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Reportage

Schulbank für Manager: Ist Digitalisierung lernbar?

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Abgesehen von einigen allgemeinen Vorkenntnissen unterscheiden sich die Grundkenntnisse der Teilnehmer deutlich. Sie bilden eine organisationssoziologische Landkarte deutscher Firmen, sie kommen aus Dax-Konzernen, aus Lebensmittelunternehmen, aus der Finanzbranche, aus dem Gartenbau, aus Versandapotheken, aus Agenturen. Sie sitzen im Marketing, im E-Commerce, im Consulting, im Produktmanagement. Weil kein Unternehmen aber gerne zugibt, dass es seine Mitarbeiter auf Digitalisierungsfortbildungen schickt, nennt dieser Text weder die Firmen noch die echten Namen der Teilnehmer. Vielleicht ist damit schon das größte Problem der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft erklärt – dass sie nicht so wirken will, als bräuchte sie Hilfe, dass sie mit Nachfragen aber einiges an Fehlern sparen und den schnellsten Weg zum Ziel gezeigt bekommen würde. Wie der deutsche Tourist in der fremden Stadt.

Digitalisierung beginnt in den eigenen vier Wänden: Datenjournalist Marco Maas erklärt sein vernetztes Zuhause. (Foto: Good School)

Interessanterweise zeigen beim „Update Digital“ vor allem die Fragen der Teilnehmer, in welchen Bereichen deutsche Unternehmen schon weit gekommen sind – und in welchen nicht. Das ist etwa beim Blockchain-Vortrag zu beobachten. Es ist Mittwochabend, der letzte Eintrag auf dem Stundenplan. Die Teilnehmer sitzen wie in der Schule in einem klassischen Stuhlhalbkreis um zwei Tische herum. Darauf liegt eine Landkarte, drei Teller mit Zetteln, eine Ticketmaschine. An die Wand wirft der Beamer die Blöcke der Blockchain. Der Bitcoin ist gerade im Höhenflug, das Thema wird in den Massenmedien heiß diskutiert. Wenn man etwas über Bitcoin und Blockchain lernen sollte, dann jetzt.

Jonas Wegener, schwarze Haare, schwarzer Bart, schwarze Brille, schwarzes Shirt, hat sich dieser Aufgabe angenommen. Er spricht in seinem Vortrag über das Mining von Bitcoins, wie mit viel Rechenpower ein Rätsel gelöst wird und dadurch eine neue Münze entsteht. Das Prinzip sorgt für Unverständnis. „Das klingt wie Zufall“, sagt Manuel, selbstständiger Kreativdirektor. „Was hat sich der Erfinder denn dabei gedacht?“, fragt Josef, Geschäftsführer einer ostdeutschen Agentur. Oliver, der zusammen mit Josef das Unternehmen leitet, schüttelt den Kopf. „Was macht das denn für einen Sinn? Das ist doch völlig außer Kontrolle!“ Jonas erklärt, dass es ursprünglich die Idee einer dezentralen Zentralbank gab, bei der jeder Geld minen kann, indem er miträt – eine Demokratisierung der Bankgeschäfte, der Transaktionen quasi.

„Die Gerechtigkeit ist für den Arsch.“

Als Jonas erklärt, dass mittlerweile große Rechenzentren in China die meisten Bitcoins schürfen, dass wir normalen Nutzer mit unserem mickrigen Rechner zu Hause gar nicht mithalten können, da schüttelt Oliver wieder den Kopf. „Jetzt bleibt es doch ein großes Monopoly. Wir schieben die Spekulationsmasse einfach nur auf ein neues Feld, weg von Immobilien hin zu Bitcoin“, sagt er. „Die Gerechtigkeit ist für den Arsch.“ Jonas nickt. „Ja, der Gutmenschenzug ist längst abgefahren.“ Exkurse in die gesellschaftlichen Dimensionen einer digitalen Idee gibt es in den drei Tagen immer wieder – Digitalisierung betrifft eben nicht nur das Business, sondern auch den persönlichen Alltag.

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