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Reportage

Googles Featured Snippets haben ein Problem mit der Wahrheit

Alternative Fakten prominent präsentiert: Googles Featured Snippets. (Foto: Olaf Speier/Shutterstock)

Googles algorithmische Bestimmung der einen wahren Antwort, die dann im Featured Snippet auf Platz null der Suchergebnisse angezeigt wird, hat massive Tücken.

Featured Snippets – Algorithmisch bestimmte Wahrheit

„Featured Snippets” sind begehrt in SEO-Kreisen. Das ist verständlich, denn die Platzierung dieser Snippets erfolgt an Position null – damit ist die Platzierung oberhalb der eigentlichen Suchergebnisse gemeint. Besser kann man nicht gelistet werden.

Die Beurteilung, ob ein Suchergebnis von Google in den Adelsstand eines „Featured Snippet” erhoben wird, obliegt den Algorithmen des Suchmaschinenriesen aus Mountain View. Eine Einflussnahme seitens der Seitenbetreiber ist nicht möglich.

Die Platzierung eines Featured Snippets. (Bild: Google)

Dennoch können Seitenbetreiber einige Maßnahmen ergreifen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, den Status eines „Featured Snippet” für eigene Inhalte zu erreichen. Dazu haben wir hier bei t3n diesen Beitrag veröffentlicht.

Im Ergebnis steigt die Wahrscheinlichkeit, einen „Featured Snippet” zu platzieren, mit der Qualität des Beitrags. Je höherwertiger deine Inhalte sind und je umfassender sie die potenzielle Frage der Suchenden beantworten, desto besser stehen deine Chancen, die Top-Platzierung bei Google zu erhalten.

Noch wichtiger sind „Featured Snippets” für sprachgesteuerte Interaktionen, etwa im Google Assistant deines Smartphones oder in der neuen Sprachbox Google Home. Hier besteht das Ziel darin, eine einzige, wahre Antwort zu geben. Während auf dem Smartphone noch die Möglichkeit besteht, alternative Antworten als Liste anzuzeigen, gibt es auf Google Home keine Alternative zur einen, möglichst richtigen Antwort.

In vielen Fällen setzt Google für die Bestimmung der Antwort auf den sogenannten Knowledge Graph, also verifiziert verlässliche Quellen und öffentliche Datenbanken. Allerdings bedient sich Google auch aus dem Fundus der „Featured Snippets”. Und die sind durchaus in den Ruf geraten, vorsichtig ausgedrückt, nicht immer korrekte Informationen zu beinhalten.

Google verbreitet fragwürdige Informationen

Schau dir das folgende Video der Kollegen von The Outline an, und du erkennst die Problematik ohne weiteren Erklärungsbedarf:

Google versucht, das Problem kleinzureden, indem offiziell von 0,25 Prozent aller Suchabfragen gesprochen wird, die vom Wahrheitsproblem betroffen sind. Wenn man aber nun bedenkt, dass Google täglich über fünf Milliarden Suchanfragen beantwortet, dann bedeutet der Wert von 0,25 Prozent in absoluten Zahlen dennoch 12.500.000, mithin 12,5 Millionen betroffene Suchanfragen täglich.

Bricht man diese Zahl nun noch weiter runter, nämlich auf die Zahl der laut Mozcast mit Snippets beantworteten Anfragen, so bleiben immer noch 1,85 Millionen täglicher Fehlwürfe, neben denen, die etwa Autocomplete produziert. Das ist zwar ein geringer Prozentsatz, aber eine gewaltige Zahl.

Google verspricht nun, seine Algorithmen weiter zu schärfen. Das lässt sich aber nicht unmittelbar nachprüfen. Als Sofortmaßnahme änderte der Suchmaschinenriese jedenfalls lediglich sein Feedback-Formular für Autocomplete und die „Featured Snippets”. In beiden Fällen können Nutzer, die mit den Vorschlägen Googles nicht einverstanden sind, diese Vorschläge unter verschiedenen Aspekten melden. Bisherige Meldungen, zumindest in sehr eindeutigen Fällen, setzte Google auch stets zeitnah um und entfernte die bemängelten Vorschläge.

Feedback zu Featured Snippets vereinfacht. (Animation: Google)

Neben der Vereinfachung der Feedback-Formulare konkretisierte Google auch die Richtlinien für die manuellen Bewertungen, die „Search Quality Rater Guidelines“. Hier finden Bewerter nun konkretere Beispiele für Websites, die es tendenziell eher abzuwerten gilt.

Beide Schritte sind sicherlich als kleine Bausteine im Prozess geeignet, für Verbesserungen zu sorgen. Dass damit jedoch fast zwei Millionen unangemessene Suchergebnisse pro Tag eliminiert werden könnten, erscheint kaum vorstellbar. Immerhin erhöht sich die Zahl der Suchanfragen dabei stetig. Das Problem tendiert also eher dazu, weiter zu wachsen. Nach Googles eigenen Angaben sind 15 Prozent der täglichen Suchanfragen neu.

Politische Einflussnahme durch Fake News

Gerade in der als postfaktischen Ära, die wir seit der Ukraine-Krise, dem Brexit und dem US-amerikanischen Wahlkampf erleben, potenziert sich das Problem möglicherweise schnell. Denn politische Interessengruppen haben erkannt, dass sich die Meinungsbildung im Netz durch die Flutung desselben mit fragwürdigen Inhalten gut beeinflussen lässt. Einige Trittbrettfahrer stellten auch fest, dass sich mit möglichst krassen Falschinformationenen das schnelle Werbegeld machen lässt.

Bezogen auf die Verbreitung von Fake News ist Google zwischenzeitlich in einer größer angelegten Aktion tätig geworden und sperrte als Fake-News-Farmen bekannt gewordenen Websites den Zugang zu Googles Werbenetzwerk, um sie so von der Finanzierung abzuschneiden. Das mag für manche funktioniert haben.

Was diese Maßnahme jedoch außer Acht gelassen hat, ist die Tatsache, dass es den Verbreitern politisch motivierter Fehlinformationen nicht um das Geldverdienen geht. Von daher betrifft solche Manipulatoren das Abschalten der Google Ads nicht. Andere Mittel scheint der Suchmaschinenriese aber derzeit nicht zu haben.

Gerade Manipulatoren der öffentlichen Meinung werden sich wohl über die neuen Feedback-Formulare zur Meldung unangemessener Inhalte besonders freuen. Denn so lassen sich ganz großartig auch richtige Inhalte als falsch oder anderswie schlecht diffamieren. Hinzu kommt, dass es die eine wahre Antwort in vielen Fragen ohnehin nicht gibt, weil sie eine Frage der Perspektive, der Kultur oder anderer Aspekte ist.

Das Wahrheitsproblem bedarf einer Lösung, aber welche kommt in Frage?

Es ist denkbar, dass die eher behäbige Verbreitung der Sprachbox Google Home, deren Marktstart in Deutschland schon früher erwartet wurde, jetzt aber wohl im „Sommer” erfolgen soll, nicht unwesentlich mit den geschilderten Problemen im Zusammenhang steht. Hier kann sich der Algorithmus nicht drücken. Hier gibt es keine Liste mit relativierenden Suchergebnissen.

Google Home: Sprachbox mit 1,8 Millionen falschen Antworten täglich? (Screenshot: t3n)

Wenn wir davon ausgehen, dass es wohl keine wirklich zufriedenstellende algorithmische Lösung für das Problem geben kann, weil die möglichen Suchanfragen so komplex sind, dass sie sich unmöglich antizipieren lassen – wie könnte dann Google vorgehen?

Würde ein Disclaimer nützlich sein? Wenn Google Home also antwortete „Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber angeblich ...” –  was resultierte daraus? Genau, es könnte die Antwort auch gleich bleiben lassen. Google ist also zum Erfolg verpflichtet, wenn es nicht komplett auf den Wachstumsmarkt der Spracherkennung und -interaktion verzichten will.

Auf Gedeih und Verderb, Google muss das Wahrheitsproblem der „Featured Snippets” lösen. Vielleicht lohnt es sich, so vorzugehen, wie Alexa oder Siri? Beide haben kein Problem damit, sich unwissend zu stellen ...

Quellen zum Weiterlesen:

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