Analyse

Männer verdienen weniger als Frauen: Die Schwächen der Google-Gehaltsstudie

Gender-Pay-Gap: Google soll Männern zu wenig bezahlt haben. (Foto: dpa)

Einer internen Google-Studie zufolge seien Männer häufig schlechter bezahlt als ihre weiblichen Kollegen. Doch sind die Fakten korrekt ausgelegt?

Dass Frauen für dieselbe Arbeit weniger verdienen als Männer, ist in vielen Unternehmen und Branchen kaum von der Hand zu weisen. Auch Google zahlt angeblich unfair und hat dafür in den letzten Jahren einiges an Kritik einstecken müssen. Öffentlich geworden ist unter anderem der Fall der früheren Google-Entwicklerin Kelly Ellis, die sich einer Sammelklage gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber angeschlossen hat. Ihrer Aussage nach sei sie 2010 trotz ihrer langjährigen Berufserfahrung als „Level 3“-Mitarbeiterin eingestellt worden, was dem Google-internen Gehaltsniveau eines College-Absolventen entsprochen habe. Wenige Wochen später sei ein Mann mit ähnlicher Qualifikation als „Level 4“ zu Google gestoßen. Das sorgte für Frust.

Gender-Pay-Gap: Google soll Männern zu wenig bezahlt haben

Frauen kritisieren Google aufgrund unfairer Gehaltsverhältnisse. (Foto: dpa)

Google hat auf die Sammelklage mit einer internen Analyse der Gehälter reagiert. Zur großen Überraschung der Beteiligten fand der IT-Konzern jetzt heraus, dass Männer im Unternehmen sogar häufiger unterbezahlt seien. Als Resultat haben die Verantwortlichen das Gehalt der betroffenen männlichen Mitarbeiter jetzt erhöht, wie die New York Times kürzlich berichtet hat. Insgesamt habe Google rund 9,7 Millionen US-Dollar an über zehntausend Angestellte ausgeschüttet. Diese Nachricht sorgte für Aufsehen – auch und vor allem in sozialen Netzwerken. Das eine Lager bezeichnet Kritiker als hysterisch und verweist auf die Sinnlosigkeit der Sammelklage. Das andere Lager kritisiert, dass Google in der Studie die Fakten falsch auslege.

Der Vorwurf, dass die Ergebnisse der Studie mit Vorsicht zu betrachten sind, ist tatsächlich nicht weit hergeholt. Zwar wurde eine konzernweite Unterbezahlung von Männern festgestellt, allerdings gilt das nur im direkten Vergleich zu Frauen in derselben Position. Die Kritiker weisen darauf hin, dass nach wie vor akute strukturelle Probleme bestehen. Männer würden leichter als Frauen in Führungspositionen aufsteigen. Das habe vor allem mit dem internen Beurteilungssystem zu tun. So sortiert der IT-Konzern Mitarbeiter in verschiedene Stufen ein, je nach Erfahrung und Zukunftsaussichten. Hier sollen Frauen nach wie vor diskriminiert werden, wie unter anderem der Fall von Kelly Ellis beweisen soll. Ein Urteil steht noch aus.

Die vermeintliche Benachteiligung von Männern könnte insofern darauf zurückzuführen sein, dass Frauen bei subjektiven Faktoren wie Zukunftsaussichten besser eingeschätzt werden, aber von vornherein in eine niedrigere Gehaltsstufe eingeordnet sind. So verdienen sie scheinbar besser als gleichrangige Männer, könnten jedoch nicht entsprechend ihrer Qualifikation eingestuft sein. Um das zu klären, braucht es weitaus mehr Transparenz. Und an dieser Stelle zeigt Google sich nach wie vor zugeknöpft. Es ist ein großes Anliegen der Gender-Pay-Gap-Aktivisten weltweit, dass nicht nur Gehälter einsehbar sind, sondern auch Offenheit herrscht, was Einstellungs- und Beförderungskriterien angeht. Diese Geschichte scheint also noch nicht zu Ende erzählt.

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Ein Kommentar
Sino Boeckmann
Sino Boeckmann

> Auch Google zahlt angeblich unfair und hat dafür in den letzten Jahren einiges an Kritik einstecken müssen.

Den Satz sollte man aus der Vergangenheit holen und in die Gegenwart bringen, vor Allem wenn im Anschluss folgender Satz im Fließtext auftaucht:

> Zwar wurde eine konzernweite Unterbezahlung von Männern festgestellt, allerdings gilt das nur im direkten Vergleich zu
> Frauen in derselben Position.

Warum das „allerdings“, der direkte Vergleich (auch wenn der kaum messbar ist in vielen Situationen) ist doch genau DAS was es einem ermöglicht eine faire Bezahlung herzustellen und wenn das der Fall ist, ist doch alles super?

Aber: Um dann gleich im nächsten Satz auf ein GANZ ANDERES (auch wenn ggf. zusammenhängendes) Problem hinzuweisen:

> Die Kritiker weisen darauf hin, dass nach wie vor akute strukturelle Probleme bestehen.

Auch das:

> Das habe vor allem mit dem internen Beurteilungssystem zu tun. So sortiert der IT-Konzern Mitarbeiter in
> verschiedene Stufen ein, je nach Erfahrung und Zukunftsaussichten.

Was gedanklich aber komplett damit kollidiert:

> zurückzuführen sein, dass Frauen bei subjektiven Faktoren wie Zukunftsaussichten besser eingeschätzt werden, aber
> von vornherein in eine niedrigere Gehaltsstufe eingeordnet sind.

Sie werden mit dem subjektiven Faktor „Zukunftsaussicht“ besser eingeschätzt aber dennoch schlechter eingestuft?

Ja das könnte ein strukturelles Problem sein, welches sicherlich auch noch in Form einer (internen) Studie bei Google erörtert wird.
Doch immerhin machen sie etwas!

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