Interview

Headspace-Gründer: „Wir finden Glück nicht auf der Suche nach Glück“

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t3n.de: Es geht also weniger um Glück als um Gelassenheit?

Andy Puddicombe: Das Leben ist anstrengend genug, so wie es ist. Das letzte, was du brauchst, ist noch eine neue Schicht Gedanken obendrauf, um es noch anstrengender zu machen. Wenn etwas passiert, kann das schmerzhaft sein, aber wir nehmen es dann mit, denken darüber nach, grübeln, schleifen es mit uns rum. Es geht darum, es anders zu erfahren: Anerkennen, akzeptieren, es fühlen, und gleichzeitig auch in der Lage sein, es loslassen zu können.

t3n.de: Also, wenn ich jemanden treffe, der immer so breit lächelt wie die kleinen Figuren in eurer Werbung, dann ist er über das Ziel hinausgeschossen?

Andy Puddicombe: Manchmal kommen Leute und erwarten, dass sich ihre Persönlichkeit verändert. Meine Erfahrung mit Leuten die 30 oder 40 Jahre meditiert haben, ist, dass der Charakter sich gar nicht so stark verändert. Aber ihr Verständnis von sich selbst vertieft sich massiv. Ich hatte Lehrer, die waren sehr fortgeschritten in ihrem Training. Manche von ihnen waren super ernst, sie haben fast gar nicht gelächelt. Sie waren wie ein Fels. Andere waren eher sonnig und warm. Aber es geht mehr darum, was unter dem Charakter liegt, unter den Gedanken, unter den Gefühlen: Dieser Ort der stabilen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

t3n.de: Kriegt ihr viele Beschwerden von Leuten, die sich ärgern, weil sich ihr Leben nicht total verändert?

Andy Puddicombe: Nein, ich vermute die Leute melden sich dann einfach ab. Was ich schade finde, denn dann habe ich nicht die Möglichkeit zu antworten: Schau, es geht nicht darum, dass etwas schnell passiert. Es geht um eine Reise und um den Wechsel der Perspektive und die Erfahrung des Lebens.

Richard Pierson: Manche nutzen Headspace eher als ein Art Aspirin: ‚Ich bin gestresst, ich habe einen fürchterliche Zeit bei der Arbeit, ich meditiere zehn Minuten und dann fühle ich mich besser.‘ Und dann gehen sie los und sind wieder gestresst. Andere nutzen es eher wie Vitamine. Die sagen: ‚Weißt du was, ich will meinen Geist trainieren. Und ich will das jeden Tag machen.‘ Aber man muss die Leute dort abholen, wo sie sind.

t3n.de: Letztendlich ist euer Produkt ja sehr subjektiv. Ich könnte nach 137 Stunden nicht mal genau sagen, ob es funktioniert oder nicht.

Andy Puddicombe: Ja und deswegen haben wir uns in die Forschung reingehängt. Wir haben über 65 Studien laufen, viele klinische Versuche, um zu sehen, was mit Menschen passiert, wenn sie Headspace nutzen. Wir haben bereits bis zu 60 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht und wir können absolut zeigen, dass es Veränderungen in Menschen gibt.

t3n.de: Ich glaube nur an quantitative Studien mit Kontrollgruppen, die ein Placebo kriegen. Wie wollt ihr das testen?

Andy Puddicombe: Wir testen seit zwei Jahren mit Kontrollgruppen in allen Studien. Denen lese ich dann ein Hörbuch vor, um zu zeigen, dass es nicht nur an der Stimme liegt. Wir haben sogar mit Psychologen eine Art Fake-Meditation aufgenommen, damit die Menschen in der Kontrollgruppe glauben, dass sie tatsächlich meditieren.

t3n.de: Wie klingt eine Fake-Meditation?

Andy Puddicombe: Das war lustig aufzunehmen. Ich sage dabei „Halte deine Gedanken an“ und „Meditiere einfach weiter“. Das gibt genug meditativen Rahmen, um wissenschaftlich valide zu sein. Aber nicht genug, als dass die Probanden davon im Sinne einer Meditation profitieren könnten.

Richard: Wir haben drei der größten Langzeitstudien zu Meditation gemacht, alle über 2.000 Teilnehmer. Eine mit Mitarbeitern des englischen Gesundheitssystems, eine mit der englischen Polizei, und eine mit der University of California. Drei Orte, Tausende Leute, physische und mentale Messungen – wir fühlen uns, als würden wir das der Community schulden.

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2 Kommentare
Marcus Sandberg
Marcus Sandberg

„Wir nähern uns auch einer Zulassung der Arzneimittelbehörde“ …. Wozu braucht eine App zur Meditationsunterstützung eine FDA Zulassung als Arzneimittel? Und das Intro startet dann mit „…. zu Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker ….“
Ob das mal nicht kontraproduktiv ist. Denn sobald es als Medikament zugelassen ist, kann ich Headspace zumindest in D nicht mehr frei verkäuflich anbieten …. und damit hätte Headspace zumindest die die Aufmerksamkeit der gesamten Presse garantiert: Eine App, die nur in der Apotheke verkauft werden darf …..

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Guru
Guru

Ich empfehle die kostenlose (Fremium Modell) App Insight Timer , die ich seit Jahren nutze. Timerfunktion und geführte Meditationen in vielen Sprachen.

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