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Finnland: Bedingungsloses Grundeinkommen – arbeitslos und glücklich?

(Foto: Shutterstock)

Finnland hat das bedingungslose Grundeinkommen bereits zwei Jahre lang getestet. Jetzt gibt es erste Ergebnisse. Die Teilnehmer fühlten sich glücklicher und gesünder, neue Jobs nahmen nur wenige an.

Anfang 2017 war in Finnland der Startschuss für ein bis dahin – zumindest in dieser Größenordnung – einzigartiges Pilotprojekt gegeben worden. 2.000 zufällig ausgewählte arbeitslose Finnen bekamen im Rahmen dieses Experiments 560 Euro ausgezahlt – ohne weitere Bedingungen. Die Ausweitung des Projekts auf nicht arbeitslose Menschen wurde allerdings 2018 gestoppt. Ende des vergangenen Jahres war Schluss für das Experiment. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor, wie die Tagesschau berichtet.

Bedingungsloses Grundeinkommen machte Finnen glücklicher und gesünder

Demnach waren die Bezieher des bedingungslosen Grundeinkommens in den ersten Monaten deutlich weniger gestresst und optimistischer als eine ebenfalls befragte Vergleichsgruppe. Sie fühlten sich glücklicher und gesünder, heißt es bei der Tagesschau. Und: „Ihre Zuversicht, dass sie die eigene Zukunft und wirtschaftliche Situation selbst beeinflussen können, wurde gestärkt“, wird die finnische Sozialministerin Pirrko Mattila zitiert.

Allerdings hätten die Teilnehmer kaum neue Jobs angenommen und seltener versucht, etwas dazuzuverdienen. Ein Beschäftigungseffekt sei kaum messbar gewesen, berichtet die finnische Sozialversicherung Kela. Eine endgültige Auswertung steht allerdings noch aus – die entsprechenden Analysen und Befragungen könnten bis 2020 dauern. Die bisherigen Ergebnisse beziehen sich auf das erste Jahr der Testphase.

Für die finnische Regierung scheint das auch in Deutschland mit großem Interesse beobachtete Experiment gescheitert zu sein. Möglich, dass das Grundeinkommen für alle einfach zu teuer wäre. Allerdings waren Forscher der Meinung, dass sich aus nur zwei Jahren Laufzeit kaum umfassende Schlussfolgerungen ziehen ließen. Schlecht für die Betroffenen: Sie fallen jetzt zurück ins Sozialhilfesystem. Künftig könnte es in Finnland aber finanzielle Sonderleistungen für alle geben, die selbstständig etwas für die Gemeinschaft tun.

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8 Kommentare
Oliver Petry
Oliver Petry

Interessant wäre ja mal gewesen wieviel Kostenersparnis man durch die ausgelassene Administration und durch die entlastete Gesundheitskasse zusammen kam.

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Sebastian Tüger

Habe schon anderswo gelesen, dass die Einschätzung der Ergebnisse eher kompliziert ist, da die Fundamente und die Zielsetzung des Unterfangens zwischendurch, quasi „on the fly“ einfach nach dem Regierungswechsel auch abgeändert wurden, was die Erkenntnisse beinahe nicht auswertbar macht. Eigentlich schade, weil das endlich mal eine Grundmenge gewesen wäre, die auch einen intellektuellen Mehrwert gebracht hätte. Langfristig gehe ich stark davon aus, dass es eine neue Studie geben wird, dafür ist das Grundproblem einfach zu aktuell und weit verbreitet.

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Frank
Frank

So man hat jetzt 2 Gruppen miteinander vergleichen, die eine Gruppe war weiterhin im finnichen Sotzialsystem während die andere bedingingslos 560€ im Monat bekommen hat. Die Gruppe mit den bedingungslosen Zahlungen war im Durschnitt gesünder und glücklicher während die Anzahl der Leute die am Ende Arbeit fanden bei beiden Testgruppen in etwa gleich war.

Ist das so richtig?

Das würde im Umkehrschluss auch heißen dass die Sanktionen des jetzigen Sotzialsystems die Menschen nur unglücklicher und ungesünder macht ohne eine erhöhte Bilanz in der Arbeitsfindung vorweisen zu können was ja deren eigentlicher zweck sein sollte.

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Siera
Siera

sp wie ich das verstanden habe hat man 2 gruppen arbeitsloser menschen vergleichen,
eine gruppe bekam grundeinkommen, eine kontrollgruppe blieb im bisherigen finnischen system

eines der wichtigsten ziele des experiments war es, herauszufinden, ob menschen die bedingungslos leistungen (zu denen sie dazuverdienen dürfen ohne kürzungen) erhalten eher in schlecht bezahlte jpbs gedrängt werden könnten *hust hust* (ist zumindest mal meine interpretation davon ^.^)

bei der auswertung zu den arbeitsstunden stellte sich heraus, das die grundeinkommens gruppe durchschnittlich 0,5 tage pro jahr mehr arbeitete, als die kontrollgruppe … dies ist allerdings (aufgrund der größenordnung des testes) statistisch nicht relevant, womit man hier statistisch betrachtet nur sagen kann „nicht besser oder schlechter“ … eine aussage darüber, ob diese menschen angefangen haben z.B ausbildungen zu beginnen oder sich sozial zu engagieren fehlt dabei leider, es geht also rein um bezahlte erwerbsarbeit

außerdem wurde hier auch nur das erste jahr des experiments betrachtet, das die notwendigen registerdaten f+r die auswertung des zweiten jahres erst irgendwann 2019/20 eintrudeln werden

desweiteren hat man mit den beiden gruppen telefonintervies durchgeführt,
während dieser stellte sich raus, das menschen mit grundeinkommen sich gesünder und weniger gestresst fühlten, außerdem war ihre konzentrationsfähigkeit höher als bei der kontrollgruppe

darüber hinaus sahen sie der zukunft positiver gegenüber und hatten ein höheres vertrauen in ihre mitmenschen und staatliche institiutionen, als die teilnehmer der vergleichsgruppe

… hier gibt es im unteren drittel eine deutsche übersetzung der original pressemeldung, wo alles ganz gut zusammengefasst steht

https://www.epressi.com/tiedotteet/hallitus-ja-valtio/preliminary-results-of-the-basic-income-experiment-les-resultats-preliminaires-de-lexperience-du-revenu-de-basepredvariteljnye-rezuljtaty-eksperimentaljnoj-koncepcii-bezuslovnogovorlaufige-ergebnisse-des-experiments-zum-grundeinkommen.html

https://www.kela.fi/web/en/experimental-study-on-a-universal-basic-income

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Mad Scientist
Mad Scientist

Der Mehrwert besteht darin, den erneuten Beweis erbracht zu haben, dass es nicht funktioniert und dazu noch sehr, sehr teuer ist.
Wie immer, Sozialismus funktioniert halt nicht, mich wundert nur, dass es hierfür nach 84 sozialistisch gescheiterten Staaten immer noch eines weiteren Beweises bedarf. Ich weiß nur nicht, ob das daran liegt, dass Linke beratungsresistent oder einfach naiv sind (um mal andere Begriffe wegzulassen). Obwohl, der Wunsch sich von seinen Mitbürgern aushalten zu lassen hat schon etwas, wenn auch nichts Gutes.

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Eric
Eric

Es wurde von den Finnen überhaupt nichts bewiesen, da Sie nicht Bedingungsloses Grundeinkommen getestet haben sondern ein weiteres undurchdachtes Sozialsystem bei dem jemand nur dann abgesichert ist, wenn er arbeitslos ist, ungenügsam oder voll Arbeitsfähig. All die Millionen anderen fallen durchs Raster, genau wie bei Harz IV. Bedingungsloses Grundeinkommen hat nicht im entferntesten etwas mit Sozialismus zu tun sondern mit Sozialer Marktwirtschaft wo jeder gesichert ist, jeder motiviert wird zu arbeiten, der sich etwas leisten möchte und jeder die Mittel hat die Marktteilnahmekosten zu decken und tatsächlich am Arbeits und Konsummarkt teilzunehmen. Bei Bedingungslosem Grundeinkommen bekommt man nicht am ersten Arbeitstag die einzige Lebensgrundlage aus den Taschen gezogen wie bei dem Unsinn den die Finnen getestet haben.

Man braucht sich nicht wundern wenn sich jemand 10 € dazu verdienen will (und kann) und nach der ersten Arbeitsstunde jemand ankommt und sagt, das macht dann 560 € Bitte.

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Hel
Hel

… und wieder einmal vermisse ich hier den „Daumen hoch Button“.
Sehr guter Beitrag!

Eric
Eric

Was Sie da getestet haben ist nicht Bedinungsloses Grundeinkommen sondern wieder eine Form von Sozialhilfe bei der man schon nach der ersten Stunde Arbeit einen Einkommensausfall von 560 Euro um die Ohren gehauen bekommt wie bei all den anderen Systemen die als Sozialfalle funktionieren.

Diese Studie ist so wie sie durgeführt wurde vollkommener Unsinn und repräsentiert in keinster Weise für die Auswirkungen von BEDINGUNGSLOSEM! Grundeinkommen auf den Arbeitsmarkt oder die Gesellschaftlichen Auswirkungen. Bei bedingungslostem Grundeinkommen besteht die Motivation zu Arbeiten, weil man für jedes bisschen Arbeit mehr bekommt als vorher. Und das wichtigste ist dass absolut jeder es bekommt ohne ausnahme!

Stellt euch vor Ihr geht arbeiten und nach eurem ersten Arbeitstag kommt euer Arbeitgeber an und sagt, das macht dann 560€ bitte.

Wie soll so ein Arbeitsmotivationssystem funktionieren.

Man muss Bedinungsloses Grundeinkommen in einem gesamten Land, gleichzeitig und für jeden einzelnen Marktteilnehmer hochziehen sonst funktioniert es nicht. Allein schon für die Inflations und Lohnsteigerungseffekte. Und es hilft niemandem wenn andauernd Varianten zu testen oder zu diskutieren bei denen die mindeste Sicherheit eines Menschen an das aufrechterhalten der Arbeitslosigkeit gebunden ist.

Man sollte den Finnen an dieser Stelle sagen: Thema verfehlt. 6. Setzen!

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