen Stelle noch ausbaufähig. Die Lieferung durch einen lokalen Buchhändler fände ich super! #supportyourlocalbusiness

Beste Grüße aus der Redaktion,

Daniel

PS: Der Artikel ist selbstverständlich keine Werbung – und wenn, wäre er eindeutig als solcher gekennzeichnet.

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Lars Rust

Die Frage nach Datenschutz bei dem Arzttermin ist aber doch eher unwichtig. Du gibst die Daten freiwillig raus, weißt auch, dass diese über den Service direkt zum Arzt weitergeleitet werden, gibst also dein Einverständnis. Das ist wohl eher kein Fall des Datenschutzes. Anders wäre es natürlich, wenn der Service deine Daten ungefragt weitergibt.

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Fynn Kliemann

Also mal ehrlich. Diese Idee mit der Prostituierten ist ziemlich geil. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Leute davor Schiss haben. Genauso wie Kondome, Schwangerschaftstest, Funktionsunterwäsche oder andere unangenehme Dinge zu kaufen :) Darauf sollte der Dienst sich ebenfalls konzentrieren. "Wir machen, was du dich nicht traust."

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Benson

Das wäre mal eine innovative Startup-Idee:
"GoPervert"
- Wir besorgens dir -

(Warum ist es innovativ, wenn es das selbe schon dreimal gibt?!)

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Gartenzwerg

Die Begründung mit dem Poststreik passt nicht zum UPS-Etikett auf der Amazon-Sendung.

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xXBossXx

Hahn stimmt :D

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Daniel Hüfner

Gut aufgepasst, ich vermute aber, dass Amazon auf meine Nachfrage hin kurzzeitig noch den Versandpartner gewechselt hat.

Beste Grüße,

Daniel

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Gerhard Hoffler

Können Sie auch bitte darauf eingehen, warum auf dem Amazon Paket UPS steht? Die Kunden von Amazon waren übrigens vom Post-Streik nicht betroffen. Hier stinkt es gewaltig nach Werbung. Etwa 20 Personen aus meinem Umkreis haben GoButler getestet und wir hatten lediglich schlechte bis befriedigende Erfahrungen.

Wenn man überhaupt eine Antwort erhalten hat oder man nicht vergessen wurde. Wenn Sie natürlich die Adresse preisgeben und GoButler bekommt mit dass T3N im Spiel ist, verhalten sie sich dementsprechend anders.

Der Service wird gehyped - zu unrecht.

Martin_KonVis

Genialer Artikel ;-) Machte richtig Laune den zu lesen:D

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kalender

für arzttermine bräuchten die aber zugriff auf die zeitfenster&prioritäten des eigenen kalenders, sonst hab ich noch das bewerbungsgespräch im wartezimmer des arztes.

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