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Analyse

Google News: Warum der praktische Newsdienst vielleicht in Europa dicht macht

(Foto: Shutterstock)

Der Nachrichtendienst Google News ist für viele Nutzer eine schnelle Anlaufstelle für aktuelle Informationen. Doch bald könnte es mit dem Service, der Nachrichten zusammenstellt, in ganz Europa zu Ende sein.

Googles Europapolitik-Lobbyisten haben gerade alle Hände voll zu tun. Denn das neue EU-Leistungsschutzrecht könnte zu einem teuren Problem für Nachrichtenaggregatoren wie Google News werden. Angeblich erwägt Google, den beliebten Dienst in Europa einzustellen, wenn die „Linksteuer“ genannte Abgabe nach Artikel 11 des geplanten Gesetzeswerkes so kommt, wie erwartet wird.

So richtig festlegen will sich das Unternehmen noch nicht, man wolle, heißt es, erst einmal die genaue Formulierung im fertigen Gesetz abwarten. Aber was das bedeutet, ist klar: Google will mitreden und pokert entsprechend hoch. Als neues Element in die ohnehin schon unübersichtliche Gemengelage kommt aktuell noch der Brexit hinzu – und die Frage, ob das Gesetz noch vor dem Brexit geltendes Recht wird und ob die Briten die entsprechenden Richtlinien umsetzen wollen. Gerade der News-Bereich in Großbritannien ist für viele US-amerikanische Medien aufgrund der Sprache ein wichtiger Markt und ein durchaus entscheidender Faktor in Sachen Reichweite.

Google News: Werbefrei, aber wichtig für Google

Dabei wird Google nicht müde, zu betonen, dass man Google News ja werbefrei gestalte, sodass kein direkter Revenue durch den Dienst erfolge, sondern Google es vielmehr als gesellschaftliche Aufgabe sehe, die Inhalte anzubieten. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit: Denn Google profitiert in Sachen Attraktivität und Reichweite durchaus auch von den Nachrichten, die man ausspielt. Gleichwohl wird deutlich, welche Macht Google als Gatekeeper für den redaktionellen Content der Publisher hat. In der Vergangenheit liefen die Interessen der Publisher gleich mit denen von Google: attraktive Inhalte ausliefern, damit der Leser Google für die Recherche nutzt, die Leser auf die Verlags-Websites weiterleiten, wobei alle voneinander profitieren und aufeinander angewiesen waren. Doch wenn einer der Partner dafür zahlen muss (in diesem Fall Google), wird aus einer Win-win-Situation schnell ein Geschäft, das in Zukunft nicht mehr zustande kommen könnte.

Gänzlich offen ist dabei noch, ob es sich, wie jetzt diskutiert, nur um die Einstellung von Google News handelt, die da diskutiert wird, oder ob Google gänzlich auf die Auslieferung aktueller Nachrichten in den Suchergebnislisten (SERP) verzichtet. Das wäre eigentlich nur konsequent. Wenn es aber so käme, würde das die Verlage in Europa, die einen Großteil ihres Geschäfts sowohl im freien Angebot als auch in den Premium-Inhalten auf Googles Reichweite aufgebaut haben, hart treffen.

Google News in Spanien bereits offline

Dass Google mit solchen Drohungen durchaus ernst machen kann, hat das Unternehmen bereits in Spanien bewiesen. Hier wurde nach Inkrafttreten eines strengen Leistungsschutzrechtes der Google-News-Dienst Ende 2014 einfach abgeschaltet. Die Verlage und Newsportale verzeichneten daraufhin empfindliche Reichweitenrückgänge und mussten ihr Geschäftsmodell auf gänzlich neue Füße stellen. Man kann zwar sagen, dass das vielen spanischen Medien gut gelungen ist – dass es in anderen Ländern Europas genauso elegant abläuft, ist aber nicht gesagt, zumal jeder Medienmarkt und jede Branche anders tickt.

Für die Verlage (ja, auch für die, die sich vehement dafür einsetzen, von Google für das Ausspielen der kurzen Snippets bezahlt zu werden) könnte das ein heftiger Schlag ins Kontor werden. Denn im Gegenzug dafür, dass Google Inhalte der Verlage bei Google News ausspielt, schaufelt der Dienst ja auch Tausende von Nutzern auf die Seiten der Verlage. Und die können dort ihre Werbung ausspielen und – zumindest so lange nicht das neue E-Privacy-Gesetz Wirklichkeit wird – gutes Geld verdienen.

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3 Reaktionen
Frank

"Denn im Gegenzug dafür, dass Google Inhalte der Verlage bei Google News ausspielt, schaufelt der Dienst ja auch Tausende von Nutzern auf die Seiten der Verlage. Und die können dort ihre Werbung ausspielen und – zumindest so lange nicht das neue E-Privacy-Gesetz Wirklichkeit wird – gutes Geld verdienen." => Nur das die Conversion hier extrem gering ist und das meiste Geld in der Platzierung von Anzeigen auf Headline-Ebene, sprich Google News geschieht...

Und die Spanier haben nicht aufgehört News zu lesen weil Google News eingestellt wurde. Im Gegenteil umgeht man damit den Gate-Keeper und die User gehen direkt auf die Newsseiten.... ergo mehr Umsatz für die Verlage

Antworten
Niels Dettenbach

Deutschland und EU bekämpfen das Internet mit einem Strom an fast wöchentlich neuen Gesetzen und Gerichtsurtzeilen, die das echte, nichtsstaatliche Internet mehr und mehr unterlaufen und zu "öffentlichem Raum" verstaatlichen. Das deutsche (inzwischen auch europöäische) Urheberrecht ist da nur ein "Werkzeug", um das Internet zu "zähmen" - d.h. staatlich "auf Linie" zu bringen, was den naiven Untertanen als "Verbraucherschutz", "Netzgerechtigkeit", "Breitbandausbau", "Digitalisierung 2.0" oder "Terrorabwehr" - was die sogar beklatschen - verkauft wird. Cookie-Recht, DSGVO, Urheberrecht, NetzDG u.ä. sind dabei nur wenige Beispiele...

Das Internet aber verdankt seinen großen Erfolg ja gerade der großen Ferne zum Staat und jedweder staatlichen Regide, es bringt aus sich heraus mehr als genug Mechanismen mit, die Teilnehmer gleichzuberechtigen. Das Internet war immer privater Raum - genauer: ein loser Verbund vieler privater Räume, in denen ein jeder sein eigenes Hausrecht ausübt - aber seinen Raum auch selbst verantwortet.

Wesentliches Standbein des Internets und seines Erfolges ist die Eigenverantwortung aller Teilnehmer für ihre "Technik" wie Server und Clients - welche durch die stetig neuen Gesetze und immer kruderen Urteile aufgeweicht bis umgekehrt wird. Dieses Standbein aber ist nicht nur wesentlicher Erfolgsfaktor, sondern auch wesentlich für das Auto-Immunsystem des Internets, welches Gesundheit und Prosperität bewirkt.

Wesentlich daher auch: Das Web lebt von Links und Referenzierungen. Links sind lediglich Verweise und wenn jemand Informationen im Web wie News keinem Dritten zur Nutzung (z.B. Indizierung oder Referenz) bereitstellen will, muß er das auch nicht - er kann dies mit verschiedensten Standard-Werkzeugen ausschließen / klar machen. Aus guten Gründen aber WOLLEN Zeitungen Ihre Artikel auch bei Google & Co. gefunden haben - es bringt ihnen wertvolle Kundschaft. Sonst würden sie es ja nicht tun. Typische "Suchanbieter" wiederum bieten das nur auf eine Weise, die auch ihnen Vorteile bringt. Es braucht keinerlei Staat, um da "Gerechtigkeit" herzustellen sondern nur, um durch die Hintertür Diktat über das Internet auszubauen.

Ich bin nicht sicher, ob dabei grenzenlose Inkompetenz oder Vorsatz dominieren. Für das Resultat kommt es darauf aber letztlich auch nicht mehr an. Das aus den Staaten einst über den Teich geschwappte Internet dürfte schon bald wieder nur in den Staaten echtes Internet sein - oder dort seinen Nachfolger finden, wenn auch dort der Staat mal so loslegt, denn das Produkt werden die Menschen absehbar nicht wollen).

Antworten
Sven

An dieser Stelle "kommentarlos" ein Link zu einem Artikel auf Netzpolitik.org. Sollte sch jede mal durchlesen als Ergänzung zu dieser Nachricht: https://netzpolitik.org/2018/citizen-google-wie-ein-konzern-den-journalismus-dominiert/

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