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Hannover Messe: Software schlägt Maschinen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ghettofaust. (Foto: dpa)

Auf der Hannover Messe stehen die Roboter im Rampenlicht. Geld verdienen lässt sich aber nicht nur damit. Im Rahmen unserer Themenwoche Industrie 4.0 haben wir die wichtigste Industriemesse der Welt besucht.

Dass Angela Merkel einen Stand der Hannover Messe besucht, das merkt der Beobachter schon vorher an dem Zulauf, den die Repräsentanz eines Unternehmens plötzlich bekommt. So auch bei der letzten Stippvisite der Bundeskanzlerin bei Bosch. Lauter Messebesucher säumen den Weg der Staatschefin, mit Smartphones in der Hand fotografieren und filmen sie ihren Auftritt und den ihres mexikanischen Kollegen Enrique Peña Nieto.

Bei dem deutschen Traditionsunternehmen begutachten die beiden Staatsoberhäupter einen Roboter mit Gesicht. Die Kanzlerin stellt ein paar Fragen, unter anderem zu möglichen Kunden für den digitalen Helfer. „Interessant“, sagt sie schließlich, dann geht es zum Abschlussstatement ein paar Meter weiter. Dort wird sie sagen: „Wir wollen unsere Platz in der führenden Platz im Bereich der industriellen Produktion – ob das nun die Automobilwirtschaft ist oder der Maschinenbau oder andere Bereiche – natürlich beibehalten.“ Es ist das Ende eines zweistündigen Rundgangs, bei dem die Kanzlerin lauter Roboter ansehen durfte und einen sogar mit Ghettofaust begrüßt hat.

Das Programm passt zum Oberthema der Messe: „Connect & Collaborate“, Vernetzen und Zusammenarbeiten. Gemeint sind damit Maschine und Mensch: Die digitalen Helfer sollen Arbeitnehmern schweres Heben abnehmen oder gar gemeinsam mit dem Menschen an einem Produkt werkeln können. Wie weit das Zusammenspiel gehen kann, verdeutlichen ein Roboterarm, mit dem Besucher Tischtennis spielen können, oder ein Kicker, der von einer künstlichen Intelligenz gesteuert wird.

Hannover Messe: Geld verdienen mit Software

Allerdings repräsentieren die Maschinen nur einen Teil der Veränderung in der Industrie. Wer sich auf der Messe umschaut, der stellt fest, dass die meisten Unternehmen zwar Hardware zeigen, aber eigentlich Software verkaufen wollen. Die Roboter dienen oft nur zur Show, dahinter stecken dann Anbieter von Plattformen, Softwarelösungen oder Cloudservices. Denn Geld verdienen lässt sich nicht mehr (nur) mit der Hardware, sondern auch mit den digitalen Leistungen dahinter.

„Der Groschen der Digitalisierung ist bei vielen gefallen.“

Kulturbedingt stehe das physische Produkt in Deutschland im Vordergrund, sagt Matthias Dietel von IBM bei einer Diskussionsrunde zu künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning. Das zeige sich auch noch auf der Messe. Aber im Vergleich zum Vorjahr seien deutliche Veränderungen zu erkennen: Es gehe viel stärker um die Frage, wie ein Unternehmen einen Service, einen Mehrwert für den Kunden schaffe. „Der Groschen der Digitalisierung ist bei vielen gefallen“, so Dietel.

Den Plattformgedanken, den Unternehmen wie Facebook oder Amazon aus den USA vorleben, haben auch deutsche Firmen adaptiert. Bei Bosch soll im Laufe des Jahres ein Marktplatz für das Internet der Dinge (IoT) an den Start gehen, über den Unternehmen Softwarelösungen erwerben können. Das entsprechende Entwicklerportal ist bereits live, dort können Developer mit Hilfe von APIs eigene Lösungen bauen. Huawei, eigentlich eher bekannt für die Herstellung von Smartphones, kooperiert gemeinsam mit dem Kölner Unternehmen Q-Loud und dem Telekommunikationsanbieter Telefonica bei einer IoT-Plattform, über die Unternehmen beispielsweise ihren Strombedarf nachverfolgen können. Auch AWS, der Cloudservice von Amazon, wirbt an seinem Stand um Industriekunden für seinen digitalen Speicher-Service. Über die IoT-Plattform der US-Amerikaner sollen Hersteller beispielsweise Roboter via Cloud steuern können.

Tischtennisspieler Dimitrij Ovtcharov spielt bei der Hannover Messe am Stand von Omron gegen einen Roboter. (Foto: dpa)

Digitalstrategie fehlt in vielen Unternehmen

Allerdings müssen die Unternehmen auch wissen, was sie eigentlich wollen. Noch fehlt es oft an einer Digitalstrategie in Firmen, wie eine Bitkom-Studie zeigt. Demnach haben sich lediglich 55 Prozent ein übergeordnetes Vorgehen auferlegt, 42 Prozent nur für einzelne Bereiche. „Um das volle Potenzial von Industrie 4.0 auszuschöpfen, müssen aber alle Bereiche konsequent digital aufgestellt werden“, sagt Achim Berg, Präsident des Digitalverbands. Daran mangelt es offenbar noch. Allein das Sammeln von Daten schafft eben noch keinen Umsatz, genauso wenig der Wechsel zu irgendeiner Plattform oder irgendeinem Kollaborationstool.

Auf der Hannover Messe umtreibt die Unternehmen aber nicht nur der Gedanke nach neuen Geschäftsmodellen, sondern auch die Frage nach der Automatisierung von Jobs. Wenn Roboter die Tätigkeiten des Menschen übernehmen, bleibt die Frage, ob es irgendwann überhaupt noch genügend Arbeitsplätze geben wird. Die Meinungen dazu gehen auf der Messe auseinander, das zeigt sich nicht zuletzt auf dem KI-Panel. Daniel Jeffrey Koch vom Fraunhofer Institut äußert die Sorge, dass nicht genügend Menschen weitergebildet werden, dass man nicht früh genug auf neue Trends reagiert, und in ein paar Jahren wieder die Diskussion über die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern führt. Jürgen Klippert von der IG Metall sieht das entspannter. Bei jeder Automatisierungswelle habe es Schlagzeilen wie „Die Roboter kommen“ gegeben. „Wir arbeiten aber immer noch“, sagt der Gewerkschafter.

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Eine Reaktion
H30453

Ein durchaus interessanter Artikel. Da das Thema mit Sicherheit nichts an Bedeutung verlieren wird, könnte man evt. die Entwicklung in einigen ausgesuchten Unternehmen über einen längeren Zeitraum weiter verfolgen.
Eine Bemerkung sei allerdings gestattet:
Die Bundeskanzlerin ist weder Staatsoberhaupt noch Staatschefin. Diese Position übernimmt in Deutschland der Bundespräsident. Merkel ist Regierungschefin.
Auch auf der CeBit ;).

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