Kommentar

Google-Ausfall: Warum die Dezentralisierung so wichtig ist

Dezentrale Struktur. (Foto: eamesBot/Shutterstock )

Wenn das Thema eines dezentralen Internets in Gesprächen aufkommt, lächeln einige nur milde. Die Ereignisse vom Sonntag zeigen jedoch, wie wichtig dieses Thema ist.

Eine größere Cloud-Störung hat am Abend des 2. Juni zahlreiche Google-Dienste lahmgelegt, darunter Gmail, Youtube und Google Drive. Betroffen waren Accounts sowohl Übersee als auch in Europa. Sicherlich, die sogenannte Plattformökonomie im Web hat ihre Vorteile. Du kannst mal schnell einen kürzeren Artikel auf Facebook posten, zügig deine E-Mails auf Gmail abrufen oder gemütlich zwischendurch eine Reihe von Dateien in die Cloud hochladen.

Apropos Cloud. Hier gibt es schon das erste Problem. Den Markt in diesem Segment dominieren ein paar wenige Giganten aus den Reihen der üblichen Verdächtigen wie Amazon, Microsoft und Google, und wenn wir aus der Marktwirtschaft etwas wissen, dann, dass der mangelnde Wettbewerb immer zulasten der Konsumenten geht. Wenn nun eins der Schwergewichte ausfällt, so wie es Sonntag bei Google geschehen ist, sind sofort große Teile des Internets davon betroffen. In einer Struktur mit sehr vielen Teilnehmern relativiert sich das Problem. Dass es wichtig ist, das Risiko zu verteilen, weiß jeder Hobby-Anleger.

Die Dezentralisierung ist aber aus einer Reihe an weiteren Gründen wichtig, so ergibt es auch 2019 noch Sinn, ein eigenes Weblog zu haben. Stichwort hierbei sind die Accountsperrungen bei Facebook, Twitter und Co. In den letzten Wochen haben mit Freecodecamp und Hackeroon zwei große Content-Produzenten die Blogging-Plattform Medium verlassen und veröffentlichen ihre Inhalte nun auf eigenen Blogplattformen. Die Gründe waren vielfältig, lassen sich aber unter dem Stichwort „nicht deine Plattform, nicht dein Inhalt“ zusammenfassen.

tl;dr: Und was kann ich tun?

Fassen wir also noch einmal zusammen. Eine dezentrale Struktur ist vielleicht nicht immer der komfortabelste Weg, bietet aber eine Reihe an Vorteilen und Sicherheiten. Eine dezentrale Struktur ist besser gegen Angriffe und Ausfälle gesichert, das ganze System ist dann resilienter.

In einer dezentralen Struktur besteht die Gefahr, dass du stummgeschaltet wirst – egal, ob durch Accountsperrungen oder Änderung am Newsfeed-Algorithmus – ebenfalls niedriger. Das ist nicht nur für Content-Produzenten wichtig, sondern auch für die Meinungsvielfalt und somit auch für die Demokratie.

Was können wir alle machen? Jeder von uns muss sich von Fall zu Fall selbst kritisch hinterfragen:

  • Wäre es nicht besser, ein eigenes Blog zu betreiben und ab und an etwas davon auf die Facebook-Seite zu posten, anstatt nur auf Facebook zu setzen?
  • Muss ich wirklich meine Fotos bei Google hochladen oder nutze ich besser meinen eigenen Webspace?
  • Müssen es wirklich Amazon, Microsoft und Co. als Cloud-Anbieter sein oder gibt es vielleicht einen kleineren Dienst, der nicht nur günstiger ist, sondern mehr Funktionen bietet und noch mehr auf Datenschutz achtet?

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Ein Kommentar
MST
MST

„Du kannst mal schnell einen kürzeren Artikel […] posten, zügig deine E-Mails […] abrufen oder gemütlich zwischendurch eine Reihe von Dateien in die Cloud hochladen.“

Es ist nicht verständlich, warum es für diese Basics Vorteile haben soll, sich auf einen der großen, geschlossenen Anbieter zu verlassen, bzw. warum ausgerechnet darin ein Argument für Zentralisierung schlummern soll.

Klar, das Veröffentlichen von irgendwas, bzw. das gesehen Werden braucht schon eine gemeinsame Schnittstelle, aber eben nicht zwangsläufig auf derselben Infrastruktur. Man werfe einen Blick auf das prächtig gedeihende Fediverse mit Mastodon, Pixelfed usw. – viele Server, viele Dienste und alle können miteinander sprechen. Das funktioniert sofort.

Aber vielleicht ist es besser für das Klima dort, wenn sog. „Content-Produzenten“ davon fernbleiben und deren Zeug mal ein paar Stunden down ist.

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