Porträt

Horizn Studios: Die rasante Erfolgsgeschichte eines Nerd-Koffers

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Horizn Studios Geschäftsmodell

Horizn betreibt ein klassisches „Cut-out-the-middlemen-Modell“, umgeht also alle Zwischenhandelsstufen und verkauft als Produzent selbst an den Endkunden. Dabei springt nicht ausschließlich ein höhere Marge heraus:„Bei einer traditionellen Premium-Retail-Marke hat ein 500-Euro-Koffer einen Produktionswert von maximal 50 Euro. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Da wir direkt vertreiben, können wir wesentlich mehr in Qualität und Innovation investieren, und dennoch 50 Prozent günstiger anbieten.“

An Plattformen denkt CEO Stefan Holwe vorerst nicht, im Idealfall wächst und skaliert Horizn alleine: „Im richtigen Kontext und mit der richtigen Strategie macht Amazon absolut Sinn. Amazon kategorisch auszuschließen halte ich für einen Fehler.“ Das Wachstum scheint nach Aussage Holwes auch kein Problem zu sein, spricht der Gründer doch von 1200 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahr. Mittlerweile soll Horizn sein Wachstum schon künstlich bremsen, um mit der Produktion noch den Kundenbestellungen zeitnahe hinterher zu kommen. Darüber, das Horizn es alleine, ohne externe Marktplätze und Retail schafft, scheint Holwe froh: Er betont, dass er lieber die volle Kontrolle über jeden Marketing-, und Brand-Experience-Touchpoint habe. Da sei das Kundenfeedback direkter. „Und ich bin weniger abhängig.“, sagt Holwe.

Die Marke und der Markenaufbau ist Holwes wichtigstes Thema und auch einer der Gründe, die dazu geführt haben, dass das stationäre Geschäft eine wichtige Rolle für das Unternehmen spielt. „Einerseits ist der Laden ein Distributionskanal, der profitabel sein muss.“ Das sei der Berliner Flagshipstore auch jetzt schon.

Was Horizn Studios ausmacht: Sortiment, Produkte, Marke

Horizn Studios in Berlin. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Andererseits zahlt der Laden aus Holwes Sicht aber auch stark auf die Marke ein. „Stationär können wir die Marke physisch, also ganz anders, erlebbar machen als online. Gleichzeitig ist der Laden ein Feedback-Kanal für unsere Produkt-Entwicklung.“ Etwa 120 verschiedene Produkte hat Horizn in Berlin direkt am Kunden getestet. Im Vier-Wochen-Takt werden Produkte entwickelt, im Store nebeneinander gelegt und beobachtet, wie der Kunde auf den einzelnen Artikel reagiert. Die einzelnen Artikel stehen dann in Nachfrage und Absatzgeschwindigkeit im Wettbewerb zueinander. „Neue Modell-Tests führen wir natürlich auch online durch, aber das direkte Offline-Feedback der Kunden auf neue Modelle ist extrem wertvoll.“

Horizns weitere Produkte. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Das funktioniert so gut, dass schnell ein zweiter, dritter und vierter Laden hinzukommen sollen – insgesamt sieht Holwes Businessplan in einem überschaubaren Zeitraum die Eröffnung von zehn Läden in ganz Europa vor. Aktuell macht Horizn 70 Prozent des Umsatzes in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie rund 30 Prozent vor allem in Skandinavien und Großbritannien.

Fotogalerie: Horizn Flagshipstore in Berlin

Horizn Studios Flagshipstore in Berlin. (Foto: Jochen G. Fuchs)

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Im Horizn-Laden sind zuerst Taschen, Smartphone-Hüllen, MacBook-Hüllen oder Handtaschen erhältlich gewesen, noch heute ergänzt das Startup sein Koffersortiment durch solche Lederaccessoires. Entstanden ist das Sortiment während der Entwicklung des Horizn-Koffers. Da Horizn Materialen für den eigenen Herstellungsprozess in China selbst einkauft, ist beispielsweise neben dem deutschen Polycarbonat, das italienische Vachetta-Leder für Taschen schon früh vorhanden gewesen. Somit war das ergänzende Produktportfolio kurioserweise schon vor dem eigentlichen Kernprodukt im Verkauf.

Horizn Studios, ein Fazit

Die Kernprodukte von Horizn, die intelligenten Koffer für Digital-Nomaden, sind ein hochwertiges und sinnvolles Produkt. Dadurch dass das Startup tatsächlich Probleme seiner Zielgruppe löst, durch ein ausgeklügeltes Aufbewahrungssystem, tragbare Stromversorgung und pfiffige digitale Zusatzdienste und Features, sollte dem weiteren Wachstum nichts im Wege stehen.

Die nächsten Koffer stehen schon in der Warteschlange: Ein spezieller Koffer für DJs wird seit kurzem auf der Horizn-Website angeteasert und zusammen mit Seth Troxler beworben, ein Modell für Fotografen ist geplant und eine große Automobilmarke arbeitet mit Horizn ebenfalls an einem smarten Gepäckstück. Das junge Startup hat es bisher geschickt verstanden, die Strahlkraft von Influencern und Marken für sich zu vereinnahmen und scheint das auch geschickt fortzusetzen.

Da kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen und die Erfolgsgeschichte zügig voran rollen – wie der besagte Koffer des Startups.

Disclosure: Der Horizn-Cabin-Trolley wurde uns vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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