Kommentar

Huawei: Trumpensteins Monster

Trump versucht Huawei Steine in den Weg zu legen. Huawei baut daraus ein Haus. (Foto: Shutterstock)

Donald Trump versucht, Huawei im Handelskrieg in die Knie zu zwingen. Er wird genau das Gegenteil erreichen. (Spoiler-Alert: schiefe Vergleiche)

Was genau Donald Trump sich denkt, wenn er Gesetze erlässt, ist schwer nachzuvollziehen. Vielleicht oft auch gar nicht so viel. Er ist ja eher so der Macher.

Im Mai hatte er den Nationalen Notstand in der Telekommunikation ausgerufen und US-Firmen nach einer Übergangszeit die Zusammenarbeit mit Huawei verboten. Vielleicht wollte er Druck auf China ausüben. Vielleicht glaubt er, dass Huawei tatsächlich eine Gefahr für die amerikanische Telekommunikation ist – wie gesagt, man weiß es nicht. Wahrscheinlich kann er auch nicht mehr dazu sagen beziehungsweise twittern als das übliche: Er will irgendeinen „Deal“ machen.

Druck schafft „Trumpensteins Monster“

Aber: Egal, ob es um IT-Sicherheit oder die Dominanz in der Kommunikationstechnik geht – der Druck auf Huawei schadet den USA mehr, als er ihnen nützt. Die Sanktionen schaffen vor allem eins: einen immer gewiefteren Gegenspieler. Trumpensteins Monster, gewissermaßen.

Ja, ich gebe zu, der Vergleich mit Mary Shelleys Frankenstein hinkt an allen Ecken und Enden. Ein bisschen zusammengestückelt, könnte man sagen. Aber der Punkt ist der: Durch Trumps Druck und die drohenden Sanktionen ist Huawei immer selbstständiger geworden – und unabhängiger von amerikanischer Technologie. Schon jetzt, sagt Huawei, der zweitgrößte Smartphone-Konzern der Welt, brauche man keine amerikanische Hardware mehr.

Bärendienst für die amerikanische IT-Branche

Wenn Trump der heimischen Industrie helfen wollte – er hat ihr einen Bärendienst erwiesen. (Bärendienst passt als Metapher vielleicht besser als Frankenstein. Wie ich gerade feststelle.) Für elf Milliarden Dollar soll Huawei allein 2018 in den USA Teile eingekauft haben. Für Intel und Qualcomm ist es nicht lustig, dass dieses Geld wegfällt.

Als klar wurde, dass das neue Mate 30 wohl ohne Google-Apps starten wird, war das natürlich in erster Linie ein harter Schlag für Huawei. Aber nicht nur für Huawei. Auch für Google ist es alles andere als lustig, dass Gmail, Play-Store, Maps und Co. auf zukünftigen Huawei Modellen nicht mehr vorinstalliert sein sollen.

Verliert Google den Android-Heimvorteil?

Eines der Hauptargumente gegen Huawei (in Sachen 5G) war immer, dass chinesische Geheimdienste chinesische Technik im Zweifel leichter hacken könnten. Es ging also um eine Art digitalen Heimvorteil. Was dabei übersehen wurde: Das Argument funktioniert in beide Richtungen. Mit Android als weltweit beliebtestem Betriebssystem für Smartphones hätte Google beziehungsweise die amerikanische Tech-Branche eben diesen Vorteil gehabt – wenn es ihn denn gibt. Google selbst warnte schon im Sommer vor diesem Fall.

Aber es geht ja nicht nur darum, dass eben dieser vermeintliche Heimvorteil wegfällt. Trump hat Huawei dazu gezwungen, ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln, Harmony OS. Klar, Huawei selbst sagt, dass es noch nicht ganz rund läuft. Aber das ist nur eine Frage von Geld und Zeit. Abgesehen davon klingt Harmony OS nach einer ziemlich guten Idee: Es soll ein Betriebssystem werden, das nicht nur auf Smartphones laufen kann, sondern auf allen Gerätekategorien: vom Laptop bis zum Wasserkocher. Während Google noch verschiedene Geräte mit verschiedenen Systemen laufen lässt (Laptops mit Chrome OS, Wearables mit Wear OS, IoT-Geräte mit Android Things) hätte Huawei es schon vereinheitlicht, auf Open Source. 1:0 für Huawei, wenn es so kommt.

Und wenn der Geist erstmal Wasserholen gegangen ist … (ja, Zauberlehrling, passt, auch nur so halb, aber egal). Anscheinend arbeitet Huawei schon mit Partnern an einem neuen europäischen Smartphone-Ökosystem, das auch hier den Einfluss von Google und Apple zurückdrängen könnte – eigentlich eine charmante Idee.

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3 Kommentare
Ragnar
Ragnar

Danke für die offenen Worte. Ich habe herzhaft gelacht :-)

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Atalanttore
Atalanttore

Wenn Überheblichkeit auf Imperialismus trifft – Donald Trump als Präsident der USA.

Huawei hat fast doppelt so viele Mitarbeiter wie Alphabet Inc. (Google). Donald Trump müsste zum Staatspräsident der Volksrepublik China ernannt werden, um einen Konzern wie Huawei, der mit Rückendeckung der chinesischen Regierung agiert, in die Knie zwingen zu können.

Derweil schaffen es europäische Politiker nicht mal die Software eines US-Konzerns aus europäischen Amtsstuben zu verbannen.

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Arthur
Arthur

Wieso wird eigentlich nirgendwo erwähnt, dass Donald Duck den Chinesen genau das vorwirft und als Fakt darlegt, was auf die USA bzw die Geheimdienste der USA bereits nachweislich zutrifft? Ich erinnere nur zu gerne an den Abhörskandal der Bundeskanzlerin?

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