Kommentar

Die Befragung des Google-CEO war vor allem eines: Zeitverschwendung

Google-CEO Sundar Pichai vor dem US-Kongress. (Foto: dpa)

Die Befragung von Sundar Pichai vor dem US-Kongress hätte einige drängende Fragen klären können. Stattdessen verriet sie mehr über das politische Klima in den USA als über den Suchkonzern. Für den Google-CEO sicherlich nicht das schlechteste Ergebnis.

Welche Rolle spielte Google bei Missinformationkampagnen im Rahmen des US-Wahlkampfes? Wie genau sehen Googles umstrittene Pläne aus, eine zensierte Suchmaschine für den chinesischen Markt zu entwickeln? Wie schlimm ist das kürzlich aufgedeckte Datenleck in Google Plus? Auch das waren Fragen, die Google-CEO Sundar Pichai vor einem Ausschuss des US-Kongresses beantworten musste. Die Mehrheit der Fragen drehte sich aber um etwas ganz anderes.

Immer wieder konfrontierten US-Abgeordnete Pichai mit dem als Frage getarnten Vorwurf, Google würde liberale Nachrichtenquellen gegenüber konservativen bevorzugen. Es ist eine vor allem bei US-amerikanischen Rechten beliebte Theorie, das liberale Silicon Valley würde seine technologische Macht nutzen, um ihre Stimmen zu unterdrücken. Auch US-Präsident Donald Trump hatte Google mehrfach Parteilichkeit vorgeworfen.

Pichai stritt die Vorwürfe ab und erklärte den Abgeordneten mehrfach, dass die Auswahl der Links automatisiert geschehe und die politischen Haltung einzelner Google-Mitarbeiter keinen Einfluss darauf habe. Es war zwar bisweilen durchaus unterhaltsam, als der Google-CEO erklären musste, wieso die Bildersuche seines Unternehmens bei dem Begriff „Idiot“ ein Bild des US-Präsidenten hervorbringt, der Erkenntnisgewinn hielt sich dabei jedoch in engen Grenzen.

Feindbild Silicon Valley

Der Vorwurf, das vermeintlich linke Silicon Valley würde konservative und andere rechte Ideen bewusst vor den Nutzerinnen und Nutzern verstecken, ist längst Bestandteil des rechten Narrativs in den USA. Die Erzählung bietet den Republikanern und ihren Anhängern eine weitaus zufriedenstellendere Erklärung für die Verluste bei den letzten Zwischenwahlen, als sich einzugestehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der US-Bevölkerung vielleicht doch andere Vorstellungen hat als sie.

Doch auch die demokratischen Abgeordneten trugen dazu bei, die Anhörung zu einer gigantischen Zeitverschwendung zu machen. Statt auf wirklich drängende Fragen einzugehen, sahen sich einige von ihnen offenbar genötigt, Partei für Google zu ergreifen. So erklärte der Demokrat Ted Lieu in Richtung seiner politischen Gegner beispielsweise: „Wenn Sie positive Suchergebnisse wollen, dann machen Sie positive Dinge.“ Damit verschwendete aber auch er letztlich vor allem Zeit.

Andere Demokraten drehten die Vorwürfe der Republikaner gleich ganz um und fragten Pichai, warum Google konservative Nachrichtenseiten anzeige, wenn sie nach ihrem eigenen Namen suchten. Pichai durfte dann abermals erklären, wie die Auswahl der Suchergebnisse funktioniert, und blieb von schwerer zu beantwortenden Fragen verschont.

Befragung des Google-CEO: Erkenntnisgewinn blieb gering

Den Nachfragen einiger Abgeordneter haben wir es immerhin zu verdanken, dass Pichai die Arbeit an einer umstrittenen Suchmaschine für den chinesischen Markt bestätigte. Auch hier blieb der Google-CEO aber einigermaßen vage und erklärte lediglich, dass es derzeit keine konkreten Pläne für den Start eines solchen Produkts gebe. Weiteren Fragen zu dem Thema wich Pichai aus. Für eine dreieinhalbstündige Anhörung ein äußerst unzufriedenstellendes Ergebnis.

Schon bei der Befragung von Mark Zuckerberg im April 2018 schafften es die Abgeordneten nur bedingt, wirklich interessante Informationen von dem Facebook-Chef zu erhalten; das war aber vor allem ihrem technischen Unverständnis verschuldet. Das zeigte sich zwar auch bei der Anhörung von Pichai, der an einer Stelle erklären musste, dass Google nicht das iPhone herstellt, letztlich verhinderte aber vor allem politisches Kalkül, dass der Google-CEO von vielen wichtigen Fragen genauso wie von allzu kritischen Nachfragen verschont blieb. Über Google erfuhr die Öffentlichkeit am Ende nicht viel. Für Pichai sicherlich nicht das schlechteste Ergebnis.

Ebenfalls interessant:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung