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Startups

Im Herzen grün: Was Ecosia anderen Tech-Startups voraus hat

Aufforstungs-Projekt in Burkina Faso. (Foto: WeForest / Beeldkas)

Google-Alternativen gibt es en masse. Ecosia sticht trotzdem heraus. Denn wer hier sucht, tut gleichzeitig etwas ziemlich Sinnvolles. Die beste Suchmaschine der Welt? Ein Beitrag zu unserer Themenwoche „Wachstum mit Werten“.

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Zugegeben: Woran man festmacht, ob etwas „gut“, „besser“ oder „am besten“ ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei Suchmaschinen sicher von der Qualität der Ergebnisse. Der Schnelligkeit der Suche und dem Umgang mit Werbung.

Auch die Art und Weise, wie Nutzerdaten behandelt werden, spielt für viele eine Rolle. Die Suchmaschine Ecosia punktet im Meer der Google-Alternativen aber noch in ganz anderer Hinsicht: Wer sie nutzt, tut gleichzeitig etwas Gutes.

Ecosia: Suchen, finden, Bäume pflanzen

Suche über ecosia.org: Mit einem Klick lässt sich von den Ecosia/Bing-Ergebnissen auf die Google-Ergebnisse umschalten. Oben rechts wird angezeigt, wie viele Bäume man schon „mitgepflanzt“ hat.
Suche über ecosia.org: Mit einem Klick lässt sich von den Ecosia/Bing-Ergebnissen auf die Google-Ergebnisse umschalten. Oben rechts wird angezeigt, wie viele Bäume man schon „mitgepflanzt“ hat.

Seit 2009 ist das Projekt des Berliner Unternehmers Christian Kroll am Start. In vielerlei Hinsicht funktioniert es wie die bekannten Suchmaschinen: Die Suchergebnisse bezieht Ecosia von Yahoo beziehungsweise Bing, ebenso die Anzeigen, die neben oder über den Suchergebnissen angezeigt werden. An diesen Anzeigen verdient Ecosia mit. Das Besondere: Mindestens 80 Prozent des Einnahmenüberschusses gehen an Aufforstungsprojekte ausgewählter Partner.

0,5 Cent nimmt das Unternehmen laut eigenen Angaben pro Suchanfrage ein. Bei mehr als 720.000 Suchanfragen am Tag und durchschnittlichen Kosten von knapp 30 Cent pro Baum ergibt das insgesamt eine Schlagzahl von einem neuen Baum alle zehn Sekunden. Im November 2014 wurde der millionste von Ecosia finanzierte Baum gepflanzt, im April 2015 kletterte der Zähler schon auf zwei Millionen Bäume. Ecosias Ziel: Bis 2020 soll mit Hilfe der Suchmaschine eine Milliarde neuer Bäume gepflanzt worden sein.

(K)ein Tech-Startup wie jedes andere

Das neunköpfige Team von Ecosia. (Foto: Ecosia)
Das neunköpfige Team von Ecosia. (Foto: Ecosia)

„Business ist dafür da, Probleme zu lösen. Warum nicht gleich die wichtigsten der Welt?“

Das Team, das sich auf der Ecosia-Website vorstellt, könnte genau so gut in jedem anderen Tech-Startup arbeiten: Es gibt Entwickler, einen Advisor, eine Community-Managerin, einen Growth-Hacker. Trotzdem ist Ecosia anders: Als Social Business ist das Unternehmen auf die Lösung eines ökologischen Problems ausgerichtet, auch wenn es – anders als etwa gemeinnützige Organisationen – durchaus wirtschaftliche Interessen verfolgt.

„Business ist dazu da, Probleme zu lösen“, erklärt Shannon Smith, Communications-Managerin bei Ecosia, den Ansatz – „warum dann nicht gleich die wichtigsten Probleme der Welt angehen?“ Nur durch ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit bekämen letztlich alle eine faire Chance auf ein langes Leben und eine glückliche Existenz. Für Ecosia sei klar: „Die Werte eines Unternehmens sind genau so wichtig wie seine Kapazität, seine Ziele zu erreichen.“

B-Corporations: Unternehmen einer neuen Zeit

Seit ungefähr einem Jahr ist das Startup aus Wittenberg daher auch als B-Corporation zertifiziert – als eines von nur fünf deutschen Unternehmen. Insgesamt haben sich mehr als tausend Firmen weltweit durch die Organisation „B-Labs“ ihr vorbildliches Handeln im Sinne der Mitarbeiter, der Kunden und der Umwelt attestieren lassen. Der Status als B-Corporation gilt als höchst vertrauenswürdig.

t3n 40 erscheint am 27. Mai im Handel. Abonnenten erhalten das Heft eine Woche früher.

In der an die Unabhängigkeitserklärung der USA angelehnten „Declaration of Interdependence“ erklären die Mitglieder:

„Wir stellen uns einen neuen Wirtschaftssektor vor, in dem die Kraft privater Unternehmen öffentlichen Nutzen hervorbringt. (…) Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht: Dass wir selbst der Wandel sein müssen, den wir suchen; dass alle Unternehmen mit Rücksicht auf Menschen und Umwelt geführt werden sollten; dass Unternehmen durch ihre Produkte, ihr Handeln und ihre Profite danach streben sollten, niemandem zu schaden und allen zu nutzen. (…) Zu diesem Zweck müssen wir mit dem Verständnis handeln, dass wir alle voneinander abhängig und somit verantwortlich für einander und zukünftige Generationen sind.“

Um als B-Corporation anerkannt zu werden, müssen Unternehmen ein mehrstufiges Assessment-Verfahren durchlaufen, das alle zwei Jahre wiederholt werden muss. Zusätzlich führt die Dachorganisation „B-Lab“ auch bei schon zertifizierten Unternehmen zufällige Stichproben durch, um sicherzustellen, dass der hohe Standard eingehalten wird.

30.508 Euro für 9 Mitarbeiter

Zu den Kriterien gehört unter anderem auch Transparenz. Daher legt Ecosia seit Januar 2015 jeden Monat einen öffentlichen Geschäftsbericht vor, der Einnahmen und Ausgaben des Startups detailliert aufschlüsselt. Im April 2015 beispielsweise sind 101.573 Euro in die Kasse geflossen. Davon wurden 724 Euro in PR und Marketing gesteckt, 4.675 Euro für spätere Projekte zurückgelegt, 46.174 Euro fallen unter Betriebskosten, darunter 30.508 Euro für die neun Mitarbeiter des Startups, aber auch Sozialabgaben, Serverkosten und Büromiete. 50.000 Euro gingen an das Aufforstungsprojekt von WeForest in Burkina Faso.

Blick ins Büro des umweltbewussten Startups. (Foto: Ecosia)

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„Ecosia wächst stetig, weil die Menschen Anteil nehmen“, hat Gründer Christian Kroll dem englischen Recycling-Anbieter Plastic Expert erklärt: „Sie spüren, wie schwer die Probleme der Welt sind und wie sehr sie miteinander zusammenhängen, und sie wissen, dass Ecosia ein kleiner, stetiger Teil des Puzzles ist.“ So könne das Startup auf eine besonders enthusiastische Community bauen: „Einige der besten organischen Marketer, die die Welt je sehen wird.“ Deshalb liegt der Fokus bei Ecosia momentan auch auf der Verbesserung der User Experience – zum Beispiel durch eine entsprechende Chrome-Extension – und auf mehr Kommunikation, um den Einfluss des Einzelnen auf die Ecosia-Projekte wirklich greifbar zu machen.

Ecosia: Vorbild oder Spielerei?

„Öko-Suchmaschinen wie Ecosia: Nur gut fürs Gewissen?“

Zu den Selbstverständlichkeiten bei Ecosia gehört auch, dass es Kunde beim Ökostrom-Anbieter Greenpeace Energy ist und Kosten für einen vierteljährlichen CO2-Ausgleich einplant. Trotzdem ist Ecosia nicht allen wirklich „grün genug“. In der Vergangenheit haben Nutzer bemängelt, dass die Suche selbst ja weiterhin über die – nicht unbedingt grünen – Yahoo-Server abgewickelt wird und die generierten Spenden nur ein Tropfen auf den heißen Stein seien. Einige befürchten, dass Ecosia-Nutzer sich durch die Websuche nur ein gutes Gewissen verschaffen und danach noch weniger für die Umwelt tun als zuvor. „Grün“ sei Ecosia wohl nur indirekt, urteilte auch Hellmuth Vensky zum Start der Suchmaschine in der ZEIT, die titelte: „Öko-Suchen schützen das Gewissen mehr als den Wald.“

Andererseits: Ist „ein bisschen grün“ nicht immer noch besser als gar nicht? Wirksamer als ein Klick auf den Like-Button dürfte die anteilige Mitfinanzierung eines Umweltprojekts allemal sein. Natürlich rettet das Startup mit seiner Idee die Welt nicht im Alleingang – aber immerhin bietet es eine Möglichkeit, Gutes zu tun, die so bequem ist, dass sie zur alltäglichen Routine für private und berufliche Nutzer werden könnte. Und durch die enorme Skalierbarkeit seines Ansatzes kann Ecosia auf lange Sicht durchaus einen Unterschied machen.

Wer bis zum 1. Juni das t3n Magazin abonniert, erhält die Ausgabe 39 sowie das aktuelle t3n-T-Shirt gratis dazu.
Wer bis zum 1. Juni das t3n Magazin abonniert, erhält die Ausgabe 39 sowie das aktuelle t3n-T-Shirt gratis dazu.

Und noch in einem weiteren Punkt kann Ecosia ein Vorbild sein: Wenn es darum geht, feste Werte und eine auf die Verbesserung moderner Lebensumstände ausgerichtete Vision in die DNA eines Unternehmens einzubinden – und zwar von Anfang an.

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Übrigens, wir suchen Mitarbeiter: https://ecosia.workable.com

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