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Kommentar

Warum Hightech-Startups Deutschlands Zukunft sind

(Foto: Zapp2Photo/Shutterstock)

Deutschland ist in der digitalen Welt derzeit nur Mittelmaß. Bestenfalls. Das Silicon Valley hat das Rennen um die Plattform-Ökonomie längst für sich entschieden – 1:0 für das Mekka der Innovation. Doch das könnte und wird sich hoffentlich bald ändern, meint unser Gastautor.

Deutschland könnte ausgleichen und sogar eine Vorreiterposition bei der nächsten Welle der Digitalisierung einnehmen. Die Vorzeichen sind ideal, weil wir es dieses Mal mit gänzlich anderen Ausgangsbedingungen zu tun haben.

Wenn es um bahnbrechende Entwicklungen geht, schauen wir hierzulande oftmals mit Argusaugen über den eigenen Tellerrand – vornehmlich schielen wir dabei auf die andere Seite des Atlantiks, auf das Tal der Erfindungen, das Treibhaus für Innovation: das Silicon Valley. Nirgends scheint die Dichte von Kapital, klugen Köpfen und revolutionären Erfindungen größer zu sein. An der einen Ecke werden Startup-Helden gefeiert, an der anderen die nächste Milliarden-Finanzierungsrunde verkündet. All das ist richtig und wahr. Wer in Deutschland versucht, auf diese Weise mit dem Silicon Valley mitzuhalten, kann nur verlieren. Wir müssen unserer Niederlage ins Auge blicken. Mund abwischen und weitermachen. Denn die nächste große Welle der Digitalisierung wird schon an unser Ufer gespült, und sie kann kriegsentscheidend sein – das Industrial Internet of Things (Industrial-IoT).

Das Internet der Dinge entsteht nicht im luftleeren Raum

Anders als die Plattform-Ökonomie entsteht das Internet der Dinge nämlich nicht im luftleeren Raum, sondern benötigt eine gute Infrastruktur, einen Nährboden, auf dem es gedeihen kann. Das sind gänzliche andere Ausgangsbedingungen und deshalb ein enormer Standortvorteil für Deutschland. Deutschland hat nicht nur die nötige technologische Kompetenz, sondern mit Unternehmen wie Siemens, Bosch, BMW oder Festo auch das benötigte Kapital und insbesondere die industrielle Infrastruktur, die der in den USA überlegen ist. Das sind drei wichtige Kernkomponenten, mit denen Deutschland die Welle der Digitalisierung erfolgreich reiten und Hightech-Startups fördern kann.

Industrial-IoT: Deutschland international führend

Der deutsche Markt für Industrial-IoT ist im internationalen Vergleich außerdem hoch entwickelt. In München ist die Rate von Technologie-Patenten je Einwohner höher als sonst irgendwo. Zudem ist im Umkreis von zweieinhalb Stunden der Großteil des ökonomischen Motors der Bundesrepublik ansässig. Mit der sehr breit aufgestellten und innovativen Industriestruktur und der hohen Roboter-Dichte zählt Deutschland somit zu den größten Industrie 4.0-Märkten der Welt. In Kombination mit bereits bestehenden Branchen-Clustern und den starken Industriepartnern fällt die Innovation der Hightech-Startups somit hierzulande auf einen sehr fruchtbaren Boden. Die Gleichung aus langjähriger Erfahrung und einem exzellenten Netzwerk, sowie der ständigen Herausforderung des Status quo in Hubs wie München oder Berlin könnte aus Deutschland einen Industrial-IoT-Pionier machen.

Die deutsche Industrie braucht Kooperationen auf Augenhöhe – sowohl untereinander als auch mit Startups

Damit Industrial-IoT zum neuen deutschen Nimbus wird, müssen jedoch Industrial-IoT-Ökosysteme entstehen. Dafür braucht es nicht nur zwischen der Industrie und Startups eine Kooperation auf Augenhöhe. Auch die Industriepartner selbst müssen zusammenarbeiten. Denn kein Unternehmen wird in naher Zukunft in der Lage sein, die gesamte Wertschöpfungskette alleine zu digitalisieren. Deshalb sind industrieübergreifende Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eine Grundvoraussetzung, um für den Kunden relevante Dienstleistungen und Services anbieten zu können.

München, Stuttgart oder Berlin?

All das kann nicht nur an einem Ort stattfinden. Wir können den Kampf um das Internet der Dinge nicht alleine gewinnen – weder Berlin, noch München oder Stuttgart. In der föderalen Struktur Deutschlands könnte deshalb der Schlüssel zum Erfolg liegen: München stellt Gründern und Unternehmern eine großartige Infrastruktur bereit sowie einen Zugang zu Elite-Universitäten. Viele renommierte Forschungs- und Entwicklungsunternehmen haben sich in München niedergelassen. Auch Stuttgart trägt eine großen Teil zu Deutschlands wirtschaftlicher Stärke bei – immerhin ist die Region die exportstärkste des Landes und bei Technologie-Patenten liegt Stuttgart weltweit sogar auf Platz 5. Berlin wiederum ist der Inbegriff eines Hubs und hat von allen deutschen Städten international die größte Strahlkraft, um Talente anzulocken und vor allem auch das Kapital. Nach Berlin fließt mehr Geld als nach München oder Stuttgart. Die Stärke liegt deshalb in der Diversität unseres Landes.

Nur gemeinsam sind wir stark

Damit Deutschland die nächste Welle der Digitalisierung erfolgreich reitet, müssen wir uns endlich unserer Stärken bewusst werden und uns für einen festen Schulterschluss zwischen Startups und der Industrie einsetzen. Wenn die Deutschland AG es schafft, den Startups mehr Offenheit entgegenzubringen und auch die Startups viel öfter mit und nicht gegen die deutsche Industrie arbeiten, dann kann es etwas werden mit dem Internet der Dinge. Dann können strategische Kooperationen auf Augenhöhe entstehen. Dann kann Deutschland zum neuen Global Player werden. Ausreden haben wir dieses Mal jedenfalls keine. Es liegt nun an uns, diese Chance zu nutzen.

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