Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kommentar

Sicherheitspolitik: Vorsätzlich eingebaute Software-Hintertüren sind eine Katastrophe

Hintertüren in Software für Behörden sind eine Gefahr. (Foto: Shutterstock-Konstantin Kolosov)

Die CSU will Whatsapp-Gespräche zur Terrorbekämpfung mitlesen. Doch die dafür notwendigen Hintertüren, richten sich viel zu oft gegen die eigene Bevölkerung. Ein Kommentar von Andreas Weck.

Ist es nur Wahlkampf oder einfach brachiale technische Inkompetenz? Anfang der Woche forderte CSU-Politiker Joachim Hermann öffentlichkeitswirksam den Zugriff auf Whatsapp-Gespräche für deutsche Polizeibehörden. Der Innenminister Bayerns will das Thema im Rahmen einer neuen Bundesregierung durchsetzen. Und es scheint sehr wichtig zu sein. Denn er bedient sich am Argument der Terrorabwehr. Angeblich habe er Informationen darüber erhalten, dass sich Extremisten, wie der Terrorist von Ansbach, über die Messenger-App organisieren würden. CSU-Spitzenkandidat Hermann will jetzt Sicherheit schaffen, doch genau betrachtet, würde er damit genau das Gegenteil bewirken.

Hintertüren in Software für Behörden sind eine Gefahr: Die USA liefern Beispiele

Joachim Hermann von der CSU (links) fordert Zugriff auf Whatsapp zur Terrorbekämpfung. Doch Hintertüren in Software sind eine Gefahr. (Foto: dpa)

Was zunächst nachvollziehbar klingen mag, ist nämlich vielmehr eine Insellösung, die kurz-, mittel- und langfristig Risiken birgt. Risiken, die eigentlich bekannt sein dürften. Das Problem von vorsätzlich eingebauten Hintertüren in Software für Sicherheitsbehörden, wurde zuletzt in den USA breit diskutiert – beispielsweise während des Streits zwischen Apple und dem FBI. Wir erinnern uns: 2016 versuchte die US-amerikanische Bundespolizei den IT-Konzern per Gericht dazu zu zwingen, ein Tool bereitzustellen, das bei Bedarf iPhone-Passwörter knackt. Auch das FBI argumentierte entlang der Terrorabwehr. Wie sich später sogar herausstellte, war das nur eines von vielen Gerichtsverfahren: US-Behörden führten zur gleichzeitg noch zwölf andere Prozesse – allein gegen Apple.

„Ohne Zweifel sind das die Schlüssel zum Königreich.“

Der IT-Konzern kritisierte, dass Tools, die die eigenen iPhones angreifbar machen, genauso gut auch von Kriminellen oder ausländischen Spionen unterwandert oder aber sogar gestohlen werden könnten. Das Argument stieß dann schnell auf fruchtbaren Boden: Nur kurze Zeit später leakte eine Palette an NSA-Werkzeugen, die mutmaßlich russische Hacker abgegriffen haben. Die Werkzeugkiste enthielt verschiedene Backdoors und Exploits, die Zugriff auf global agierende Internetdienste ermöglichten. Eine Katastrophe für viele US-amerikanische IT-Unternehmen. Ehemalige NSA-Mitarbeiter gaben sogar zu: „Ohne Zweifel sind das die Schlüssel zum Königreich.“ Viele Experten waren sich anschließend einig: Dieser Hack bewies, dass Hintertüren nicht für Sicherheitsbehörden erstellt werden dürfen, da sie immer die Gefahr bergen, auch in falsche Hände zu gelangen.

Einer dieser Experten, Christopher Soghoian, der als Cheftechnologe des „Speech, Privacy and Technology Projects“ der Bürgerrechtsvereinigung American Civil Liberties Union (ACLU) tätig ist, kommentierte die Situation anschließend ziemlich pointiert auf Twitter: „Apple: ‚Wenn wir gezwungen werden, ein Werkzeug zu bauen, mit dem iPhones gehackt werden können, wird es jemand stehlen.’ FBI: ‚Blödsinn.’ Russland: ‚Wir haben gerade die Hackwerkzeuge der NSA veröffentlicht.’“ Soghoian provozierte damit und befeuerte eine Debatte, die anfangs noch zu heftigen Glaubenskriegen zwischen den Parteien führte: Wem nutzen derartige Überwachungstechniken wirklich? Sind Hintertüren in Programmen hilfreich oder eher gefährlich? Die Antwort war danach ziemlich eindeutig.

Christopher Soghoian über Hintertüren in Software: Nichts ist so sicher, wie eine geschlossene Sicherheitslücke. (Screenshot: t3n.de)

Der Innenminister Joachim Hermann und seine CSU scheinen vor einem Jahr jedoch nicht mitgelesen zu haben. Sie glauben tatsächlich das Thema im Griff zu haben. Jedoch, und da werden wohl die meisten Leser einstimmen, ist es doch so: Wenn sogar die NSA – also der größte, kompetenteste und am besten finanzierte Geheimdienst der Welt – sich nicht vor solchen Diebstählen schützen und für die Sicherheit der Werkzeuge garantieren kann, dürfte wohl eine im Vergleich kleine deutsche Polizeibehörde erst recht bei dem Versuch scheitern. Der Kampf gegen den Terror ist zwar wichtig, aber er darf nicht zu blindem politischem Aktionismus führen. Wer absichtlich die Sicherheit von Hardware oder Internetdiensten stört, öffnet Tür und Tor für Gruppen, die die Werkzeuge gegen die eigene Bevölkerung richten. Ein Innenminister hätte damit auf ganzer Linie versagt.

Ihr stimmt dem Autor zu oder seid anderer Meinungen? Diskutiert mit ihm auf Twitter oder gemeinsam auf unserer Facebook-Seite. Wir sind gespannt auf eure Sichtweise!

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen

Finde einen Job, den du liebst