News

High-End ohne Google-Dienste: Das soll im Huawei Mate 30 (Pro) stecken

Mehr Display beim Huawei Mate 30 Pro. (Bild: Huawei)

Huawei wird am 19. September sein Mate 30 Pro und weitere Modelle der Mate-Familie vorstellen. Kein anderer Smartphone-Launch des Unternehmens stand bisher unter einem so schlechten Stern.

Seit Mai steht Huawei auf einer Entity-List der US-Regierung. US-Unternehmen ist damit untersagt, mit dem Konzern Handel zu treiben. Immerhin dürfen beispielsweise noch Software-Updates für Bestandsgeräte von Google an Huawei weitergegeben werden. Auch bestehende Lizenzen für Google-Apps sind weiterhin gültig, sodass auf dem Markt befindliche Geräte weiter funktionieren wie bisher. Beim Huawei Mate 30 (Pro) sieht das Ganze – Stand jetzt – anders aus.

Huawei Mate 30 Pro: Ohne Google-Apps und Play-Store

Im Mittelpunkt des Launches der Mate-30-Serie steht ausnahmsweise nicht die Hard- sondern die Software. Denn Google darf aufgrund der US-Sanktionen keine Unterstützung für die Geräte – wir rechnen mindestens mit einem Mate 30 und einen Mate 30 Pro, ein Porsche-Design- und ein Lite-Modell stehen auch im Raum – liefern. Das bedeutet, dass auf den Smartphones weder der Google-Play-Store als Anlaufstelle für Apps, noch die Play-Dienste oder jegliche Dienste und Anwendungen des Konzerns wie Google Maps, Youtube oder Gmail vorinstalliert sein dürfen. Das Gleiche gilt unter anderem auch für Anwendungen von Facebook wie Whatsapp oder die Facebook-App und den -Messenger.

Huawei Mate 30 Pro Leak. (Bild: Evleaks)

Huawei Mate 30 Pro Leak. (Bild: Evleaks)

Als Betriebssystem wird auf den Modellen weiterhin Android mit der hauseigenen Nutzeroberfläche EMUI 10 vorinstalliert sein, jedoch muss Huawei aufgrund der rechtlichen Einschränkungen die Open-Source-Version AOSP zurückgreifen. Für den Nutzer stellt das optisch keinen Unterschied dar. Problematisch wird es indes unter anderem bei der App-Installation: Statt auf den Play-Store könnte auf die Alternative F-Droid zurückgegriffen werden, in dem es allerdings nur kostenlose und Open-Source-Software gibt, jedoch weder Whatsapp noch Gmail. Selbst Amazons App-Angebot darf nicht genutzt werden, schließlich handelt es sich bei dem E-Händler auch um einen US-Konzern. Standardmäßig wird mit Sicherheit wie bisher auch die hauseigene App-Gallery an Bord, sein, in der – Stand September 2019 – immer noch ältere Versionen von Whatsapp und Facebook zu finden sind.

App-Gallery: Die Alternative zu Googles Play Store ist auf Huawei-Geräten schon vorinstalliert. (Foto: t3n)

App-Gallery auf dem Mate 20 Pro: Die Alternative zu Googles Play-Store ist auf Huawei-Geräten schon vorinstalliert. (Foto: t3n)

Wie Huawei mit diesem Umstand konkret umgehen wird, bleibt ungewiss. Gegenüber dem Spiegel sagte Huawei-Mobile-Chef Richard Yu, dass Kunden sich die Google-Mobile-Dienste wohl selbst nachinstallieren könnten. Für die meisten Nutzer dürfte das aber womöglich zu kompliziert sein.

Angesichts der hochangespannten und komplizierten Situation zwischen den USA und China ist ungewiss, ob sich die Lage rasch verbessern wird, sodass Huawei und Google sowie auch weitere US-Unternehmen wieder die Geschäfte aufnehmen können. Lösen sich die Sanktionen in Luft auf, was auch schon vor einer Weile bei dem chinesischen Netzausrüster ZTE der Fall war, könnte alles wieder wie gehabt ablaufen.

Geleaktes Bild des Huawei Maze 30 Pro. (Bild: Weibo)

Rundes Kamera-Element mit vier Sensoren: Geleaktes Bild des Huawei Mate 30 Pro. (Bild: Weibo)

Falls nicht, muss Huawei auf sein eigenes Betriebssystem Harmony OS zurückgreifen, das aber wohl erst im Laufe des nächsten Jahres fertig werden soll. An einem neuen, europäischen Ökosystem wird parallel zu dem von Google ebenso gearbeitet. Zumindest befindet Huawei sich in Verhandlungen mit Unternehmen, mit denen eines aufgebaut werden soll.

Huawei Mate 30 Pro: Das soll drinstecken

Huawei Mate 30 Pro Leak. (Bild: Evleaks)

Mit Waterfall-Display: Geleaktes Bild des Huawei Mate 30 Pro. (Bild: Evleaks)

Abgesehen von den Querelen um die Software scheint das Mate 30 Pro ein spannendes Smartphone zu werden: Es wird allem Anschein nach das zweite Modell mit Huaweis eigener 3D-Gesichtserkennung, die ähnlich wie Apples Face-ID funktioniert und ungefähr so sicher wie ein Fingerabdruck sein soll. Entsprechend wird eine Displaykerbe wie beim Vorgänger, dem Mate 20 Pro (Test), für die Sensoren vorhanden sein.

 

Alle Farben des Huawei Mate 30 und 30 Pro. (Bild: Evleaks)

Alle Farben des Huawei Mate 30 und 30 Pro. (Bild: Evleaks)

Beim Display des Pro-Modells selbst setzt Huawei mutmaßlich auf einen 6,6- oder 6,7-Zoll-AMOLED-Bildschirm mit 2.400 x 1.176 Pixeln und einer Bildwiederholrate von 90 Hertz, der um das Gehäuse gebogen sein wird. Möglich ist aber auch eine höhere Auflösung, schließlich besitzt das 2018er Mate-Modell 3.120 x 1.440 Pixel.

Rückseitig soll das Mate 30 Pro mit zwei 40-Megapixel-Sensoren für Standard- und Ultraweitwinkel-Aufnahmen, begleitet von einem Acht-Megapixel-Telezoom und einem 3D-ToF-Sensor (Time-of-Flight) daherkommen. Im Fokus der Kamera liege nicht wie beim P30 Pro die Zoom- sondern die Kamerafunktion, die bisher ein Kritikpunkt war. Unter anderem soll das Mate 30 Pro Videos in 4K-Qualität mit 60 fps aufnehmen können. Die Frontkamera hat Huawei offenbar von 24 auf 32 Megapixel angehoben. Weiter sollen sich frontseitig sowohl eine 32-Megapixel-Selfie-Cam als auch eine zweite Ultraweitwinkel-Kamera mit noch unbekannter Auflösung befinden. Außerdem ist von einem ToF-Sensor die Rede.

Größenvergleich: Huawei Mate 30 vs Huawei-Mate 30 Pro. (Foto via XDA)

Größenvergleich: Huawei Mate 30 vs Huawei-Mate 30 Pro. Beide kommen mit In-Display-Fingerabdrucksensor. (Foto: Changan Digital Junvia XDA)

Huawei Mate 30 (Pro) mit Kirin 990 und 5G

Befeuert wird die neue Modellgeneration vom selbstentwickelten Kirin-990-Prozessor, den Richard Yu im Zuge der Ifa 2019 angekündigt hat. Es ist der erste Chip des Unternehmens, der ein 5G-Modem auf dem SoC hat – optional gibt es aber auch eine Variante ohne 5G. Unterstützt werden soll das SoC von sechs bis acht Gigabyte RAM und 128 bis 512 Gigabyte Speicher, der womöglich wie die Vorgänger über die eigens entwickelten Nanomemory-Speicherkarten erweitert werden kann.

Huawei Kirin 990 5G. (Foto: t3n)

Huawei Kirin 990 5G. (Foto: t3n)

Für lange Laufzeit soll das Mate 30 Pro einen 4.500-Milliamperestunden-Akku verbaut haben. Das Mate 30 ohne Pro könne noch einen 4.200-Milliamperestunden-Akku besitzen. Geladen werden sollen die Energiepeicher womöglich mit 40 Watt kabelgebunden oder vielleicht sogar mit 55 Watt. Gesichert sind die Informationen nicht. Unklar ist ebenso die Leistung der kabellosen Ladeoption: Angeblich soll das Pro-Modell das Laden via Qi-Wireless mit bis zu 30 Watt unterstützen.

Huawei Mate 30: 4 verschiedene Modelle erwartet

Huawei Mate 30 Leak. (Bild: Evleaks)

Das Huawei Mate 30 kommt offenbar ohne 3D-Gesichtserkennung, aber mit Dual-Frontkamera. (Bild: Evleaks)

Konkrete Details zu den Unterschieden zwischen Mate 30 Pro und Mate 30 sind nicht bekannt. Wir gehen aber davon aus, dass der Bildschirm des normalen Modells etwas kleiner sein und nicht um die Seiten gebogen sein wird. Ferner ist wohl keine 3D-Gesichtserkennung an Bord des Mate 30. Weiter setzt Huawei auf einen In-Display-Fingerabdruckleser bei beiden Geräten, wie auch beim Porsche-Modell, dessen Existenz bereits bestätigt wurde.

Huawei Mate 30 Porsche Desin. (Bild: Evleaks)

1 von 3

Während die Porsche-Design-Version wie in den Jahren zuvor in der oberen Preisliga spielen wird, soll das Mate-30-Lite-Modell im niedrigeren Bereich angesiedelt sein. Beim Mate 30 Lite soll es sich indes nur um ein umgebrandetes Nova i5 Pro handeln, das schon für den chinesischen Markt angekündigt wurde. Es besitzt ein 6,26-Zoll-IPS-Display und einen Kirin-810-Achtkernchip, der im Sieben-Nanometer-Verfahren hergestellt wird.

Huawei Mate 30 Lite Leak. (Bild: Evleaks)

1 von 2

Weitere Informationen zu Preis oder Farben gibt es noch nicht. Wir gehen aber davon aus, dass das Mate 30 Pro trotz der US-Sanktionen nicht unbedingt günstiger wird als das Mate 20 Pro oder das P30 Pro. Die lagen jeweils im Bereich um die 1.000 Euro. Trotz der tristen Situation dürfte Huawei seine neuen Modelle wieder in mutige, schimmernde Farben tunken.

Mehr zum Thema:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

6 Kommentare
Peter
Peter

Also um ehrlich zu sein, finde ich Huawei nur deshalb interessant, weil sie jetzt auf alle Google-Dienste verzichten müssen. Hat mich davor nicht interessiert, jetzt wird es aber spannend. Endlich mal was ohne Google-Tracking. Ob die Chinesen mich tracken, ist mir aktuell hingegen egal.

Außerdem zwingt das vielleicht auch andere Hersteller zum Umdenken. Android ist halt die „einfache“ Wahl, aber mich nervt es, dass es keine Konkurrenz mehr gibt. Windows Phone fand ich damals in Sachen Kamera und Performance bspw. richtig gut, Microsoft hat halt (wie immer) nur nicht genug (und nicht rechtzeitig) dafür getan und so ist es untergegangen.

Grundsätzlich kann ruhig mal wieder frischer Wind kommen. Begrüße es, wie Amerika sich gerade selbst zerstört. Macht Deutschland beim Thema Auto (Elektroauto) schließlich auch.

Antworten
Kori
Kori

Endlich ein Phone ohne Google! Das Mate 30 Pro wird das erfolgreichste Smartphone was HUAWEI jemals auf den Markt bringen wird. Jetzt noch ein paar Sicherheitsfeatures dazu und das Ding wird unschlagbar. Wenn ich mir die Iphone 11 Kacke mit nicht einmal FullHD Screen um ca. 800 Euro angucke kann man beim Mate 30 Pro einfach nichts mehr falsch machen.. ist gekauft :)
PS. als Navi verwende ich z.B. HERE (WeGo) .. brauch kein Google Maps.. sämtliche Alternativen sind besser als das Goole Zeugs..

Antworten
Saskia
Saskia

Geht mir auch so. Und Here nutze ich auch, vor allem weil es auch offline perfekt funktioniert und nicht ständig Daten lädt.

Antworten
Benkt
Benkt

Hey Kori + Saskia. Wie sieht es mit dem Akkuverbrauch bei euch aus? Ohne Google Apps / Services müsste doch ein bisschen mehr drin sein oder merkt man das nicht?

devzero
devzero

Also ob einen jetzt google trackt oder wer anderer macht das Kraut nicht fett.
Es sollte gar keiner tracken.

Huawei könnte aber den Bootloader aufsperrbar machen, damit man selber die GAPPS installieren kann,
das kann Google ja nicht verbieten.
Dann können die die google haben wollen das nachinstallieren und die anderen halt was anderes nutzen.

Antworten
Alex
Alex

Wer, wie die NSA, das Smartphone von Bundeskanzlerin Merkel, sowie den gesamten Bundestag gehackt und ausspioniert hat, ist sicherlich besonders qualifiziert, Steine in Richtung HUAWEI zu schmeißen.
Apple, MS, Facebook/WhatsApp, Intel und ihre Ganoven-Kollegen sind allesamt Backport-Bereitsteller für die US-Wirtschaftsspionage, sowie die noch wichtigeren FERNWIRK-FUNKTIONEN, die z.B. geeignet sind, Kraftwerke und Atomanlagen, Raketenstarts usw. zu manipulieren. Hinter dem Krieg gegen Huawei stecken in Wirklichkeit schlichte Wirtschaftsinteressen, weil die US-Industrie technisch keine Innovationen mehr auf die Reihe bringt, quasi das Flughafen-Berlin-Syndrom, plus die Tatsache, dass HUAWEI-TECHNIK eventuell geeignet ist, die Backports der NSA auffliegen zu lassen…

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung