Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Marketing

Growth-Hacker: Warum die digitale Version der eierlegenden Wollmilchsau effektiver ist als klassische Marketeers

Wachstum: Das Ziel eines Growth Hackers. (Bild: © Warakorn - Fotolia.com)

Volle Kraft voraus, alles auf Wachstum! Die „Growth-Hacker“ erobern langsam aber sicher auch Deutschland. Sie umgehen klassische Strukturen und sorgen für Wachstum, vor allem in Startups.

Der Begriff des „Growth-Hackers“ stammt ursprünglich von Sean Ellis, Gründer des Webdienstes Qualaroo. Er hat diese besondere Abwandlung des Marketeers erstmals beschrieben: „Das einzige Ziel eines Growth-Hackers ist Wachstum. Alles was er tut, hinterfragt das Potenzial skalierbarer Strategien.“ Ein guter Growth-Hacker übernimmt demnach die risikoreiche Verantwortung für das weitere Wachstum des Unternehmens, entwickelt selbstständig kreative Lösungen und nutzt etablierte Techniken anderer Unternehmen. Wichtig sei laut Ellis deshalb auch ein „unternehmerischer Drive“.

Mit ähnlichen Worten beschreibt diese neuartige Position auch Kevin Indig, Er beschäftigt sich seit langem mit dem Thema „Growth-Hacking“ und berät Unternehmen mit Blick auf Wachstumsstrategien. Auf Anfrage von t3n schreibt er: „Traditionelle Marketer sind gut darin traditionelle Produkte zu verstehen, aber das Internet hat die Definition des Wortes 'Produkt' radikal verändert. Seit tausenden von Jahren waren Produkte greifbare Güter: Autos, Shampoos, Waffen. Heutzutage bestehen Produkte auch aus Bits und Bytes – Software! Diese Veränderung erfordert eine neue Art zu denken und damit eine neue Art von Marketing.“ Zeitgemäße Antworten auf aktuelle Anforderungen findet nur ein Growth-Hacker, erklärt Indig.

Growth-Hacker: Eine digitale Version der eierlegenden Wollmilchsau?

Sie „beherrschen den kompletten Prozess in dem Daten erhoben, ausgewertet und darauf basierend Taktiken und Strategien aufgestellt und durchgeführt werden. Sie testen, messen und analysieren.“ Im Prinzip die digitale Version einer „eierlegenden Wollmilchsau“? Vielleicht. In den meisten Disziplinen braucht es laut Indig aber nur Grundkenntnisse. Wichtig sei, ein „T-shaped Skill Set“: zwei bis drei Kernkompetenzen und eine disziplin-übergreifende Grundlage. Relevant sind hierbei im Prinzip alle Bereiche, von Social-Media-Marketing bis Conversion-Optimierung.

SendGrid auf der Suche nach einem Growth Hacker.  (Screenshot: boards.greenhouse.io)
SendGrid auf der Suche nach einem Growth-Hacker. (Screenshot: boards.greenhouse.io)

Mit Blick auf aktuelle Stellenanzeigen wird die bereits angesprochene Vielfältigkeit eines Growth-Hackers deutlich. US-Startup SendGrid schreibt beispielsweise: „Die Person hat eine Passion für Analytics und Daten, ein Verständnis fürs Coding, einen unstillbaren Appetit fürs Tests und Iteration, einen obsessiven Fokus auf Kundenakquise, ein großes Verständnis der Kundenpsyche und keine Angst, Grenzen zu sprengen und kalkulierte Risiken zu nehmen, um das ultimative Ziel zu erreichen: WACHSTUM.“ Wie Indig fordert SendGrid weitreichende Grundkenntnisse in allen wichtigen Disziplinen des Online-Marketings sowie ein tiefergehendes Verständnis zweier Teilbereiche, in diesem Fall SEO und PPC.

Laut Ellis braucht jedes Startup ab „Product/Market Fit“ einen Growth-Hacker – die Schlüsselfigur der folgenden Wachstumsphase. Er skaliert das Unternehmen bis irgendwann klassische Anforderungen – und damit auch Jobtitel – die Hauptverantwortung übernehmen. Ellis unterscheidet deshalb auch deutlich zwischen der neuen („Growth-Hacker“) und der alten Schule („VP of Marketing“): „Nicht alle Growth-Hacker können oder sollten die Position eines Marketingchefs einnehmen“, schreibt er in seinem Beitrag. „Ein VP Markerting muss die übergreifende Strategie des Unternehmens formen, ein Marketingteam aufbauen, externe Dienstleister koordinieren und viele weitere Verantwortungsbereiche übernehmen. Manche Growth-Hacker werden darin gut sein, andere werden sich langweilen.“ Entsprechend dieser Definition findet sich der Jobtitel „Growth-Hacker“ deshalb häufig auch in Startups.

Growth-Hacking am Beispiel von 3 Growth Hacks

Mittlerweile widmen sich unzählige Artikel den Growth Hacks bekannter Unternehmen – eine Fundgrube für jeden Marketeer. Mit welchen Tricks und Taktiken einige Growth-Hacker arbeiten, erklärt Indig an drei Beispielen:

  • Dropbox: Dropbox akquirierte neue Benutzer über ein zweiseitiges Bonusprogramm. Wenn ein Nutzer einen Freund einlud, erhielten beide Parteien nach dessen Installation der Software zusätzliche 500 Megabyte Speicherplatz.
  • Instagram: Das Fotonetzwerk steigerte seine Nutzerzahl durch die Steigerung ihrer Reichweite. Als sie die Möglichkeit erhielten, die bearbeiteten Fotos einfach auf Facebook oder Twitter zu teilen, explodierte die Mitgliederzahl.
  • Facebook: Das Soziale Netzwerk informierte noch nicht angemeldete Personen per E-Mail, wenn sie auf Bildern „getagged“ wurden. Sie erhielten dadurch den Eindruck, etwas zu verpassen. Ein psychologischer Trick zur Steigerung der Nutzerzahl.

Der große Hype ums „Growth-Hacking“

Warum der Begriff des Growth-Hacking und entsprechender Jobtitel gerade jetzt aufkommt, weiß keiner so genau. Laut Indig handelt es sich dabei letztlich nur um „eine Bezeichnung für modernes, datengetriebenes und gutes Marketing“. Hinzu kommt, dass sich schon seit einigen Jahren eine Annäherung der verschiedenen Kanäle des Online-Marketings feststellen lässt. Growth-Hacker füllen deshalb eine disziplin-übergreifende Rolle, betrachten das große Ganze und erkennen Synergien. Wie immer hängt der deutsche Markt in dieser Entwicklung rund ein bis zwei Jahre hinterher, so Indig. Aber: „Genauso, „wie es heutzutage reine Content-Marketeers gibt, wird es in Zukunft auch reine Growth-Hacker geben.“ Sie können in vielen modernen Unternehmen gängige Prozesse übergehen und arbeiten deshalb effektiver als klassische Marketingteams. Indig nennt Facebook als Beispiel: Growth-Hacker bildeten dort eine Art Spezialeinheit mit außerordentlichen Befugnissen.

Auch in klassischen, sehr traditionellen Unternehmen habe er solche „Spezialeinheiten“ kennengelernt. Wenngleich die flexiblen Allrounder laut Indig niemals Experten aller Disziplinen werden können, glaub er fest daran: So etwas wird sich etablieren. Wachsen müsse schließlich jedes Unternehmen.

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

4 Reaktionen
Pat

Die einfachere - aber leider titellose - Variante wäre es, wenn alle in ihren Betrieben / Unternehmen in ihren Köpfen sich die Freiheit nehmen würden und tagtäglich empfundenen Mangel zu beseitigen, zu verbessern und Energien freizusetzen. Dafür braucht es aber Geduld, die Fähigkeit zuzuhören und frei von Befindlichkeiten des eigenen Egos die Tatsachen zu sehen und sich rein an ihnen zu orientieren.

Antworten
Stephan Jäckel

Ich bin sicherlich ganz vorne dabei, wenn es drum geht die mangelnde Technikaffinität von Studentinnen und Studenten der Wirtschaftswissenschaften zu kritisieren. Die scheint heute trotz "Generation Internet" ähnlich groß, wie vor 25 Jahren. Selbst die Professorenschaft meiner Alma Mater begriff einst nicht, das es einen großen Unterschied machen kann, wenn ich BWLer an einer Technischen Universität zwischen Ingenieuren, Informatikern, Elektrotechnikern heranbilde. Dazu muss man aber diesen Unterschied sehen können und leben wollen.

Wenn heute nach Growth Hacker gerufen wird, dann sicherlich auch, weil sich die in Personen und Ausbildung von Marketern seit langem manifestierte Technikferne in Zeiten von Automation, elektronischer Kommunikation, und datenbasierten Prozessen genau diese Technikferne vielerorts negativ bemerkbar gemacht hat oder derzeit offensichtlich wird.

Nur: Ob ich ein Tierchen nun cat oder Katze nenne - ich bezeichne das gleiche Tier. Egal ob jemand nun Marketing studiert hat oder autodidaktisch zum Growth Hacker geworden ist: Erfolg ist das Ergebnis einer Gleichung in der sich die Nebenbedingungen Talent und Situation treffen. Da sind Titel bedeutungslos und der Growth Hacker qua Namensgebung und Schöpfungsgeschichte nicht automatisch überlegen. Nach Rationalisierungskommitees, Qualitätsarbeitsgruppen, Change Management Teams haben wir nun Growth Hacker "erfunden", um bestehende Bürokratie zugunsten von positiven Wachstumskapazitäten freizuschaufeln.

Die einfachere - aber leider titellose - Variante wäre es, wenn alle in ihren Betrieben / Unternehmen in ihren Köpfen sich die Freiheit nehmen würden und tagtäglich empfundenen Mangel zu beseitigen, zu verbessern und Energien freizusetzen. Dafür braucht es aber Geduld, die Fähigkeit zuzuhören und frei von Befindlichkeiten des eigenen Egos die Tatsachen zu sehen und sich rein an ihnen zu orientieren.

Daran scheitert es und genau diese Charaktereigenschaften fehlen mir in der Beschreibung von Growth Hackern, denen in 15 oder 20 Jahren dann vielleicht die "System Re-Wiring Professionals" folgen werden, Leute die Menschen, Aufgaben, Ziele und Kunden neu miteinander verbinden werden.

Antworten
Lars Budde

@Robin Vielen Dank für den Hinweis. Da hat mir die „Suchen & Ersetzen“-Funktion einen Fehler eingespielt. :)

Antworten
Robin

Growth-Hackinging am Beispiel von 3 Growth Hacks

Hackinging ?! :-P

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen