Analyse

Greta-Effekt auf Dienstreisen? So handeln deutsche Unternehmen

Greta Thunberg reist grundsätzlich per Bahn zu ihren Veranstaltungen. (Foto: dpa)

Greta Thunberg geht mit gutem Beispiel voran: Sie reist grundsätzlich per Bahn. Viele Unternehmen nehmen sie zum Vorbild, wenn es um Dienstreisen der Mitarbeiter geht. Immer klappt das jedoch nicht.

Eines hat die EU-Wahl ganz deutlich gezeigt: Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist vielen – vor allem jungen – Wählen enorm wichtig. Die Grünen haben hierzulande einen großen Wahlerfolg mit 20,5 Prozent eingefahren und damit sogar die einstige Volkspartei SPD weit hinter sich gelassen. Das liegt nicht zuletzt an Greta Thunberg und den „Fridays for Future“-Protesten, die in den vergangenen Monaten enorme Bekanntheit erlangt und den Umweltschutz wie kaum eine andere Bewegung dieser Zeit politisiert haben. Eine zentrale Forderung der Schülerproteste lautet, den Flugverkehr einzuschränken und darauf hinzuarbeiten, den Stadtverkehr weitestgehend autofrei zu gestalten. Tatsächlich ist das Fliegen in Deutschland laut Studien für 45 Prozent der Klimafolgen des Gesamtverkehrs verantwortlich, der Straßenverkehr für 46 Prozent.

Dienstreisen: Umweltschutz wird wichtiger

Thunberg predigt kein Wasser und trinkt anschließend Wein. Sie will Vorbild für den Rest der Welt sein und folgt deshalb auch ihren ganz eigenen Prinzipien. Die Schwedin nimmt grundsätzlich – sofern es geografisch möglich ist – den Zug, egal, wie weit die Strecke ist. Wer die 16-jährige einlädt, muss deshalb manchmal etwas länger auf sie warten. Tatsächlich würden enorm viele Treibhausgase eingespart, wenn dieses Modell weltweit Schule macht. Aber ist das im Unternehmensumfeld eigentlich realistisch, wo Zeit oftmals auch einfach viel Geld bedeutet? Und Unternehmen kaum noch lokal, sondern vielmehr global organisiert sind? Ein Blick in die Wirtschaft zeigt, dass das Bewusstsein fürs nachhaltige Reisen wächst.

So hat sich das Software-Unternehmen SAP das feste Ziel gesetzt, bis 2025 vollständig klimaneutral zu wirtschaften. Dienstreisen soll hierbei eine große Bedeutung zukommen, wie das Unternehmen t3n wissen lässt. „Bei Dienstreisen ist aus Gründen der persönlichen Sicherheit und des Umweltschutzes die Bahn das bevorzugte Beförderungsmittel für Geschäftsreisen im Inland und ins benachbarte Ausland“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Lediglich in Ausnahmefällen können Mitarbeiter beispielsweise auf Dienstwagen zurückgreifen – etwa, wenn es keine Zuganbindung in ländliche Gegenden gäbe. SAP spendiert seinen vielreisenden Mitarbeitern nicht zuletzt eine Bahncard 100, die sie auch privat nutzen können.

„Dienstreisen per Flugzeug sind die Ausnahme.“

Ähnlich verfährt auch die GLS-Bank. Dienstreisen seien mit der Bahn zu absolvieren, teilt das Unternehmen mit. An erster Stelle stehe allerdings sogar der Grundsatz, Videokonferenzen einer Reise immer vorzuziehen. Auf Flugreisen sollen Mitarbeiter also auch nur in absoluten Ausnahmefällen zurückgreifen, erklärt ein Sprecher der Bank – etwa, wenn das Unternehmen internationalen Verpflichtungen im Rahmen der Global Alliance for Banking on Values nachkommen müsse. „In allen Fällen werden Emissionen jedoch kompensiert“, so der Unternehmenssprecher. Dabei folge man nach eigenen Angaben dem Gold Standard des World Wide Fund For Nature (WWF) – dem strengsten Standard der Klimaschutzzertifikate.

Anders als bei SAP oder der GLS-Bank haben viele Dienstreiseregeln in anderen Unternehmen jedoch eher einen selbstverpflichtenden Charakter und unterliegen vor allem den Maßstäben der Wirtschaftlichkeit. Bei der Allianz heißt das laut einem Unternehmenssprecher, „eine sinnvolle Balance zwischen Kosten, Sicherheit und Umweltschutz“ zu finden. So sei zumindest innerdeutsch auch die Bahn das bevorzugte Fortbewegungsmittel. Künftig wolle die Allianz-Gruppe ihre Mitarbeiter jedoch auch dazu ermutigen, Ride-Sharing-Apps zu nutzen, um so den ökologischen Fußabdruck jedes Einzelnen zu verringern und so auch als Unternehmen einer klimafreundlichen Mobilität ein Stück weit näher zu kommen als bisher.

Die Bahn muss verlässlicher werden

Dienstreisen mit der Bahn: Höhere Zuverlässigkeit wäre schlagkräftiges Argument für Zugreisen. (Foto: dpa)

Einig sind sich die Wirtschaftsvertreter darin, dass mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter mit der Bahn fahren lassen würden, wäre das Schienennetz und das WLAN-Angebot der Deutschen Bahn in einem besseren Zustand. Mehr innerdeutsche Schnellstrecken, weniger Verspätungen und die Möglichkeit, lückenlos online von unterwegs aus arbeiten zu können, seien schlagkräftige Argumente, das Flugzeug zu meiden oder das Auto stehen zu lassen. Klar sei aber auch, dass Flugreisen nicht komplett vermieden werden können. Gerade interkontinentale Reisen seien anders nicht zu bewerkstelligen. Und auch Video- oder Telefonkonferenzen verhindern nicht, dass ein Termin manchmal auch vor Ort wahrgenommen werden müsse.

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8 Kommentare
Loysl
Loysl

Dienstreisen ist eine Maßnahme, die Anreize bei Firmenleasing für Mitarbeiter eine anderer. Zu häufig sind beim Firmenleasing sogenannte Tankkarten inkludiert und werden leider zu oft mit einer monatlichen Pauschalen für die Mitarbeiter berechnet. Dadurch ist kein Anreiz zum sparsamen Umgang mit dem Fahrzeug gegeben. Im Gegenteil, leider sind es häufig die Vollgas- und Vielfahrer mit diesen Tankkarten.
Hier sollten die Unternehmen über eine Verbrauchs-orientierte Abrechnung nachdenken, auch wenn dies anfänglich vermutlich mit mehr Aufwand verbunden ist.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Natürlich gehören die Unterhaltskosten zum Betriebsmittel und die Abgabenordnung regelt das auch entsprechend. Und als Unternehmer ist man bescheuert wenn sich diesen Aufwand auch noch ans bein zu binden. Und außer ein paar naiv verblendeten ist niemand der Überzeugung dass Unternehmen auf den Klimaschutz achten müssen – die sollen Gewinne machen. Einzig Verbote helfen.

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Jakob

Leider wahr. Als Unternehmen ist es extrem schwer auf Dinge wie Klimaschutz zu achten, wenn es die Konkurrenz nicht tut und deshalb höhere Margen hat.

Markus
Markus

Ich denke nicht das junge Menschen per Definition umweltbewusster sind. Ihnen fehlen Dinge nicht, die sie noch nicht hätten im Bezug auf Mobilität.

Das man aber völlig in die Irre geführt wird, nehmen viele den Parteien jetzt übel. Das gleiche wird nach der Elektroautolüge passieren. Wenn sich herausstellt, dass ein 2,5t schwerer Batteriewagen toll zu fahren ist, aber im Ergebnis das gleiche Unheil in elektrisch darstellt. Die Mobilität muss sich ändern und nicht nur der Antriebsstrang.

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Pascal R.

Ich finde es eine wunderbare Idee mehr Dienstreisen mit dem Zug zurückzulegen. Hatte kürzlich auch die Frage vom Chef, womit ich fahren wollen. Habe mich für den Zug entschieden – einfach entspannter.

An diesem Artikel interessiert mich sehr die t3n-Meinung bzw. t3n selbst dies umsetzt?

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Andreas Weck

Hi Pascal, danke für die Nachfrage. Wir machen alle Dienstreisen im Inland und benachbarten Ausland per Bahn. Innerstädtisch natürlich Fahrrad oder ÖPNV. Reisen in die USA usw. müssen wir weiterhin per Flugzeug abwickeln.

Gruß, Andreas

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Uwe Lange
Uwe Lange

Nach Übersee reisen mit Schiff,werden die auch schon mit Ökostrom angetriebenen?
Was ist mit dem Umweltschädlichen Schweröl b.z.w Diesel.Abfälle Plastickmüll Fäkalien,wo landet es?Alles sauber,alles gut?

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Michael Kneisch

Jetzt mal Butter bei de Fische. Der Greta effeckt, ah!

Wenn ich nach FFM muss zahle ich von Bochum aus um die 150 €, Flug ab Düsseldorf um die 40 € und mit dem Auto keine 75 € (bei 30 Cent/Kilometer). Flug und Auto haben die Kürzeste Reisezeit auch wenn man mal im Stau steht. Beim Auto habe ich die Freiheit der Abfahrtszeit, sollte ein Meeting mal länger gehen.

Mit der Bahn bin ich dieses Jahr schon zwei mal in FFM gewesen. Der erste Zug fiel gleich mal aus und der nächste …. bei beiden malen war die Rückfahrt genauso spannend. Das kann ich mir einfach nicht leisten. Wenn ich die Kohle sehe die das Kostet und den Service….

Ich setzt mich ins Auto, Metall ins Ohr, Kaffee im Termobecher und dann geschmeidig auf die Piste. 100-120km da liegt mein Asiatisches Diesel Auto bei 5,4L … und nein meine Software muss nicht geändert werden.

Bahn ist keine Alternative für Dienstreisen unter 300Km und darüber kann man billiger Fliegen.

Der Einzige Vorteil den die Bahn hat ist das man auf der Fahr am Lappi tippen kann. Wie Hochwertig diese Arbeit dann ist muss man im Einzelfall bewerten. Ich kann das zum Beipiel nicht. Zumal ja auch das Internet an Board mehr oder minder eine Frechheit ist. Da sitze ich doch lieber in meinem Acci und Rufe meine Kunden an und verabrede Termine, das geht im übrigen in der Bahn meist auch nicht.

Und Bitte! Rechnet erst mal bevor Ihr von Umweltfreundlich schreibt. Die Bahncard 100 kostet im Jahr 4350 € zweiter Klasse. Das ist nen Bruchteil dessen was ein Dienstwagen kostet. Damit spart SAP und Konsorten richtig Geld! Denen geht es nicht um die Umwelt denen geht es um Cash!

„Man wird nicht reich durchs ausgeben!“

Fragt mal lieber bei den SAP Leuten nach ob Dienstreisen und die Verspätungen der Bahn, die Anfahrt zum Bahnhof oder gar die Bahnfahrt mit im Gehalt sind oder nicht.

In diesem Sinne!

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