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Startups

Ein bisschen Voyeurismus und kleine Rätsel: Die Geschichte hinter der Erfolgs-App „Hooked“

Prerna Gupta und Parag Chordia. (Foto: Hooked)

1,9 Millionen US-Dollar für ein Startup aus dem Literaturbereich? Klingt fast wie ein Märchen. Doch mit Telepathic und ihrer App „Hooked“ haben Prerna Gupta und Parag Chordia genau das geschafft.

Telepathic: Finanzierungsrunde über 1,2 Millionen Dollar

In Frankfurt immer noch mit der Frage rumschlagen, wie sich die Digitalisierung bewältigen lässt, sind Andere schon einen guten Schritt weiter. Sie verdienen Geld – mit digitalen Inhalten und auf neuen Wegen. Prerna Gupta und Parag Chordia beispielsweise sind zwei Gründer, die der Verlagswelt gerade zeigen, wie sich mit einer guten Idee und der dazu passenden App Investoren an Land ziehen lassen.

Hooked heißt ihr Projekt, das sie und ihr Startup 500 Startups, Greylock, Foundation Capital, Hired-Gründer Doug Feirstein, BranchOut-Gründer Rick Marini oder Zynga-Mitgründer Justin Waldron. Grund genug für uns, mit Gründerin Prerna Gupta über diese App zu sprechen. Darüber, wie sie funktioniert, wie sie Geld verdienen soll – und was die Buchbranche aus dem Projekt lernen kann.

Ein bisschen Voyeurismus: Hooked funktioniert wie ein Chat

Bei Hooked klicken sich Nutzer durch die Geschichten wie durch einen Chat. (Screenshot: Hooked)
Bei Hooked klicken sich Nutzer durch die Geschichten wie durch einen Chat. (Screenshot: Hooked)

t3n.de: Eure App Hooked ist eine Bibliothek voller Kurzgeschichten, voller Fünf-Minuten-Geschichten. Kurz erklärt: Wie funktioniert sie?

Prerna Gupta: Hooked ist eine Sammlung mundgerechter Geschichten, die in Form von Chats zwischen verschiedenen Charakteren daherkommen. Als Leser verfolgt man diese Geschichten im Grunde wie einen Chatverlauf, eine Nachricht nach der anderen. Natürlich gibt es dabei ein gewisses voyeuristisches Vergnügen. Man kann es sich vorstellen wie eine moderne Form des Briefromans.

t3n.de: Dementsprechend scrollen Leser auch nicht durch die Geschichten, sie klicken sich durch. Warum?

Gupta: Wir wollten ein Lesererlebnis gestalten, das zum Smartphone passt. Für uns heißt das, den Informationsfluss zu kontrollieren und dem Leser nur ein paar Wörter auf einmal zu präsentieren. Außerdem fühlt es sich natürlicher an, nur eine Nachricht auf einmal anzuzeigen. Es hat einfach mehr vom Rhythmus eines echten Chats. Und weißt du: Menschen mögen es, Buttons zu drücken. Wir haben rausgekriegt, dass es den Leser bei der Stange hält, wenn er mit Hilfe von Buttons durch den Text navigiert.

t3n.de: Wer ist bei all dem eure Zielgruppe?

Gupta: Wir hoffen natürlich, dass unsere Geschichten jeden ansprechen, und das weltweit. Aber unsere Early Adopter sind junge, erwachsene Leser – und in der Mehrzahl sind sie weiblich.

t3n.de: Fünf Minuten sind eine verdammt kurze Zeit, was bedeutet, dass die Geschichten in eurer App fundamental anders funktionieren müssen. Was ist das Geheimnis einer guten Hooked-Story?

„Unsere Perspektive als App-Entwickler ist ein Vorteil für uns.“

Gupta: Das Geheimnis ist ein dichter Plot – und eine klare Sprache. Der Leser trifft bei jeder Nachricht eine Entscheidung: Will er weiterlesen oder die Geschichte verlassen? Also sollte in jeder Nachricht auch ein kleines Rätsel versteckt sein, damit der Leser dranbleibt. Die meisten Autoren finden das eine großartige Übung und eine Herausforderung, denn es zwingt sie dazu, alles Unnötige wegzulassen und sich wirklich nur auf die Geschichte zu konzentrieren.

t3n.de: Ihr selbst kommt nicht aus der Verlagsbranche, sondern aus der App-Entwicklung. Ein Vorteil?

Gupta: Manche sagen, Ahnungslosigkeit sei ein Segen. Ich glaube, Ahnungslosigkeit – man kann es auch eine neue Sicht auf die Dinge nennen – ist hilfreich, wenn du versuchst, etwas Neues, etwas wirklich Innovatives zu erschaffen. Denn dadurch bist du nicht durch dein Wissen gehemmt, wie Dinge sein sollten, du bist nicht entmutigt durch die Herausforderungen, die eine bestimmte Branche mit sich bringt. Insofern: Ja, ich glaube, dass unsere Perspektive als App-Entwickler, kombiniert mit einer Leidenschaft fürs Lesen, ein Vorteil für uns ist. Das gibt uns den Mut, wirklich seltsame und verrückte Dinge auszuprobieren.

Hooked: Die Lese-App läuft auch auf der Apple-Watch

Hooked auf der Apple-Watch: ein ganz besonderes Leseerlebnis. (Screenshots: Hooked)
Hooked auf der Apple-Watch: ein ganz besonderes Leseerlebnis. (Screenshots: Hooked)

t3n.de: Was glaubst du: Warum tun sich traditionelle Verlage nach wie vor so schwer, mit der Digitalisierung umzugehen?

Gupta: Ich glaube, Fiktion für mobile Geräte zu adaptieren, erfordert eine völlig neue Kunstform. Die meisten Bemühungen, das Lesen zu digitalisieren, haben sich darauf beschränkt, Geschichten zu übertragen – und im besten Fall, sie visuell auf das digitale Medium anzupassen. Stattdessen, glaube ich aber, müssen wir neu denken, wie wir Geschichten erzählen, sodass wir das Meiste aus der Digitalisierung und mobilen Devices rausholen. Diese Form grundlegender Innovation wird aber schwerlich von einer Industrie kommen, die Dinge für mehrere hundert Jahre – wenn auch erfolgreich – auf eine ganz bestimmte Art und Weise gehandhabt hat.

t3n.de: Wenn du davon sprichst, dass Geschichten neu erzählt werden müssen: Wer sind die Autoren eurer Geschichten – und wie findet ihr sie?

Gupta: Die meisten unserer Autoren kommen aus Top-Master-Programmen in kreativem Schreiben. Aber wir haben eigentlich keine Voraussetzungen für die Einreichung. Wir nehmen liebend gerne Geschichten von allen Autoren an, die sich für unser Format interessieren. Wir testen Inhalte mit unseren Lesern und wenn eine Kurzgeschichte da funktioniert, dann kaufen wir sie. Dieser datengetriebene Ansatz erlaubt es uns, offen für alle möglichen Autoren zu sein.

t3n.de: Wie lange dauert es inklusive aller Tests, bis eine Geschichte funktioniert? Wie viele Iterationen braucht es? Und wie genau testet ihr, ob eine Story den Leser wirklich fesselt?

„Unsere Abonnenten verbringen 40 Minuten pro Tag mit Lesen.“

Gupta: Die meisten unserer Geschichten brauchen nur einen Anlauf, unsere Autoren scheinen sehr schnell zu verstehen, wie Hooked funktioniert. Wenn wir die Geschichten mit unseren Lesern testen, achten wir natürlich vor allem darauf, wie viele sie zu Ende lesen. Geschichten, die da eine hohe Quote erreichen, kaufen wir. Und wenn nicht, versuchen wir unseren Autoren so viel datengestütztes Feedback zu geben wie möglich.

t3n.de: Wo genau steht euer Startup gerade? Wie wollt Ihr Geld verdienen?

Gupta: Wir haben gerade eine Seed-Funding-Runde abgeschlossen und dafür einige großartige Angel-Investoren im Silicon Valley gewinnen können. Daneben haben wir vor einigen Wochen die App gelauncht. Und es waren unglaubliche erste Wochen seitdem! Die App soll sich über ein Abo-Model finanzieren. Leser bekommen eine Geschichte pro Tag gratis und können ein Abo für unbegrenzten Zugang zum Katalog abschließen. Und unsere Abonnenten sind wirklich bei der Sache, sie verbringen 40 Minuten pro Tag mit Lesen!

t3n.de: Seht ihr euch selbst als Konkurrenz zu klassischen Verlagen? Oder glaubst du, beides kann durchaus parallel nebeneinander exisitieren?

Gupta: Ich glaube, wir können nebeneinander existieren – und wir können zusammenarbeiten! Zum Beispiel könnten wir eine großartige Plattform für neue Autoren sein oder für eine bevorstehende Buchveröffentlichung. Es gibt doch keinen Grund, dass Bücher, E-Books und Lese-Apps nicht alle erfolgreich sein können. Ich liebe traditionelle Romane ebenso wie ich Hooked-Stories liebe. Und ich hoffe, der Markt insgesamt wird weiter wachsen.

t3n.de: Wie sieht es mit der Umsetzung eurer App für Tablets aus? Oder für Smartwatches?

Gupta: Hooked läuft schon auf der Apple Watch und es ist wirklich eine coole Leseerfahrung. Die App für Tablets weiterzuentwickeln, planen wir derzeit nicht, denn wir konzentrieren uns auf kleine Screens. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt?

HOOKED
HOOKED
Entwickler: Telepathic, Inc.
Preis: Kostenlos+

HOOKED - Chat Stories
HOOKED - Chat Stories
Entwickler: Telepathic
Preis: Kostenlos+

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Eine Reaktion
Jo Jacobs

Eine zeitgemäße Literatur-Erfahrung für kleine Bildschirme finde ich spannend, Hooked 0_0 jedoch ist für mich nichts weiter als Zeitverschwendung mit Abo-Modell.
Die Inhalte sind teilweise trivialer und langweiliger als ein Chat meiner Nichte und das UI UX ist alles andere als "fluffy".
Schade...

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