Kolumne

Hassobjekt Sprachnachrichten: Sie doof zu finden ist das aktuelle „die Jugend von heute“

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Sinnvolle Use-Cases

Tatsächlich können Sprachnachrichten sinnvoll sein. Alten Menschen macht es oft Mühe, auf Smartphones zu tippen. Manchmal ist es einfach schöner und persönlicher, nicht nur den nackten Text zu erhalten, sondern die Stimme einer Person zu hören, mit all ihren Betonungen und Nuancen. Und manchmal ist es ganz einfach praktisch, zu sprechen, weil man die Hände nicht frei hat. Oder weil sich eine Sprachnachricht auch unterwegs abhören lässt, ohne dass man die ganze Zeit auf ein Display schauen müsste. Und nein, man kann nicht stattdessen einfach telefonieren. Wenn man gerade könnte, würde man ja.

Es scheint also sinnvolle Use-Cases für Sprachnachrichten zu geben. Darüber, wann sie benutzt werden sollten und wann nicht, wird es genauso zu gesellschaftlichen Konventionen kommen wie bei allen anderen Kommunikationsmedien auch. Und natürlich ist niemand gezwungen, Sprachnachrichten zu mögen und zu nutzen. Gibt schließlich genug andere Möglichkeiten und die ersten Anbieter haben auch schon Funktionen, die es Abhörmuffeln erlauben, eingehende Sprachnachrichten in Text zu übersetzen.

Alle hassen Sprachnachrichten

Es gäbe also hinreichend Grund, wenigstens dieses eine Mal gelassen zu bleiben und nicht in die allgemeine, immer gleiche Dooffinderei einzustimmen. Eher erschreckend finde ich, wie emotional meine sonst sehr technik-affine Bubble auf das Thema reagiert. Starte ich einen Testballon zu dem Thema auf Twitter oder Facebook, erhalte ich innerhalb kürzester Zeit eine handliche Sammlung aller wichtigen Argumente der letzten 100 Jahre Technikablehnung. Und am Rande lernt man, dass es immer noch Menschen gibt, die die Existenz von Anrufbeantwortern nicht abschließend verarbeitet haben.

Bleibt also nur, sich ins Unvermeidliche zu fügen und einer Welle allgemeinen Sprachnachrichten-Bashings entgegenzusehen. Und weil übermäßiges Jammern über solche Debatten genauso sinnlos ist wie das Jammern über Sprachnachrichten selbst, besorge ich mir schonmal einen Vorrat an Popcorn und freue mich auf das erste Anti-Sprachnachrichten-Buch von Manfred Spitzer.

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4 Reaktionen
nk

Tja, weiß nicht, irgenwie hat der Chip-Artikel doch genau den Punkt getroffen. Der t3n Kommentar geht darauf gar nicht ein, sondern unterstellt einfach "zu alt(modisch) zu sein".
Für mich überwiegen die Nachteile der Sprachnachrichten deutlich die wenigen Vorteile. Und wie der Autor ja selbst erkennt, sind SN auch fast immer mit Verhalten verbunden, die Menschen im Umfeld beeinträchtigt.

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Siegfried

Sprachnachrichten können entweder extrem nervtötend und lästig (bis hin zu peinlich) sein, oder sie können sehr nützlich sein. Wenn ich z.B. nach Feierabend im Auto auf der Fahrt nach Hause die eingetrudelten Sprachnachrichten abhöre, dann ist das durch Nichts zu ersetzen. Während der Fahrt habe ich keine Möglichkeit zum Lesen.
Andererseits, wenn ich mitten in einer Besprechung bin und ständig neue Spachnachrichten stören, dann ist das schon peinlich. Wichtig ist also das Feature, manuell einzuschalten, _wann_ ich die Sprachnachrichten abhören will. Am Besten wäre noch mit der Option, gleich eine Sprachantwort zu schicken. Ständig ungefragt mit Sprachnachrichten bombardiert zu werden, ist hingegen ein No-Go. Und sobald Sprachnachrichten mit Werbemüll zugemüllt sein werden (was irgendwann unweigerlich kommen wird), wird es entweder Zeit für gute Filter, oder für die Abschaffung von Sprachnachrichten.

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borisch

Ich kann Sprachnachrichten absolut nicht leiden, aber nicht weil es "faul" oder "dumm" ist. Es ist einfach höchst unpraktisch in einer erwachsenen Gesellschaft ständig Stöpsel im Ohr zu haben um Schreibfaule-Nachrichten zu hören in denen Leute "Okay" oder "danke" sagen. Zudem sind Sprachnachrichten (noch) nicht für die Allgemeinheit durchsuchbar und verbrauchen weitaus mehr Speicherplatz bzw. Datenvolumen als einfache Textnachrichten.

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Titus von Unhold

Noch schlimmer ist das dumme Gelaber um die eigentliche Nachricht herum, welches einige an den Tag legen. Die obersten Grundsätze der Fernmelder (So umfassend wie nötig, so kurz wie möglich & Vor dem Mundwerk ist das Hirn einzuschalten) werden mit der Funktion der Sprachnachricht in Textübertragungsprogrammen ad absurdum geführt.

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