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Google Chrome will fremde Adblocker lahmlegen

Diese tiefgreifende Änderung im Chrome-Browser könnte für Ärger und Gerichtsprozesse sorgen. (Foto: FOOTAGE VECTOR PHOTO / Shutterstock.com)

Den Programmierern verschiedener Adblocker steht Ärger ins Haus: Durch eine wichtige Änderung bei den API könnte Google bald unter Chrome zahlreiche Extensions unbrauchbar machen.

Google könnte beim Browser Chrome viele Adblocker aussperren. So arbeiten die Entwickler an einer neuen Architektur, deren API eine Vielzahl populärer Adblocker unbrauchbar machen könnte. Diese werden in vielen Fällen als Extension in Google Chrome integriert und sorgen im Hintergrund beispielsweise dafür, dass bestimmte Werbeanzeigen gar nicht ausgeliefert oder geladen werden.

Bislang kommt hier die Webrequest-API zum Einsatz, die in Zukunft durch die Declarativenetrequest-API ersetzt werden könnte. Diese übernimmt im Gegensatz zu ihrem Vorgänger selbstständig die Kontrolle über die geladenen Inhalte. Google begründet diesen Schritt mit Sicherheitsaspekten, die auch nicht von der Hand zu weisen sind. So können über die alte API unerlaubt Nutzerdaten abgegriffen werden. Im Endeffekt dürfte das aber auch Googles Interessen in die Hände spielen, selbst einen Adblocker für bestimmte Inhaltstypen zu etablieren, der dann natürlich den Interessen des Werbenetzwerks folgt.

Adblocker-Anbieter erwägt Klage gegen Google

Dabei sollte Google vorsichtig sein – denn durch die API-Reform werden nicht nur diverse Adblocker ihre bisherige Funktionalität verlieren, sondern auch zahlreiche andere Extensions, die ja für viele Nutzer einen guten Grund darstellen, auf Chrome zu setzen. Aktuell hat Chrome laut Netmarketshare einen weltweiten Marktanteil von 67 Prozent, in Deutschland liegt der Marktanteil je nach Messmethode zwischen 50 und 60 Prozent, da hier Firefox traditionell eine starke Stellung hat.

Die Änderung würde beispielsweise Ublock Origin, Umatrix und Ghostery treffen. Letztere planen offenbar, wenn die Google-Pläne Realität werden sollten, den Klageweg zu beschreiten. Das zeigt in der Tat, in welcher Größenordnung eine solche Änderung auch in kartellrechtlicher Hinsicht Auswirkungen haben könnte. Auch wenn Google zu deeskalieren versucht und ankündigt, man sei noch in der Planungsphase und wolle die Entwickler-Community in die Überlegungen einbeziehen, darf man gespannt sein.

t3n meint: Wenn Google die Pläne so umsetzt und die genannten Adblocker nicht mehr nutzbar sein sollten, haben Nutzer, die einen nachhaltigen Adblocker verwenden wollen, nur noch die Möglichkeit, auf einen anderen Browser, etwa Firefox, zu wechseln. Generell nimmt man mit der neuen API allerdings Werbegegnern ein ernsthaftes Argument gegen die Werbeblocker: Nämlich, dass diese gegen den Willen der Nutzer Nutzungsdaten erheben. Tobias Weidemann

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