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Huawei: Android-Alternative könnte schon in diesem Jahr erscheinen

Huawei Mate 20 X. (Foto: t3n)

Huawei bereitet sich gezwungenermaßen auf die Zeit nach Android vor. Die Alternative zu Googles Betriebssystem könnte schon im Herbst fertig sein, heißt es vom Hersteller. In Europa könnte es Ark OS heißen.

Google hat aufgrund eines Telekommunikations-Notstands-Dekret der US-Regierung die Handelsbeziehungen zu Huawei eingestellt und darf den chinesischen Konzern nicht mehr mit Android-Updates und -Diensten beliefern. Zwar hatte das US-Wirtschaftsministerium am Dienstag einen Aufschub von 90 Tagen gewährt, doch die Gnadenfrist gilt nur für sich bereits im Markt befindliche Geräte. Für neue Modelle braucht Huawei eine andere Lösung. Doch der Plan B, auch als „Ersatzrad“ bezeichnet, ist schon seit Jahren in Entwicklung.

Huawei: Android-Alternative könnte mit Mate 30 kommen

Schon vor drei Jahren kursierten Gerüchte über eine Abkehr Huaweis von Googles Android, woraufhin Richard Yu, seines Zeichens Chef der Mobilsparte des Konzerns, sich zu Wort meldete und sich klar zu Android bekannte, solange die Plattform Open Source bliebe.

Huaweis Chef der Mobilsparte Richard Yu hatte die Android-Alternative schon im März bestätigt. (Foto: Huawei)

Im März 2019 bestätigte Yu gegenüber der Tageszeitung Die Welt, dass Huawei ein eigenes Betriebssystem parat habe, das Android ersetzen könne, falls sie die Plattform nicht mehr nutzen könnten. Jedoch betonte er, dass Huawei Android (und Microsofts Windows) bevorzuge. Mit dem nun bestehenden Android-Bann hat Huawei keine andere Wahl, als den Plan B ins Rollen zu bringen, wie Yu am Dienstag bestätigte. Laut Huawei könnte die Android-Alternative frühestens im Herbst 2019 mit dem Mate 30, spätestens im Frühjahr 2020 an den Start gehen.

Dem Portal The Information (Paywall) liegen andere Informationen vor, die Yus Aussagen widersprechen: So sei das als Project Z in Entwicklung befindliche Betriebssystem alles andere als fertig. Es sei zudem ursprünglich primär für den chinesischen Markt und nicht für den globalen Einsatz entwickelt worden. Selbst wenn Huawei sein eigenes Betriebssystem fertigstellt, würde es vor der noch größeren Herausforderung stehen, ein ganzes Ökosystem von Apps aufzubauen, heißt es. Wenngleich The Information für seine guten Quellen bekannt ist, gehen wir erst einmal davon aus, dass Huawei-Mobile-Chef Richard Yu näher an der Quelle ist und weiß, wie es um das Betriebssystem bestellt ist.

Huaweis Android-Alternative soll nicht nur auf Smartphones laufen

Yu gab in einer öffentlichen Wechat-Gruppe erste Details zum eigenen OS zu Protokoll, das als Hongmeng OS kursiert – der Name dürfte für den internationalen Markt womöglich noch geändert werden. So werde die eigene OS-Lösung die Form eines einheitlichen Betriebssystems haben – also ähnlich wie Samsung es mit seinem Tizen versucht. Es soll nicht nur auf Smartphones, sondern auch auf Computern, Tablets, Fernsehern, Autos, Wearables und anderen Produkten zum Einsatz kommen.

App-Gallery: Die Alternative zu Googles Play Store ist auf Huawei-Geräten schon vorinstalliert. (Foto: t3n)

App-Gallery: Eine Alternative zu Googles Play-Store ist auf Huawei-Geräten schon vorinstalliert. (Foto: t3n)

Ferner werde es sowohl Android- als auch Web-Apps unterstützen. Yu zufolge sollen Android-Apps, die für Huaweis Betriebssystem rekompiliert wurden, 60 Prozent schneller als auf Googles Android sein. Unklar ist, ob existierende Android-Apps problemlos auf dem neuen Huawei-Betriebssystem laufen können.

Ebenso ungewiss ist, ob es sich bei Huaweis eigenem OS um einen Android-Fork basierend auf dem quelloffenen AOSP handelt, wie etwa Amazon es bei seinem Fire OS macht. Huawei könnte für seine Plattform auch auf eine andere Basis setzen und eine Android-Runtime integrieren, mit der Android-Apps unterstützt werden. Diesen Ansatz hatte Blackberry bei seinem Unix-basierten Blackberry 10 verfolgt.

Wie es konkret bei Huawei weitergeht, ist nicht vollkommen klar. Dass der Konzern vom Android-Bann ziemlich überrumpelt wurde, zeigte sich am Dienstag bei der Vorstellung des Honor 20 Pro des Tocherunternehmens. Das Unternehmen erwähnte Android im Zuge des Events mit keiner Silbe – ein Termin für den Marktstart der Topgeräte konnte auch nicht gegeben werden.

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