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Reportage

Schulbank für Manager: Ist Digitalisierung lernbar?

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Was sich beim „Update Digital“ auch zeigt: Ohne Exkurse in andere verwandte Digitalthemen geht es nicht. Jonas erklärt in seinem Vortrag, warum die Transaktionen auf der Blockchain nahezu nicht manipulierbar sind, dass alle Blöcke auf allen Rechnern gespeichert sind und Fälschungen dadurch unmöglich werden. Er erklärt, dass das System eigentlich nur dann geknackt werden könnte, wenn durch Quantencomputing eine Transaktion umgeleitet werden kann, bevor sie ausgeführt wird. Sabine, HR-Leiterin bei einem Energieunternehmen, meldet sich zu Wort. „Was ist Quantencomputing?“

Das ist eben das Ding bei der Digitalisierung: Wer das eine große Thema verstanden hat, muss sich direkt mit dem nächsten auseinandersetzen. Denn alle Begriffe hängen irgendwie zusammen, ein Thema führt zum nächsten. Wer über die Plattformökonomie spricht, der muss auch über Netzwerkeffekte sprechen, und wer über Netzwerkeffekte spricht, der kommt auch auf die Gegenbewegung der Dezentralität zu sprechen, auf Blockchain, auf Quantencomputing, auf riesige Datenmengen, auf künstliche Intelligenz, auf smarte Chatbots, auf soziale Netzwerke, auf E-Commerce in sozialen Netzwerken, auf Marketing, auf Affiliate. Mit jedem verstandenen Begriff wird die abstrakte Digitalisierung ein bisschen konkreter, ein bisschen greifbarer.

Daten sind alles, aber ohne Auswertung sind Daten nichts

Aber daraus ergibt sich die nächste Herausforderung: Wenn man das alles verstanden hat – was ist eigentlich relevant für die eigenen Zwecke, für das eigene Unternehmen? Diese Frage stellt sich gleich für mehrere Teilnehmer nach dem Vortrag von Max Orgeldinger. Der 28-Jährige, dunkelblonde Haare, hellblaues Hemd, Jeans, rattert in seinem Vortrag durch den Zweck von Big Data, durch Datenerfassung, Datenverarbeitung, Datenauswertung. „Die Hardware wird egaler, die Software wird immer wichtiger“, sagt der Berater der Hamburger Digitalagentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr. „Wie wir mit Daten umgehen, wird entscheidender sein.“

Eine Frage, die auch Klaus beschäftigt. Er arbeitet in einem Unternehmen, das sich auf Medizintechnik fokussiert. Wenn die Firma ein Produkt verkauft hat, werden die Kunden in einer anschließenden Umfrage um ihre Meinung gebeten. Nur werden die Daten nicht ausgewertet. „Wir sitzen auf einem Riesengrab von Kundenbefragungen, aber wir machen nichts damit“, sagt er. Der Mann in dem karierten Hemd will von Orgeldinger wissen, wie man diese auswerten könne. Das klinge jetzt langweilig, sagt der Berater, aber es komme natürlich auf das Geschäftsmodell an. Allein die schiere Masse an Daten enthalte noch keinen Mehrwert, man müsse auch wissen, wonach man suche, was relevant sei.

Max Orgeldinger von TLGG bei seinem Vortrag zu Daten. (Foto: Good School)

Er nennt das Beispiel eines Roboters, den das MIT gebaut hat. „Luigi“ kann durch die Kanalisation schwimmen und feststellen, in welchen Stadtteilen welche Viren und Bakterien austreten. Das allein wäre erst einmal nur eine große Sammlung von Daten. Aber wenn die Städte sie detailliert analysieren, können sie nicht nur herausfinden, wo welche Krankheiten besonders häufig vorkommen, sondern auch, wo welche Krankheiten ausbrechen könnten. Epidemien könnten so vorab vermieden werden, etwa indem sich die Behörden rechtzeitig um Impfstoffe oder Medikamente kümmern. So müsse jedes Unternehmen für sich auch erkennen, wofür genau man die Daten brauche, erklärt Orgeldinger. „Das Thema geistert auch bei uns durch die Flure“, murmelt Marten, Marketingleiter bei einem Pflegeprodukte-Konzern. Aber eine konkrete Idee für die Auswertung von Daten gibt es auch in seinem Unternehmen nicht.

Max Orgeldinger sieht dafür einen einfachen Grund: Das Thema ist für die Wirtschaft noch zu abstrakt, sie sieht noch keinen Mehrwert und wartet deshalb ab. „Die Unternehmen wollen erst einmal den Proof of Concept, sie wollen nicht als Erste etwas ausprobieren“, sagt er. Als Berater kann der 28-Jährige hinter die Kulissen der deutschen Wirtschaft gucken, er sieht, woran es wirklich hakt. Er glaubt, dass viele Firmen schon weiter sind als oft kolportiert. „Es wird immer so getan, als seien die deutschen Unternehmen ganz dumm. Das ist nicht der Fall, da tut sich ganz viel.“ Nur wüssten die Firmen aufgrund ihrer Risikoaversion oft nicht, wo genau sie anfangen sollten.

Digitalisierung: Eine Frage der Ethik

Ortswechsel. In einem roten VW-Bus geht es von der Sternschanze an die Außenalster, in ein kleines Bootshaus. Drinnen ein Kamin, ein paar Fritz-Getränke, Klappstühle, darauf weiße Decken. Das Programm führt als nächstes einen 24-Jährigen auf, der in die Welt der sozialen Medien einführen soll: Simon Bölts, blonde Haare, schwarzes T-Shirt. Der Berater soll eigentlich die wirklich jungen sozialen Netzwerke vorstellen, vor allem Snapchat und Musically. Aber er kommt nicht weit, nach jedem zweiten Satz wird er unterbrochen.

„Snapchat in Deutschland – wird das noch was?“, fragt Oliver.

„Was ist ein Takeover?“, fragt Karen.

„Was für einen Hashtag soll ich denn nutzen – den mit fünf Millionen Erwähnungen oder den mit 523?“, fragt Axel.

„Wann kippt das Influencer-Marketing?“, fragt Manuel.

„Gehst du davon aus, dass man die Kanäle in zehn Jahren noch nutzt?“, fragt Klaus.

Wenn es noch Zweifel daran gibt, welcher Teil der Digitalisierung in deutschen Unternehmen angekommen ist, dann sind sie spätestens jetzt ausgeräumt: Social Media machen alle, und alle wollen es noch besser machen. Es ist das erste Mal, dass alle Teilnehmer etwas beitragen, Fragen genauso wie Antworten und Anekdoten, dass viele mitschreiben. Besonders die Zielgruppe hat es den Teilnehmern angetan. „Dass es auf Musically auch über 50-Jährige gibt, halte ich für ein Gerücht“, sagt Manuel. Fast unisono antworten mehrere: „Das sind die Eltern.“ Josef berichtet etwa, dass er mit seinem Sohn snapchatte. „Für Whatsapp ist er zu faul, Snapchat ist der einzige Kanal, auf dem ich ihn immer erreiche.“

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