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Kommentar

Jeder kann gründen – aber mit reichen Eltern ist es leichter

Job und Status der Eltern gehören zu den aussagekräftigsten Erfolgsfaktoren von Gründern. Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer hatte da einen ganz guten Start.

Gründer sind zu den Rockstars unserer Zeit geworden. Das Beste daran: Jeder kann es schaffen. Einfach die Uni abbrechen, in der Garage tüfteln und niemals aufgeben. Richtig?

Wenn man in Berlin über Startups schreibt, trifft man natürlich jede Menge Gründer: beim Essen in Coworking-Spaces, auf Meetups, auf Konferenzen. All die Improvisiertheit, die Aufkleber auf den Computern, die Sneaker und T-Shirts der Startup-Szene vermitteln das Gefühl, dass alles relativ offen ist, dass jeder mitmachen kann. Auf den Konferenzen gibt es dazu Vorträge, wie man für 100 US-Dollar ein MVP baut, also ein erstes funktionierendes Produkt.

Auf den ersten Blick macht das die Szene sehr sympathisch. Man hat das Gefühl, was zählt, sind eine gute Idee und viel Arbeit. Man braucht dafür keinen Anzug und kein Büro. Das geht im T-Shirt, in Sneakern und im Notfall auch aus einer Garage. Immerhin haben Steve Jobs, Larry Page, Jeff Bezos und Bill Gates es von der Garage zur Milliarde geschafft. Und nicht nur in den USA, auch in Deutschland haben es einige bis ganz nach oben geschafft. Die Samwer-Brüder beispielsweise: mit Jamba-Klingeltönen bis zum Milliardärs-Platz auf der Forbes-Liste. Startup-Gründer sein ist damit auch hier zu einem Karriere-Traum geworden. Und natürlich gibt es auch Listen, die aufschlüsseln, welche Eigenschaften man dafür braucht. Auf Platz 1 bis 3 stehen Beharrlichkeit, Selbstvertrauen und Anpassungsfähigkeit. Aber nicht alles, was man zum Gründen braucht, ist erlernbar.

Zugang zu Geld

Die englischen und amerikanischen Forscher David Blanchflower and Andrew Oswald haben sich in einem wissenschaftlichen Artikel von 1998 mal gefragt, woraus Gründer gemacht werden. Das größte Problem für Gründer, so die Studie, ist es, an Geld heranzukommen. Eine der erfolgsversprechendsten Lösungen dafür: Geld erben. Oder Geld geschenkt bekommen. Weiter heißt es in der Studie: „Persönlichkeitsstudien der Kindheit und psychologische Tests sind fast nutzlos, wenn man vorhersagen will, wer später im Leben mal sein eigenes Geschäft führt. Es ist Zugang zu Startup-Kapital, der zählt.“

An den Umständen scheint sich in der Zwischenzeit wenig geändert zu haben: Auch eine aktuelle Studie von Ernst and Young führt den Zugang zu Kapital als größte Herausforderung für Gründer auf. Die Forscher Ross Levine und Yona Rubinstein haben in einer aktuelleren Studie die Ergebnisse von Blanchflower und Oswald ebenfalls bestätigt. Gründer, so die Forscher der Universität Berkeley und der Londoner LSE, kommen vor allem aus Familien mit hohem Einkommen.

Bei genauerer (wissenschaftlicher) Betrachtung zerfallen so einige Mythen über Gründer: Die beiden Stanford- und Princeton-Forscher Hongwei Xu und Martin Ruef haben in einer Studie die Risikofreudigkeit von Gründern und Nicht-Gründern verglichen. Der Durchschnitts-Gründer, so die Forscher, ist tatsächlich nicht risikofreudiger als der Durchschnitt der Nicht-Gründer.

Mark Zuckerberg ist in einem bürgerlichen Haushalt aufgewachsen. Seine Eltern arbeiteten als Zahnarzt und als Psychologin. (Foto: Shutterstock)

Andrew Yang, selbst Unternehmer und Gründer von Venture for America, beschrieb das in einem Blogbeitrag über die eigene Karriere so: „Donald Trump hat Millionen geerbt. Mark Zuckerburg hat Harvard abgebrochen. (Er und ich waren im selben Internat.) Jeff Bezos war in Princeton und hat an der Wall Street gearbeitet, bevor er Amazon gegründet hat. Die Wahrheit ist, dass es wesentlich einfacher ist, eine Firma zu gründen, wenn man schon einiges am Laufen hat.“

Auch einige der berühmten Startup-Weisheiten funktionieren besser für eine bestimmte Gruppe Menschen. „Fail fast“ gehört dazu. „Die einzigen Startup-Gründer, die Fehlschläge begrüßen können, sind die, die privilegiert genug sind, ein Scheitern zu überleben“, kommentiert Yang.

Auch mit den Eliteschulen ist es so eine Sache: Kommen so viele erfolgreiche Gründer aus Stanford und Harvard, weil die Leute dort so smart sind? Oder weil smarte Leute dort auf Leute mit Geld treffen? Oder weil andere reiche Leute davon ausgehen, dass das mit dem Startup schon klappen wird, wenn man erstmal in Harvard war?

Der amerikanische Investor John Doerr hat in einem Interview einmal sehr eindeutig beschrieben, wonach er über Investment in Startups entscheidet: „Wenn man sich Bezos, Andreessen, David Filo, die Google-Gründer anschaut, sie sind alle weiße, männliche Nerds, die Harvard oder Stanford abgebrochen haben, ohne Sozialleben. Wenn ich dieses Muster erkenne, was bei Google gestimmt hat, ist es einfach, über ein Investment zu entscheiden.“

Jeff Bezos kommt nicht aus besonders wohlhabenden Verhältnissen. Er war erst an der Elite-Uni Princeton und den im Finanz-Sektor, bevor er Amazon gründete. (Amy Harris/Invision/AP)
Amazon-Gründer Jeff Bezos kommt nicht aus besonders wohlhabenden Verhältnissen. Sein Sprungbrett waren die Elite-Uni Princeton und der Finanzsektor. (Amy Harris/Invision/AP)

Um ein Investment von Doerr zu bekommen, braucht man also erstmal das nötige Kleingeld, um in Harvard oder Stanford zu studieren. Und dabei eben auch die Lockerheit, so ein Studium abzubrechen, wenn man eine anderen Chance sieht.

Mittlerweile gibt es auch einige Gründer wie Jason Ford, die kritisch auf ihren Erfolg blicken. „Der wahre Grund, warum mein Startup erfolgreich war: Privilegien“, schreibt er. „Ich war [nach dem College] ohne Schulden, weil ich geerbt hatte. Die Familie meiner Frau stellte mich erfolgreichen Geschäftsführern vor, die mit halfen, zu lernen, wie man eine Firma gründet. Das Sicherheitsnetz unserer Familie bedeutete, dass ich mir dabei keine Sorgen darüber machen muss, wo wir leben oder was wir essen würden, wenn meine Firma scheitert. Die Großmutter meiner Frau gab mir 250.000 Dollar, um meine Firma zu gründen.“

Deutsche Gründer

Zugegeben, soziale Ungleichheit ist in den USA krasser als in Deutschland. Laut einer aktuellen Studie der OECD ist sozialer Aufstieg in Deutschland aber schwieriger als in den USA: In Deutschland brauchen die Nachkommen einer einkommensschwachen Familie bis zu sechs Generationen, um zur Mittelschicht aufzuschließen. In den USA fünf. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 4,5 Generationen.

Wenn man etwas genauer hinschaut, merkt man auch, dass die meisten deutschen Gründer eher aus bürgerlichen Verhältnissen kommen. Die Samwer-Brüder sind im noblen Kölner Stadtteil Marienburg aufgewachsen. Ihr Vater galt als einer der bekanntesten Rechtsanwälte der Stadt. Der Ur-Großvater war immerhin der Gründer der Gothaer Versicherung.

Alexander Samwer hat übrigens in Oxford und Harvard studiert. Oliver Samwer war an der vergleichsweise günstigen WHU – eine private Business-School, an der ein Semester aktuell 6.600 Euro kostet. Wenig überraschend häufen sich unter den WHU-Alumni dann auch die Gründer. Dominik Richter,beispielsweise kommt auch von der WHU und gründete später zusammen mit Rocket Internet Hellofresh. Auch die Zalando-Gründer Gentz und Schneider haben dort studiert.

An der WHU kann man natürlich auch mit einem Stipendium oder einem Kredit studieren. Aber oft geht es um mehr als einfach nur Geld. Der Serien-Gründer Ricky Yean erklärt das so: „Ich höre oft von Leuten, dass sie intelligente Gespräche zu Hause mit ihren Eltern hatten. Ich habe nie an einem Esstisch gegessen, weil wir in dem Ein-Zimmer-Appartment, das mein Vater und ich uns geteilt haben, keinen hatten. Du kannst dir vorstellen, wie sich das auf die Fähigkeit auswirkt, dein Startup zu pitchen.“

Bei all dem geht es aber weniger um Ausschlusskriterien als um Wahrscheinlichkeiten. Paul Graham, der Hacker und Gründer des Accelerators Y-Combinator, beschreibt dieses Verhältnis so: „Ich habe es selbst gesehen: Du musst nicht reich oder in der oberen Mittelschicht aufwachsen, um als Startup-Gründer reich zu werden. Aber wenige erfolgreiche Gründer sind wirklich arm aufgewachsen.“

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2 Reaktionen
Werner

Im Artikel steht was 'wir' eigentlich immer schon wußten, und was jedem aufmerksamen Zeitgenossen im Leben immer wieder begegnet: Mit dem richtigen Background -kannst- du es schaffen, weil du keine Angst haben musst, Selbstvertrauen gelernt hast, ausstrahlt und den richtigen Stallgeruch hast (connections). Du wirst immer oben bleiben, auch wenns mal schief geht. Aber danke fürs aufschreiben.

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Heinz

Reiche Leute sind i.d.R. Macher und geben diesen Spirit natürlich auch an den Nachwuchs weiter, das vorhandene Kapital und die daraus resultierende Sicherheit sind dann noch das Sahnehäubchen.

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