Interview

Managementforscher: „Für gute Entscheidungen braucht es kein Talent“

„Gute Entscheidungen haben nichts mit Talent zu tun.“ – Philip Meissner. (Foto: PM)

Was braucht es, um gute Entscheidungen zu treffen? Und worauf lassen sich Fehlentscheidungen zurückführen? Der Managementforscher Philip Meissner im Gespräch.

Was eindeutig ist, muss nicht entschieden werden. Es gibt kein Abwägen. Nichts, das einen größeren Denk- oder Abstimmungsprozess erfordert. Eine tolle Situation. Die meisten Entscheidungen, die Führungskräfte treffen müssen, sind jedoch nicht immer eindeutig. Es gibt ein Für und Wider. Es gibt Interessen zu berücksichtigen. Und so manches Mal kochen auch die Emotionen über, wenn eine schwere Entscheidung ansteht. Richtig zu entscheiden, bedeutet auch Druck. Manager und Managerinnen brauchen ein Talent dafür – oder etwa nicht? Nein, meint der Managementforscher Philip Meissner. Vielmehr sei die Fähigkeit lernbar. Meissner leitet den Lehrstuhl für strategisches Management an der ESCP Europe in Berlin. In seinem aktuellen Buch „Entscheiden ist einfach“ (Campus Verlag, Amazon) hat der Wissenschaftler etabliertes Forschungswissen zu einem einzigen Prozess verdichtet, der es Führungskräften möglich macht, bessere Entscheidungen zu treffen. Wir haben über gute und schlechte Entscheidungen gesprochen.

„Gute Entscheidungen sind lernbar“ – Philip Meissner im t3n-Gespräch

„Gute Entscheidungen sind lernbar“ – Philip Meissner leitet den Lehrstuhl für strategisches Management an der ESCP Europe in Berlin. (Foto: PM)

t3n: Herr Meissner, wann haben Sie das letzte Mal eine Entscheidung so richtig bereut?

Philip Meissner: Ich bin in Kryptowährungen eingestiegen, als die Blase platzte und der Bitcoin auf 5.000 US-Dollar fiel. Ich dachte, der Sinkflug wäre an dem Punkt beendet. Es ging jedoch noch weiter nach unten. So richtig bereut habe ich das allerdings nicht, ich sehe das eher als langfristige Anlage.

Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass es langfristig bergauf geht?

Sicher bin ich mir nicht. Aber zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich mehr Chancen als Risiken. Wir können die Zukunft nicht vorhersagen, sondern nur auf Basis der Informationen entscheiden, die uns zum Zeitpunkt der Entscheidung zur Verfügung stehen.

Manager und Managerinnen müssen besonders entscheidungskräftig sein. Braucht es dafür ein Talent oder lässt sich Entscheiden lernen?

Entscheiden kann man auf jeden Fall lernen. Gute Entscheidungen haben nämlich nichts mit Talent zu tun. Oft denken wir, dass Menschen von Natur aus entscheidungsstark sind und ihnen Entscheidungen besonders leicht fallen würden. Oder dass sie entscheidungsschwach wären, weil das Talent eben fehle. Quasi so, als könnte man nichts daran ändern. Das ist dann vor allem für Führungskräfte ein Problem, da sie denken, dass dies eine Schwäche sei, mit der sie eben leben müssten. Das stimmt aber nicht.

Lassen sich gute und schlechte Entscheidung schon im Vorfeld erkennen?

Ich denke schon. Wenn man das richtige Problem adressiert, sich kritischen Rat eingeholt und die möglichen negativen Auswirkungen ausreichend berücksichtigt hat, steht einer guten Entscheidung im Grunde nichts mehr im Wege.

Außer vielleicht der Zufall.

Ja, leider beurteilen wir eine Entscheidung jedoch viel zu häufig erst im Nachhinein. Das ist nicht fair, denn wir können, wie gesagt, nur das beurteilen, was wir auch zum Zeitpunkt der Entscheidung bereits wussten.

Sie sagen, es sei wichtig, sich kritischen Rat einzuholen. Warum?

Das ist sogar sehr wichtig. Denn nur wenn wir mit Kritikern sprechen, haben wir die Chance unsere eigene Sichtweise anzupassen und andere Argumente zu hören. Unsere eigene Psychologie führt dazu, dass wir unbewusst nur nach Informationen suchen, die unsere vorgefasste Meinung bestätigen. In Zeiten von Social Media wird dies noch schlimmer. Stichwort: Filterblase. Das führt bei wichtigen Entscheidungen zu einer eindimensionalen Wahrnehmung der Realität. Wenn wir uns dann nicht bewusst auch für die Meinungen von Kritikern öffnen, ist es schwer eine gute und ausgewogene Entscheidung zu treffen.

In den USA, vor allem im Silicon Valley, würde man jetzt vermutlich sagen, es sei typisch Deutsch, alles ständig abzuwägen. Dort wird eine Kultur der schnellen Entscheidungen gelebt. Können die gut sein?

Es geht nicht um endloses Abwägen, nur darum, sich bei wichtigen Entscheidungen die richtigen Gedanken zu machen. Die Methoden für bessere Entscheidungen sind sehr schnell und müssen den Prozess überhaupt nicht verlangsamen. Das Gegenteil ist sogar oft der Fall. Der Einsatz von Checklisten kann beispielsweise einiges an Stunden Diskussionszeit einsparen und den Prozess um mehrere Tage beschleunigen.

Was gehört auf so eine Checkliste?

Es gibt verschiedene Listen, die sich vor allem darin unterscheiden, ob man selbst maßgeblich an der Analyse gearbeitet hat oder ob es ein Team war, das die Entscheidung vorgeschlagen hat. Im ersten Fall sollte man sicher sein, dass verschiedene Sichtweisen in der eigenen Entscheidung berücksichtigt worden sind und man positive und negative Effekte abgewogen hat. Im zweiten Fall geht es vor allem darum, die Interessen des Teams zu verstehen und den von ihnen angewandten Prozess nachzuvollziehen.

Warum ist es wichtig, die Interessen genau zu beleuchten?

Man muss verstehen, welche Motivation das Team oder einzelne Mitglieder des Teams haben und ob dies die vorgeschlagene Lösung möglicherweise beeinflusst. Wenn jemand zum Beispiel gerne in den USA arbeiten möchte, schlägt er dort vielleicht ein strategisches Projekt vor. Das Projekt selbst muss aber gar nicht sinnvoll sein, es geht dann eher um die individuellen Ziele der Person.

Checklisten sind also eine Methode. Welche gibt es noch?

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

3 Kommentare
Tanja
Tanja

Darf ich zu dem Thema auch eines meiner Lieblingsbücher empfehlen?
„Die Stunde der Dilettanten“ von Thomas Rietzschel, ISBN: 3552055541

Antworten
kk_koenig

Checklisten sind also eine Methode. Welche gibt es noch?

Danach fehlt zumindest bei mir mobil der Rest de Artikels

Antworten
Kobold
Kobold

Wer braucht so ein Interview? Kein Invest, echte Zeitverschwendung.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung