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Digitale Gesellschaft

„Seid keine Glassholes“: Google veröffentlicht Verhaltensregeln für Google Glass

Kann einschüchternd wirken: Google Glass. Foto: Michael Praetorius – via flickr

„Don’t be a Glasshole“: Google hat neun Empfehlungen veröffentlicht, wie Google-Glass-Inhaber richtig mit ihrer smarten Brille umgehen. Dazu gehört vor allem der respektvolle Gebrauch in der Öffentlichkeit.

In der Einleitung betont das Unternehmen die Wichtigkeit der als „Glass Explorers“ bezeichneten Google-Glass-Pioniere. Denn diese fungierten als Botschafter für die neue Technologie und seien eine wichtige Hilfe dabei, das gesellschaftliche Bewusstsein für Google Glass zu formen.

Für viele noch unbekanntes Terrain: Googles smarte Brille Google Glass.
Für viele noch unbekanntes Terrain: Googles smarte Brille Google Glass.

Google Glass: Neun Do’s und Dont’s für Early Adopter

Damit dieses Bewusstsein nicht negativ geprägt wird, sollen die Early Adopter verantwortungsbewusst mit ihrem Gerät umgehen. Das gilt sowohl für den eigenen Gebrauch als auch für das richtige Auftreten in der Öffentlichkeit.

Daher hat Google am Wochenende neun Do’s und Dont’s zu Google Glass veröffentlicht, die die Explorer-Community sich zu Herzen nehmen soll. Die Tipps sind humorvoll formuliert, haben aber einen ernsten Kern. Wer sie nicht aus Common Sense ohnehin befolgt, sollte sie sich vielleicht über den Badezimmerspiegel hängen.

Glass-Besitzer sollen die Brille etwa nicht während gefährlicher Sportarten tragen oder stundenlang auf das Display starren – es sei nicht gemacht, um darauf „Krieg und Frieden“ zu lesen, sondern für kurze, fokussierte Interaktionen, nach denen man sich direkt wieder auf das echte Leben konzentriert. Zudem empfiehlt Google, die Bildschirmsperre zu nutzen, um persönliche Daten bei Verlust schützen zu können.

„Erwartet nicht, ignoriert zu werden“

Auch mal andere probieren lassen: So begeistert man für Google Glass. Foto: Ted Eytan   – via flickr, Lizenz   CC BY-SA 2.0
Auch mal andere probieren lassen: So begeistert man für Google Glass. Foto: Ted Eytan – via flickr, Lizenz CC BY-SA 2.0

Wichtiger noch ist der Umgang mit Google Glass in der Anwesenheit all jener, die (noch) nicht zur Community der Glass Explorer gehören. Google macht klar: Wer heute Google Glass trägt, fällt auf und kann nicht erwarten, von seiner Umgebung ignoriert zu werden. Auf Fragen solle man daher immer freundlich antworten und gegebenenfalls auch Funktionen demonstrieren, um Bedenken zu zerstreuen. Wer sich nicht beim romantischen Dinner stören lassen wolle, solle die Brille besser in der Tasche lassen.

Google-Glass-Kamera ist wie eine Smartphone-Kamera

So mancher fühlt sich durch Google Glass beobachtet. Foto: Michael Praetorius   – via flickr, Lizenz   CC BY ND 2.0
So mancher fühlt sich durch Google Glass beobachtet. Foto: Michael Praetorius – via flickr, Lizenz CC BY ND 2.0

Der wohl heikelste Punkt im Zusammenhang mit Google Glass ist die eingebaute Kamera. Nicht wenige Menschen fühlen sich unwohl, wenn eine Linse auf sie gerichtet ist, sei es im direkten Gespräch oder aus einiger Entfernung. Google legt den Glass-Nutzern nahe, dies zu respektieren:

„Die Kamerafunktion bei Glass ist nicht anders als die eines Smartphones. Also nutze sie wie dein Handy und frage um Erlaubnis, bevor du Fotos oder Videos von anderen machst.“

Überall dort, wo Kameras nicht erlaubt seien oder Handys ausgeschaltet werden müssen, gelte dies auch für Google Glass.

„Glassholes“ sind schlecht für Googles Geschäft

Dass Google die Glass-Nutzer dazu aufruft, die Befindlichkeiten anderer Menschen im Umgang mit der neuen Technologie zu respektieren, geschieht natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe. So warnt Google am Ende seiner Etiquette:

„Verstöße gegen diese Regeln und unhöfliches Verhalten dämpfen das Interesse der Geschäftswelt an Google Glass und werden das Erlebnis für die anderen Explorer ruinieren.“

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6 Reaktionen
Michael Marheine

In unserer Gesellschaft ist es schlicht weg versäumt worden, Privatsphäre besser zu schützen, weshalb die technische Entwicklungsgeschwindigkeit die Oberhand bekam. Ich bin absolut kein kommunikativer Mensch, aber mich ständig wie im Dschungelcamp filmen zu lassen, das geht auch mir zu weit, zumal man nicht weiss, wo die Daten hin gehen. Die bleiben ja nicht mal nur auf der Brille ... zumindest gehen sie aufs Handy und da schauen ja auch schon die Herren Obama etc. gleich mit. Geht mir aktuell zu weit. Parallel muss ich in der Kindertagesstätte meiner Tochter eine Diskussion führen, ob ich ein anderes Kind mit auf dem Bild haben dürfte, wenn ich meine Tochter beim Spielen fotografiere. Da dürfen die Kindernamen nicht mal beim Spielen mit Fingerfarben an die Scheiben geschrieben werden ... könnte ja jemand "Ulrike" oder "Mehmet" lesen ... vielleicht wäre eine leuchtende Lampe an der Brille (die man dann auch nicht selbständig abstellen kann) ein geeigneter Weg. Dann würden sich die Nutzer wenigstens dazu aufraffen, ihre Gegenüber zu fragen, ob sie denn ein Foto machen könnten. Ist mir alles zu versteckt möglich – werden alle irgendwie zu kleinen Sherlock Holmes ...

kahner

@Jochen Fuchs:
Guten Morgen Herr Fuchs,

ich - und Sie natürlich auch :) - haben u.a. das Persönlichkeitsrecht am eigenen Bild. Man darf mich ohne Genehmigung grundsätzlich nicht fotografieren.
In der Praxis wird davon abgesehen, wenn der Zweck des Fotos eindeutig ein anderer ist.

Tante Else vorm Kölner Dom und ich dackel im Hintergrund vorbei - das geht; Kölner Dom und ich irgendwo auf der Dom-Platte geht auch, zumal selbst ich optisch nicht gegen den KD anstinken kann.
Wenn aber das Foto den Zweck erfüllt, mich zu identifizieren, also ich bildfüllend vor etwas stehe, das man nur mit gutem Willen als KD erkennen kann, geht das nicht. Vor allem, wenn das Bild diffamierenden Charakter haben könnte - "Beispiel eines Penners auf der Dom-Platte". Das *könnte* ist hier entscheidend und liegt in MEINEM Ermessen. Das Gleiche gilt natürlich auch für die gewerbliche Nutzung.

"Torsten, Kalle und Fred beim Gelage" gilt nach meinem Wissen auch im engeren sozialen Kontext als Dunkelgrau-Zone, zumal wenn Torsten offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, zu widersprechen. In der Praxis müsste Torsten allerdings auf zivilrechtlichem Weg seinen Schaden geltend machen, was dann wieder andere Konsequenzen hat.

Anders ist es natürlich auch, wenn das vor allem öffentliche Fotografieren erwartbarer Teil einer Veranstaltung ist oder ich Person öffentlichen Interesses bin.

In der Kneipe und in jedem anderen öffentlichen Raum kann ich aber drauf bestehen, dass von mir keine Bilder gemacht werden. Und zwar bei Bedarf mit Nachdruck! Der Notwehr-Paragraf räumt mir außer bei Bagatellschäden grundsätzlich ALLE Mittel ein, einen gegen mich stattfindenden Rechtsverstoß zu beenden. Ich muss hier keine Güterabwegung vornehmen, sondern der Täter kann hier selbst entscheiden, wann der *Kosten-Nutzen-Aspekt* für ihn ungünstig wird.
Natürlich muss ich mich selbst für meine Taten rechtfertigen können.

Das Problem bei Online-Technik ist ja auch, dass das Bild bekanntermaßen nicht mehr vernichtet werden kann, da bereits *geshared*. Dieser Umstand gilt natürlich auch für den Fotografen, da er die Verbreitung nicht mehr verhindern oder rückgängig machen kann.
Er kann mir also nicht glaubhaft belegen, dass er vom Rechtsverstoß abgelassen hat. Ich könnte sogar von einer möglichen Eskalation ausgehen.
Ich muss mich als Geschädigter auch nicht mit der zum Einsatz kommenden Technik auskennen, da es ja um meinen Schaden und nicht um das Tatwerkzeug geht.

Aber auch hier praktische Ausnahmen: im Zweifel wiegt natürlich die Straftat des Fotografierens deutlich weniger als die Aufklärung einer anderen Straftat (z.B. Unfall mit Fahrerflucht)

Aber gerade im Hinblick auf das im Internet *beliebte* an den Pranger stellen, sollte man sehr, sehr vorsichtig sein, und eigentlich IMMER davon absehen, das Foto eines anderen eigenmächtig z.B. auf Facebook zu veröffentlichen.
Wenn es einen strafrechtlichen Vorfall gibt, dann sollte man die Entscheidung und die Veröffentlichung der Polizei überlassen.

Ansonsten können da leicht Schadensersatzforderungen im 5-stelligen oder größeren Bereich fällig werden. Wenn beispielsweise der Geschädigten plausibel einen Schaden aus einer Konsequenz der Veröffentlichung belegen kann (Scheidung, Wohnungs-, Arbeits- oder Auftrags-Verlust, etc.).

Ganz wichtig ist dabei zu beachten, dass dies geltendes Recht ist und nicht Ausdruck einer eventuell nicht mehr zeitgemäßen Meinung. Gerade im Medien-Bereich wird hier eine andere Ansicht vertreten und dies im Einzelfall sicherlich auch gut begründet (Whistle-Blowing, investigativer Journalismus, etc.) - dennoch...

Gruß an die Redaktion
kahner

Jochen G. Fuchs

@Kahner
Mal kurz nachgefragt: Was genau meinst du mit „Erstens verstößt es gegen geltendes Recht“? Was ist „Es“ und wie verstößt es gegen welches geltende Recht? Kann dir da noch nicht ganz folgen? ;-)

Liebe Grüße aus der Redaktion,
Jochen

kahner

Naja - ich denke nicht, dass man da von *Unwohlsein* beim Gegenüber sprechen kann. Erstens verstößt es gegen geltendes Recht, zweitens ist es, wie hier beschrieben, unhöflich und drittens ist es angesichts der NSA-Thematik mehr als fraglich, ob man es sich leisten kann, will oder muss (das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit spielt da ja für einige schon jetzt eine große Rolle) hier als *Gargoyle* aufzutreten.

Der in der Übersetzung des SciFis *Snow Crash* leider untergegangene Begriff beschrieb bereits 1992 Menschen, die sich als Späher der Geheimdienste Geräte eingepflanzt hatte. Und die letztlich nicht gut damit liefen...

Denn beispielsweise die fehlende Gesichts- und damit Personenerkennung ist ja keine Konsequent technischer Unmöglichkeit, sondern schlicht eine simple Good-Will-Erklärung, die sich jederzeit und ohne Ankündigung und Wissen des Glas-Trägers ändern lässt.

Letztlich wird sich die Frage stellen, ob die bereits in anderen Medien (spiegel, golem, etc.) im Zusammenhang mit der NSA-Überwachung diskutierte Auslegung des Notwehr-Paragrafen nicht hier auch ganz schnell zur Anwendung kommt.

Ich dachte, ich drücke mich mal ein wenig anders aus als Benny Lava :)

Und man könnte ja auch als Glas-Träger bereits den Besuch einer Kneipe als *gefährliche Sportart* betrachten (*cage fighting* (siehe Link) is not an option)

Flo

@Benny Lava
Woher kommt diese omnipräsente Aggression, bei Typen wie Dir, sobald Glass in irgendeinem Thema auftaucht?

Ich bin echt geneigt mir so eine Brille zu gönnen, nur um zu genießen wie das Proletariat des Internets versucht ebensolche Aussagen zu revidieren sobald Sie realisieren, dass man im echten Leben nicht einfach so rumtönen kann...

Entspannen - Leben und Leben lassen ;)

Benny Lava

Eine fette rote blinkende LED an der Kamera würde helfen. Dann wüsste man, wenn sie an ist und kann dem Träger dann zeitgenau die Faust aufs Auge drücken.

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