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Podcast

„Die meisten Gründer im Silicon Valley sind Soziopathen“

Buchautor Antonio García Martínez. (Foto: Startup Notes)

Antonio García Martínez brachte Facebook das Geldverdienen bei. Im Podcast-Interview mit Startup-Notes warnt er vor der Automatisierung der Gesellschaft und übt Kritik am Silicon Valley.

Ein Buch über die Wall Street motivierte Antonio García Martínez, sein Glück im Investment-Banking zu versuchen. Das war im Jahr 2005. Über Goldman Sachs führte der Weg des ehemaligen Physikers im Jahr 2008 aufgrund der Finanzkrise schließlich in die verheißungsvolle Tech-Welt des Silicon Valley, wo er eine „typische Achterbahn-Karriere“ hinlegte, wie er selbst sagt. Eine Karriere, die ihn letztendlich dazu veranlasste, selbst ein Buch zu schreiben. In „Chaos Monkeys“ packt er schonungslos über die wahnwitzige Startup-Welt an der amerikanischen Westküste aus und beschreibt, wie ein Mix aus Talent, soziopathischen Chefs und der Suche nach schnellem Erfolg die digitale Zukunft von morgen kreiert.

Vom Adtech-Startup zu Facebook   

Seinen ersten Job im Silicon Valley fand Antonio García Martínez in einem Advertising-Startup. Hier lernte er schnell die harte Realität der vermeintlich genialen Tech-Szene kennen. „Der Gründer war schlichtweg ein Soziopath. Ich lernte dort auf jeden Fall, wie man ein Unternehmen am Besten nicht führt“, so García Martínez im Gespräch mit Startup Notes. Dennoch hatte dieser erste Schritt in der Startup-Welt auch etwas Gutes: Er beschäftigte sich eingehend mit Adtech, was ihn schließlich zur Gründung seines eigenen Startups Adgrok veranlasste.

Dieses baute er gemeinsam mit zwei Software-Ingenieuren seines vorherigen Arbeitgebers und mit Hilfe des bekannten Accelerator-Programms „Y Combinator“ auf und verkaufte es bereits nach etwas mehr als einem Jahr für mehrere Millionen Dollar an Twitter. Seine Expertise in Adtech brachte ihm schließlich ein attraktives Angebot von Facebook ein, wo er mithalf, die Monetarisierung des Unternehmens zur Zeit des Börsengangs entscheidend voranzutreiben.

Silicon Valley: „Es gleicht einem Minenfeld“

In wenigen Jahren lernte García Martínez die Tech-Szene in der Bay Area dabei kennen wie kaum ein Zweiter. In seinem Buch „Chaos Monkeys“ räumt er mit einigen Falschdarstellungen rund um das Silicon Valley auf: So sei es ein verklärter Mythos, dass all die technologischen Fortschritte und Innovationen, die aus dem Silicon Valley stammen, mit einer Art Masterplan von visionären Gründern erdacht und mit maximalem Nutzen für den Rest der Menschheit reibungslos umgesetzt würden.

Das Gegenteil sei eher der Fall und echte Durchbrüche passierten häufig nur mit viel Glück. Dass dies jedoch anders kommuniziert werde, mache letztendlich den Reiz der Startup-Welt für viele Außenstehende aus. Auf die kürzlich besonders im Fall von Uber häufig zitierte „Bro Culture“ der männlich dominierten Tech-Szene im Silicon Valley möchte García Martínez jedoch nicht eingehen. „Ich äußere mich lieber nicht dazu. Es gleicht einem Minenfeld, darüber zu sprechen. Es ist ein schwieriges Thema. Zumindest bei Facebook hat man Wert darauf gelegt, dass Dinge wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nicht vorkommen.“

Automatisierung als Gefahr für die Gesellschaft

García Martínez sieht zudem in der zunehmenden Automatisierung, die vom Silicon Valley ausgeht, ein großes Problem auf die Gesellschaft zukommen. Der Aufstieg von Populisten wie Donald Trump stehe in direktem Zusammenhang mit der Arbeit von Tech-Startups, die den Menschen als Produktionsfaktor immer mehr obsolet werden lassen. „Die Hälfte aller Jobs in den USA sind durch Automatisierung in den nächsten 20 bis 30 Jahren bedroht. Dies hat weitreichende gesellschaftliche Folgen und ist eine riesige politische Herausforderung”, sagt García Martínez. Vor allem für Lkw-Fahrer und ihre Familien stünden schwierige Zeiten bevor – ihre Jobs seien durch autonome Fahrzeuge in Gefahr. „Allein in den USA sind so bis zu 3,5 Millionen Haushalte in der Logistik-Branche durch ökonomischen Niedergang bedroht”, so der Tech-Experte.

Wie man es als Startup in den Y Combinator schafft

Für europäische Gründer, die den Sprung über den großen Teich ins Silicon Valley trotz aller negativen Aspekte wagen wollen, hat Antonio García Martínez abschließend noch ein paar Tipps parat. Als Mitglied im Auswahlkomitee des Accelerators Y Combinator, der für internationale Startups gemeinhin als sichere Eintrittskarte ins Silicon Valley gilt und aus dem schon Unternehmen wie Dropbox und Airbnb hervorgegangen sind, hat er bereits mehr als 1.000 Bewerbungen gesichtet.

Über die Zeit hätten sich die Auswahlkriterien etwas verändert, sodass heute mehr Fokus auf Later Stage Startups liege, die bereits eine gewisse Traction vorweisen können. Hierbei sei es besonders wichtig, dass das Gründerteam eng zusammenhält und nachweist, dass man auch schwierige Zeiten gemeinsam durchstehen kann. Die Juroren des Y Combinator hätten ein besonderes Auge dafür und versuchten die Beziehungen der Gründer untereinander im Bewerbungsverfahren mitunter auch zu testen. Letztendlich sei ein Startup gemeinsam zu gründen wie eine Ehe. „Nur ohne den Sex“, so García Martínez.

Ihr könnt den Podcast von Startup Notes auf iTunes oder Soundcloud abonnieren.

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2 Reaktionen
Christoph

Die Automatisierung wird Millionen von Jobs überflüssig machen und die Unternehmen suchen dennoch Mitarbeiter, die am besten nicht nur 40 Stunden, sondern 60 oder 70 Stunden arbeiten.
Es wird Zeit für ein Umdenken! Ein erster Schritt wäre einmal, die Arbeitszeit zu reduzieren, statt zu steigern. In weiterer Zukunft muss wohl generell überdacht werden, ob Arbeit als Quelle des Einkommens wirklich die beste Möglichkeit ist.

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Marcel Epp

Interessant wäre dann mal was als Einkommen her halten soll. Oder stellst du dir das so vor wie bei Star Trek wo jeder seinen Teil beisteuert.

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