Feature

„Hack mas“ statt „Pack mas“: Mit diesen Ideen will sich der FC Bayern digitalisieren

Seite 2 / 2

Alles für die Fans

Aber nicht alle in der Allianz Arena sind riesige Bayernfans. Manche machen auch aus purem Spaß an der Technik mit. Zum Beispiel Jan Wingefeld, René Seckler und Adrian Menzel. Ihr Platz fällt sofort auf. Obwohl die drei in der hintersten Ecke der Eventbox fünf sitzen, sieht man schon beim Betreten des Raums den überbordenden Tisch: Nicht nur Rechner stehen dort, auch eigene Router, eigene Kameras, ein eigener 3D-Drucker, „alles Privatbesitz“, sagt Jan und grinst. Die Gruppe, die sich „Look, Mom, I’m On TV“ nennt, kannte sich schon vor dem Hackathon. Die drei betreiben zusammen das Munich Maker Lab, ein hobbymäßig betriebener Zusammenschluss von Tüftlern und Bastlern in der bayerischen Hauptstadt.

Die Ausstattung hat das Team Munich Maker Lab selbst mitgebracht. (Foto: t3n)

Mit Fußball können sie eigentlich wenig anfangen, sie wissen nicht mal, was es bei den Hackdays zu gewinnen gibt. Während des Spiels fragt einer von ihnen gar, ob es bei der Partie eigentlich um Punkte gehe. Insgesamt acht Hackathons haben die drei schon bestritten, sechs davon haben sie nach eigener Aussage gewonnen. Es geht ihnen um den Prozess des Erschaffens, nicht unbedingt um das Unternehmen dahinter. Für die FC-Bayern-Challenge basteln sie an einem System, mit dem Fans Ausschnitte beim Jubeln bekommen. Die Idee beruht auf einer simplen Logik: „Jeder will ins Fernsehen“, sagt Jan.

Das wollen sie vereinfachen: Der Fan muss sich dafür die App der Drei herunterladen und den QR-Code seiner Karte scannen. Durch diesen Schritt wissen die Macher, wo der Fan sitzt. Er kann dann auf einen Startknopf drücken, das Smartphone wieder in die Tasche packen und nach drei Sekunden jubeln. In dieser Zeit zoomt eine der von der Gruppe im Stadion verankerten Kameras auf ihn drauf, ein Videoclip wird erstellt und auf sein Handy geschickt. Durch die Art und Weise sieht es so aus, als wäre das Video von den offiziellen Kameras aufgenommen worden – deswegen der Name „Look, Mom, I’m On TV“. Ursprünglich wollten Jan, Adrian und René die Fans für die Clips zur Kasse bitten, aber nach Feedback von den Mentoren konzentrieren sie sich jetzt auf die Sponsoren: Die könnten sich die Werbebanner auf den Clips sichern. Der FC Bayern könnte also auch noch Geld damit verdienen.

Wichtig ist nicht nur auf dem Platz

Was an allen Ideen auffällt: Es geht nicht mehr so sehr um das Spiel, sondern um das Erlebnis drum herum. Früher gab es am Wochenende Fußball, am Montag vielleicht noch einen Spielbericht, vielleicht im Laufe der Woche noch Wechselgerüchte und dann ging es wieder ins Stadion. Jetzt geht es darum, den Fan auch im Alltag zu begleiten, Erinnerungen an das Spiel festzuhalten, ihn nicht nur mit Informationen zu füttern, sondern auch emotional zu erreichen. Und gleichzeitig soll es dabei nicht nur um Fußball gehen.

Dieser Herausforderung nimmt sich das Team „Beat Adidas“ an. Der Sportartikelhersteller wünscht sich eine höhere Konversionsrate im seinem mobilen Shop. Christoph Hamsen, Larissa Meier, Magdalena Jüngst, Rakesh Singh und Franz Egri wollen das mit einem kleinen sportlichen Wettbewerb ändern. Wenn ein Nutzer in den mobilen Shop von Adidas klickt, aber nicht sofort kauft, sieht er ein Popup. Das verspricht zum Beispiel zehn Euro Rabatt auf den nächsten Einkauf, wenn der Nutzer bei einer kleinen Challenge mitmacht. Im Prototypen geht es um sogenannte Squat Jumps, der Nutzer muss dafür sein Handy in die Hand nehmen und fünf Sprünge in 15 Sekunden schaffen. Erreicht er dieses Ziel, erhält er seinen Gutschein. Aber damit endet die Idee nicht.

Um die Engagementrate auch danach hochzuhalten, können die Nutzer an weiteren Challenges teilnehmen. Die können jederzeit kommen, etwa im Stadion. Wenn der Nutzer dort ein kleines Video aufnimmt, bekommt er beispielsweise die Chance, dass das auf der Stadionleinwand gezeigt wird – eine Art Social Reward. „Wir haben extrem lange diskutiert“, erzählt Christoph. Es habe noch mehr Ideen gegeben, aber schließlich habe man sich auf diesen Kern fokussiert: Jedes Mal eine andere Challenge, jedes Mal ein anderer Gewinn.

Die Idee kommt nicht nur bei den anderen Teilnehmern gut an: „Beat Adidas“ setzt sich am Ende der Hackdays als Sieger durch. Auf Platz zwei landet ein Team namens „Fan Coin“, das mit seinen in der Blockchain festgeschriebenen Sammlerstücken ein Hype-Thema aufgegriffen hat. Platz drei ergattert „You Never Sing Alone“, ein Team, das via Stimmerkennung die Texte von Stadionliedern auf das Smartphone spielt.

Was alle Gewinnerteams gemein haben: Dass sie sich zwar auf die Fans konzentrieren, aber nicht ausschließlich auf das Spiel. Wichtig ist nicht mehr nur auf dem Platz, sondern auch daneben. Gerade im Digitalen.

Mehr zum Thema Sport und Digitalisierung:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
ReneSeckler
ReneSeckler

Ich muss korrigieren: 8 Hackathons waren lediglich das Ergebnis des vergangenen Jahres. Insgesammt sind es bereits 23 Stück.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung