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E-Commerce

Desaster vorprogrammiert: Warum Groupon mit Gnome sein eigenes Grab schaufelt

(Montage: Jochen G. Fuchs Logo: Groupon)

Groupon versucht mit seiner Tablet-Kasse Gnome Aufwind zu bekommen. Der gefährliche und teuere Versuch jeden Händler quasi zwangsweise zu migrieren, könnte zur völligen Verausgabung von Groupon führen. Eine Grabrede von Jochen G. Fuchs.

Der Coupon-Dienst Groupon will seine US-Händler jetzt mehr oder weniger zwangsweise mit einer Tablet-Kasse ausstatten, die über eine Kartenzahlungsfunktion, Customer-Relationship-Management-Tools, Anbindung an Buchhaltungssoftware und einen Belegdrucker verfügt. Das Komplett-System „Gnome“ ist auf einem Desktop-Aufsteller befestigt und soll durch einfachere Einlösung der Groupon-Gutscheine in Verbindung mit den eingebauten CRM-Tools Kunden ein neues Einkaufserlebnis verschaffen. Der extrem niedrige Preis des Komplettsets könnte Groupon einen Aufwind verschaffen: Gnome könnte neue Händler anziehen. Könnte. Genauso gut könnte die neue Initiative den Coupon-Anbieter eine Menge Geld kosten und nur eines bringen: verärgerte Bestands-Händler.

Groupon auf der TechCrunch Disrupt in Berlin. (Bild: (Foto: TechCrunch / flickr.com, Lizenz: CC-BY))

Groupon migriert seine Händler mit Nachdruck zu Gnome

Liest man sich die Statements durch, die Bloomberg oder Recode eingeholt hat, wird schnell deutlich dass das neue „Betriebssystem für Händler“, wie Groupon Gnome tituliert, für Groupon von existenzieller Bedeutung zu sein scheint.

Gnome will become a standard part of the experience of running a Groupon for both merchants and consumers, and we’ll handle any exceptions on a case-by-case basis.

Groupon Sprecher Nick Halliwell | Recode 19. Mai 2015

Every merchant we have will be getting a Gnome tablet.

Groupon Chief Executive Officer Eric Lefkofsky | Bloomberg 19. Mai 2014

Fassen wir das zusammen, dann teilt Groupon mit, dass jeder Händler auf Gnome umgestellt wird – oder sich das zumindest so vorgestellt hat. Ausnahmen von dieser Regel werden als Einzelfall-Entscheidungen gehandhabt. Ob die Umsetzung gelingt hängt vom Willen der Händler ab, sich auf ein solches Paket einzulassen. Prinzipiell ist der Kostenpunkt für das System so niedrig angesetzt, dass es auch als Lockangebot betrachtet werden kann, um neue Händler anzuziehen.

The introduction of the service follows more than a month of trials in five cities, where 98 percent to 99 percent of businesses approached decided to adopt the system.

Groupon Chief Executive Officer Eric Lefkofsky | Bloomberg 19. Mai 2014

Laut Groupon ist das neue System seit einem Monat bereits im Testbetrieb und 98 bis 99 Prozent der örtlichen Händler hätten sich dazu entschieden, das System zu übernehmen – man kann also Gruppen zumindest nicht vorwerfen, sich vorab kein Stimmungsbild seiner Händler eingeholt zu haben. Auch wenn mir ein Monat etwas kurzfristig für so eine umwälzende Entscheidung erscheint.

(Bild: Groupon)
Groupon Gnome: Wird Groupon seine bestehenden US-Händler vom Tablet-Kassensystem überzeugen können? (Bild: Groupon)

Groupon Gnome: Ringt Groupon schon ums Überleben?

Es ist längst nicht mehr alles eitel Sonnenschein bei Groupon.

Die Geschäftsentwicklung von Groupon ist momentan verlustträchtig: im aktuellen Quartal rund 38 Millionen US-Dollar (27 Millionen Euro) Verlust trotz eines Umsatzzuwachses von 26 Prozent auf 758 Millionen, wie das Handelsblatt vermeldet. Bloomberg weist auch auf vergangene Einbrüche der Aktie um bis zu 50 Prozent im Verlaufe des Jahres hin. Es ist also längst nicht mehr alles eitel Sonnenschein bei Groupon.

Gnome könnte ein breitangelegter Versuch sein, aus dem Tal herauszukommen. Bestehenden Händlern endlich weiteren Mehrwert zu bieten und attraktiver für neue Händler zu werden. Der Versuch steht jedoch auf wackligen Beinen, sollte das Gnome-Konzept so umgesetzt werden, wie ich das hier beschrieben habe. Die beiden Hauptprobleme, die ich sehe:

1. Hohe Kosten für Hardware bei langer Amortisierungszeit

Die niedrige Grundgebühr von 10 US-Dollar deckt die Produktions- und Vertriebskosten für Gnome nur schwerlich, wenn überhaupt, dann nach mehreren Jahren. Ein Tablet, ein Aufsteller und so weiter: da kommen einige Hundert Dollar zusammen. Betrachtet man die Tatsache, dass Groupon das System nahezu zwangsweise ausrollen will, und die Anzahl der betroffenen Händler sich laut Groupon auf „zehntausende“ erstreckt, dann erhält man eine beträchtliche Investitionssumme in mindestens zweistelliger Millionenhöhe.

2. Payment-Dienst Breadcrump könnte sich zum Geldfresser entwickeln

Der Verdacht liegt nahe, dass Groupon bei jeder Transaktion via Visa und Mastercard Geld verliert.

Gnome bringt eine Zahlungsmöglichkeit für Karten mit. Kreditkartenzahlungen, die über Visa oder Mastercard abgewickelt werden, für nur 1,8 Prozent plus einer marginalen Transaktionsgebühr von 0,15 Euro – damit kann kein Terminal-Anbieter momentan kostendeckend arbeiten. Sprich: der Verdacht liegt nahe, dass Groupon bei jeder Transaktion via Visa und Mastercard Geld verliert. Und das Paymentsystem somit in Teilen quersubventionieren muss – es sei denn der abwickelnde Partner „Wells Fargo & Co“ hätte unwahrscheinlicherweise Groupon einzigartige Dumping-Preise gewährt. Ein Problem, das laut Forbes momentan auch das Payment-via-Dongle-Urgestein Square betrifft – und Square an den Rande des Abgrunds bringen könnte. (auch wenn Square das im Moment noch heftig dementiert.)

Fazit: Groupons Versuch für Aufwind zu sorgen kostet zuviel Geld

Die Integration des Groupon Universums in die Händlerwelt, sowie die Idee einen echten Mehrwert zu liefern ist richtig. Auch ist Gnome ein attraktives Produkt mit einem attraktiven Preis. Aber: Permanent jedes Wachstum mit Quersubventionen zu finanzieren, dünnt auf Dauer das Polster jedes finanzkräftigen Unternehmens aus. Bei einem Unternehmen mit defizitärem Ergebnis permanent auf kräftige Quersubvention zu setzen, deutet entweder auf einsetzenden Wahnsinn, auf vergrabenes Gold im Hinterhof oder auf ein baldigen Abstieg ins Grab hin. Ich geh’ schon mal die Schaufel holen.

Zu dieser Meinung gehört noch eine Meldung. Diese findet ihr in meinem Artikel „Groupon Gnome: Hier kommt die 10-Dollar-Tablet-Kasse“.

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3 Reaktionen
Guger

Werde Groupon kaum vermissen...

Christian

Bin auch drauf reingefallen. Dürfte einigen Linuxusern so gehen. Da hätte Groupon lieber sowas wie G-Nome o.ä. nehmen sollen.

Donngal

Und ich frage mich die ganze Zeit was das mit meinem Fenstermanager zu tun hat... Gnome, dämlicher Name wenn man nicht den Linux-Fenstermanager meint.

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