Analyse

Google: Die Suche nach der nächsten Cashcow

Google-Logo. (Foto: Benny Marty / Shutterstock.com)

Der Google-Mutterkonzern Alphabet verdient sein Geld aktuell vor allem mit Online-Werbung. Damit das nicht so bleibt, sucht Alphabet nach weiteren Gewinnbringern. 

Mal wieder lag im letzten Quartal 2018 Googles Umsatz um 22 Prozent höher als im vergleichbaren Vorjahresquartal – und mal wieder machte das Unternehmen einen Nettogewinn von knapp 9 Milliarden US-Dollar – das sind 12,77 Dollar pro Aktie. Auch wenn die Zahlen des Vorjahres durch eine Änderung im US-amerikanischen Steuerrecht nicht vergleichbar sind, zeigen die Geschäftszahlen, dass es Google und dem Mutterkonzern Alphabet richtig gut gehen.

Doch die Situation täuscht darüber hinweg, dass der Digitalkonzern ein Problem hat: Vier Fünftel des Konzernumsatzes resultieren aus dem Werbegeschäft. Das ist zwar insbesondere nicht ohne die Suchmaschine selbst zu betrachten, aber Google ist eben deutlich mehr als nur der Suchalgorithmus. Insbesondere bei der mobilen Werbung und im Umfeld der Bewegtbildwerbung – Stichwort Youtube – konnte der Konzern seine Führung ausbauen. Wahrscheinlich ist es Jammern auf sehr hohem Niveau – aber das Unternehmen investiert auch in andere Geschäftsfelder sehr viel Geld, die sich über kurz oder lang rechnen sollen, wenn der Konzern seine allumfassende Vormachtstellung im Internet ausbauen will.

Abgeschlagen hinter AWS: Google und die Cloud-Sparte

Analysten bescheinigen Google zwar eine kontinuierliche Umsatzsteigerung von im Schnitt 21 Prozent pro Quartal über die Jahre, in denen Sundar Pichai als CEO verantwortlich zeichnet. Selbstverständlich ist das aber nicht – und Google wird weitere Standbeine benötigen. Da ist der Markt der Unternehmens-Clouds. Den teilen sich aktuell vor allem Amazon AWS, Google, Microsoft und IBM. Doch Google rangiert bestenfalls in der zweiten Reihe.

Dabei verfügt die Google-Cloud-Plattform schon heute über ein umfassendes Angebot an Cloud-Lösungen für Unternehmen. Von Speicher- und Netzwerkdiensten über Identitäts- und Prozessmanagement bis hin zu Zukunftsthemen wie Machine Learning stehen eine Vielzahl an Anwendungen zur Verfügung. Besonders gelobt werden das Big-Data-Management sowie die Machine-Learning-Plattform Tensorflow und die Application-Container. Doch der sehr entwickler- und technologiegetriebene Ansatz macht es Unternehmen oft nicht leicht, die passenden Lösungen für sich zu finden und zu kombinieren. Wird in anderen Bereichen zu viel Marketing betrieben, ist es im Cloud-Bereich eher zu wenig. Die Cloud-Plattform könne verdammt viel, erklärt ein Branchenkenner, schaffe es aber nicht immer, insbesondere neben AWS zu bestehen. Auch Gartner verzeichnet Google in den Enterprise-Anwendungen hinter Amazon AWS und Microsoft Azure. AWS schafft laut Gartner 51,8 Prozent des Umsatzes, Microsoft 13,3 Prozent – Google liegt bei 3,3 Prozent.

Google Assistant mit Android als Hebel

Ein weiterer Bereich, den Google in den nächsten Jahren pushen dürfte, ist der der Assistenzsysteme und der smarten Lautsprecher. Hier hat das Unternehmen in den letzten 24 Monaten den immensen Vorsprung, den Amazon mit Alexa hatte, aufgeholt und positioniert den Assistant jetzt einerseits als Element der eigenen Hardware-Produkte, andererseits aber auch als UI für Android-Geräte und andere Hardware. Vom Marktanteil her liegen Amazon und Google jetzt, je nach betrachtendem Marktforschungsunternehmen, bei jeweils rund 30 Prozent ziemlich gleichauf, wobei Google mit der Android-Plattform über einen hervorragenden Hebel verfügt. Gerade im Automotivebereich dürfte Google hier in Zukunft eine gute Möglichkeit haben, den Assistant unterzubringen.

Dass die anderen Geschäftsbereiche in der Unternehmenseinheit „Other Bets“ zusammengefasst sind, passt zu Google und seinem Selbstverständnis. Dort gibt es unter anderem die Infrastruktursparte Fiber, das Automotivegeschäft Waymo und das Biosegment von Verily. All das sind Unternehmensfelder, die auf den ersten Blick erst einmal richtig Investitionen kosten – die aber Alphabet in der aktuellen Ertragslage nicht wirklich weh tun. Langfristig können diese sonstigen Unternehmensteile dazu beitragen, dass Alphabet ein Konzern wird, der in vielen mehr (Waymo) oder weniger (Verily) angrenzenden Sparten ebenfalls gutes Geld verdient.

Das könnte dich auch interessieren: 

 

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.