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Googles Hardware-Chef: „Wir müssen keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Smartphone-Hersteller nehmen”

Gruppenbild: Googles Hardware-Familie. (Stefan Hoederath/Google LLC)

Google meint es mit seinen Hardware-Plänen ernst: Die neue Abteilung soll als Schlüsselbereich positioniert werden, wodurch Google sich nunmehr als direkte Konkurrenz zu seinen Android-Partnern aufstellt.

Schon seit einer Weile deutet sich an, dass Googles Hardware-Sektor mehr als nur ein „Hobby-Projekt“ des Unternehmens ist. Rick Osterloh, Chef der Hardware-Sparte, hat die Neuausrichtung bereits mehrmals bekräftigt – zuletzt im Zuge des MWC 2018. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er gar, sein Bereich müsse keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Smartphone-Hersteller nehmen.

Pixel und mehr: Google macht jetzt sein eigenes Ding mehr als zuvor

Rick Osterloh leitet die Geschicke der Hardware-Abteilung Googles. (Foto: Google)

„Uns geht es darum, Innovationen für Nutzer voranzutreiben und wir werden uns nicht zurückhalten“, erklärte Osterloh auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Damit wird deutlich, dass Google sich mehr denn je auf die Entwicklung eigener Produkte fokussieren und endlich beweisen will, dass das Unternehmen auch Hardware bauen kann. Genau hierfür hat Google 2016 auch den Hardware-Spezialisten Rick Osterloh als Chef der neuen Sparte ins Boot geholt.

Wir erinnern uns: Die ersten Anläufe mit eigener Hardware waren nur mäßig von Erfolg gekrönt. Bei den Nexus-Geräten, die in Kooperation mit Hardware-Partnern entstanden, musste Google eigenen Angaben zufolge zu viele Kompromisse eingehen. Bei der milliardenschweren Übernahme von Motorola wurde eine hohe Mauer zwischen Android und dem Motorola-Team gezogen, um andere Hardware-Hersteller nicht zu verärgern. Entsprechend schlug das Projekt fehl – Google gab Motorola schließlich für einen Bruchteil des Kaufpreises an Lenovo ab.

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Die Ambitionen des Konzerns, im Hardwaregeschäft groß mitzumischen, bestehen weiter und haben sich sogar noch verstärkt. Mit den Pixel-Smartphones, die auch als „Google in Reinform“ beschrieben werden, enthüllte Google die ersten Ergebnisse dieses Vorhabens. Das Pixel der ersten und zweiten Generation ist im Unterschied zu den Nexus-Geräten komplett in Eigenregie entwickelt worden. Keine Kompromisse mehr.

Analysten zufolge spielen Googles Pixel-Smartphones auf dem Markt zwar bisher eine kleinere Rolle, allerdings sind die Geräte im hochpreisigen Premium-Segment angesiedelt – einem Bereich, der Android-Chef Hiroshi Lockheimer zufolge noch Platz für einen weiteren Player hat. Mit dem ersten und zweiten Pixel (Test) konnte das Unternehmen den Absatz seiner Pixel-Geräte 2017 im Vergleich zum Vorjahr bereits verdoppeln, heißt es. Mit knapp vier Millionen abgesetzten Geräten kann Google zwar bei weitem nicht mit den großen Playern mithalten, es sollte dabei jedoch nicht vergessen werden, dass die Pixel-Phones bislang nur in sechs Ländern angeboten werden.

Pixel 2 XL versus Google Pixel XL. (Foto: t3n)

Die Ambitionen im Smartphone-Geschäft untermauerte Google jüngst auch mit der Übernahme von rund 2.000 Entwicklern des schwächelnden Smartphone-Spezialisten HTC. Das Entwickler-Team, das bei HTC bereits an den Pixel-Geräten arbeitete, soll auch bei Google weiterhin schwerpunktmäßig an Smartphones arbeiten, sagte Osterloh.

Der Hardware-Chef gab in Barcelona zu verstehen, dass das Unternehmen sich erst am Anfang seiner Reise ins Hardware-Land befinde. Denn er sagte: „Wir sind sehr fokussiert darauf, bei Verbraucherelektronik erfolgreich zu sein.“ Dabei spielen nicht nur Smartphones eine Rolle, sondern ein ganzes Portfolio an smarten Speakern – auch mit Display, einem Pixelbook und weiteren Smarthome-Produkten. Erst im Januar kündigte Google an, das bisher separat agierende Smarthome-Unternehmen Nest, das Thermostate für die Heizung, Rauchmelder, Heim-Sicherheitskameras und eine Alarmanlage produziert, in die Hardware-Sparte zu integrieren. Auf diesem Wege lassen sich die hauseigenen Produkte besser aufeinander abstimmen.

Nest ist seit Januar 2018 Teil von Googles Hardware-Abteilung. (Foto: Google)

Dennoch werde die Marke Nest vorerst erhalten bleiben, auch die Nutzerdaten sollen zunächst weitgehend getrennt bleiben. Als einen der ersten Schritte hinsichtlich der Integration bekommen Nest-Geräte den Google Assistant installiert. Darüber, welche Geräte künftig unter welcher Marke herausgebracht werden, gebe es noch keine Entscheidung. Das vernetzte Zuhause sei ein wichtiger Schwerpunkt für Googles Gerätegeschäft.

Googles Hardware-Sparte wird zum Schlüsselbereich des Unternehmens

Konkurrenz für Amazons Echo Show: Lenovos Smart-Display mit Google Assistant. (Bild: Lenovo)

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Die neue Hardware-Sparte nehme im Hause Google eine besondere Position ein: Es gebe keine Einschränkungen bei der Kooperation mit anderen Teilen des Unternehmens. So arbeite das Hardware-Team eng mit Googles Forschungsabteilung und mit dem Android-Team an eigenen Produkten. Überdies seien auch Spezialisten für Navigation (Google Maps), Virtual- und Augmented-Reality (VR und AR) involviert, sagte Osterloh. Der Hardware-Chef betonte: „Wir sind ein Schlüsselbereich des Unternehmens und das erlaubt es uns, viel enger mit anderen Teilen der Organisation zusammenzuarbeiten.“ Sprich: Im Unterschied zu den bisherigen Hardware-Projekten kann das neue Team das komplette Potenzial des Unternehmens anzapfen.

Trotz der engen Zusammenarbeit mit vielen Google-Abteilungen erhalte die Gerätesparte keinen bevorzugten Zugang zum Android-Team, betont Google. Das bedeutet aber in erster Linie nur, dass die Hardware-Sparte keine Informationen über Pläne anderer Hersteller erhalte – und man würde auch nicht etwa vor Samsung und anderen Herstellern erfahren, welche Neuerungen in die nächste Android-Version einfließen. „Aber wir würden wissen, woran unsere Forschungsteams für die nächsten drei Jahre arbeiten. Diese proprietären Google-Informationen, die würden wir kennen.“

Hardware für den Google Assistant

Mit einem großen Entwickler-Team und gewissermaßen dem gesamten Google-Konzern im Rücken hat Osterloh die Aufgabe, Google-Geräte „in Reinform“ bauen zu können und ohne jegliche Kompromisse eingehen zu müssen. Hierbei spielt vor allem der Google Assistant eine relevante Rolle.

Googles Pixel und Pixel XL mit Google Assistant. (Foto: t3n)

Googles Antwort auf Alexa und Siri kann als die Suche der Zukunft verstanden werden, zudem sollte nicht vergessen werden, dass Sprachbedienung als das Interface der Zukunft betrachtet wird. Mit dem Sprachassistenten, der mit künstlicher Intelligenz ausgerüstet ist und sich an den Nutzer anpasst, will Google vor allem Amazons Alexa und Apples Siri die Stirn bieten. Er wird in jedem Produkt des Unternehmens Einzug halten. Comscore zufolge sollen bis 2020 alle Suchanfragen per Sprache durchgeführt werden – also kein Wunder, dass Google seinen Sprachassistenten möglichst überall einsetzen will.

Mit Blick auf Bedenken von Nutzern, die sich Sorgen machen, ein Google-Gerät wie einen smarten Lautsprecher mit Mikrofon im Haus zu haben, betonte Osterloh, der Konzern nehme Datenschutz und -sicherheit sehr ernst. „Wir haben eine Menge Google-Home-Lautsprecher verkauft, zuletzt im Schnitt mehr als einen pro Sekunde. Das heißt für mich, dass wir bei diesen Menschen ein Vertrauen aufgebaut haben, dass es uns erlaubt, bei ihnen zuhause zu sein.“ Zugleich sei Google bewusst, dass dieses Vertrauen jeden Tag mit Transparenz neu verdient werden müsse. „Es wird immer Leute geben, die besonderen Wert auf Datenschutz legen und keine Geräte dieser Art im Haus haben wollen“ – wenn sie es sich aber irgendwann anders überlegen sollten, hoffe er, dass sie Google als besonders vertrauenswürdige Marke betrachten.

Mit dpa-Material. Mehr zum Thema:

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