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Indoor-Navigation: Freiburger Startup fordert Google heraus

(Foto: Telocate)

Ob Flughafen, Mega-Mall oder Messegelände – auch Gebäude können unübersichtlich sein. Doch die herkömmliche GPS-Navigation funktioniert in geschlossenen Gebäuden eher schlecht. 

Herkömmliche GPS-Navigation ist auf Signale von Satelliten angewiesen, die durch die Reflektionen innerhalb von Gebäuden ungenau werden. Damit Smartphone-Nutzer ihre Navigations-App wie Google Maps oder Apple Maps auch innerhalb von Gebäuden nutzen können, arbeiten große Unternehmen wie Google, Nokia und Broadcom an Lösungen für die Indoor-Navigation. Sie alle setzen auf die im Gebäude verteilte Empfangsgeräte, um mittels Funktechnologien wie Bluetooth, WLAN oder NFC das Smartphone des Nutzers zu orten.

Keine der Lösungen hat sich bislang auf breiter Front durchgesetzt – denn sie alle erfordern, dass die Gebäudebetreiber mitmachen und sich entsprechend ausrüsten. Das Freiburger Startup Telocate hat einen neuen technischen Ansatz entwickelt, der noch deutlich genauer sein soll. Statt mittels elektromagnetischer Wellen sendet das Smartphone mit der Telocate-Technik über den eingebauten Lautsprecher unhörbare akustische Signal aus, um die eigene Position zu bestimmen.

Von Brigitte Zypries, Staatsekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, wurde das Telocate-Team auf der IFA in Berlin mit dem IKT-Preis ausgezeichnet. (Foto: Wolfgang Borrs)
Von Brigitte Zypries, Staatsekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, wurde das Telocate-Team auf der IFA in Berlin mit dem IKT-Preis ausgezeichnet. (Foto: Wolfgang Borrs)

„Im Supermarkt sind zwei, drei Meter schlecht, denn dann können Sie nicht sagen, ob Sie sich auf der linken oder auf der rechten Seite des Supermarktregals befinden“, sagt Fabian Höflinger, einer der beiden Gründer und Co-Geschäftsführer des Vier-Mann-Startups. Allerdings muss auch bei der Technik aus Freiburg der Gebäudebesitzer mitspielen: Die akustischen Signale werden von kleinen an der Decke angebrachten Geräten empfangen, um den Ort des Smartphone-Nutzers zu bestimmen. Aus der Messung der Empfangszeitpunkte der Empfangsgeräte wird die Position des Smartphones berechnet. Statt einer Präzision von zwei bis drei Metern wie bei herkömmlichen Lösungen soll die Technologie daher eine Genauigkeit im Dezimeterbereich ermöglichen.

Das Startup ist noch ganz am Anfang

Die Kosten für den Gebäudebesitzer seien trotzdem in etwa gleich hoch wie bei bestehenden Lösungen mit WLAN oder Bluetooth, sagt Höflinger. Zudem sei die Telocate-Technik deutlich einfacher zu installieren – „Plug and Play“ nennt er das. Bei der neuen Indoor-Navigation sei es im Gegensatz zu anderen Lösungen nicht notwendig einzustellen, wo sich die Empfänger befinden.

Doch wie kommt die Navigation zum Nutzer? Neben einem normalen Smartphone benötigt er eine spezielle App – mit bestehenden Navigationslösungen funktioniert das System nicht ohne Anpassungen.

Das Startup ist noch ganz am Anfang – die Technologie ist entwickelt und patentiert, jetzt erst geht es darum, sie auf dem Markt zu bringen. Dazu setzen die Gründer auf Kooperationspartner, die die Navigationslösung zu den Kunden bringen sollen.

Messegesellschaft will Piloten testen

Mit einer deutschen Messegesellschaft ist ab Mitte bis Ende nächsten Jahres ein Pilotprojekt vereinbart – bisher nur mündlich. Ziel ist es, dass am Ende die App den Messekatalog ersetzt, also Informationen zu allen Ausstellern bietet, inklusive der Navigation dorthin. „Viele Messen haben ja schon Apps, aber mit Navigation ist da noch nichts – und das wäre dann ein Mehrwert für die Messe“, sagt Höflinger. Telocate soll das System in einer Halle als Pilotprojekt installieren, um nachzuweisen, dass es funktioniert. Geld fließt dabei noch nicht. Bisher haben die Gründer das System nur auf einem Gelände der Universität Freiburg getestet, das lange nicht die Ausmaße hat, für die es einmal eingesetzt werden soll.

Die Empfänger an der Decke orten das Smartphone anhand vom Lautsprecher ausgegebener unhörbarer Signale. (Foto: Telocate)
Die Empfänger an der Decke orten das Smartphone anhand vom Lautsprecher ausgegebener unhörbarer Signale. (Foto: Telocate)

Für das Kartenmaterial von Gebäuden sprechen die Freiburger derzeit mit bestehenden Anbietern. Möglich sei der Einsatz der Technologie beispielsweise auch in Museen, wobei dem Besucher Informationen zum jeweiligen Exponat angezeigt werden. Anders als bei herkömmlicher Technik mit NFC oder Bluetooth muss dabei nicht jedes Exponat mit einem Chip ausgestattet werden – was wo steht, wird einfach per Software aktualisiert.

Szenarien für den Einsatz der Technik fallen Höflinger viele ein. Doch warum sollten sich beispielsweise Verbraucher für den Einkauf im Supermarkt eine App herunterladen? Höflinger verweist auf die USA, wo App-Anbieter mit großem Erfolg Kunden zur virtuellen Schnitzeljagd auffordern –gegen Rabattpunkte. Das könne auch in Deutschland funktionieren.

„Von Google oder Apple gekauft werden - wer hofft das nicht ?“

Das größte Problem für das Startup ist aber die Überwindung des Henne-Ei-Problems: So lange den Nutzern derartige Technik nicht bekannt ist, wird sie auch nicht nachgefragt – und Gebäudebetreiber bieten sie nicht an. Zudem muss Telocate gegen Internet-Riesen wie Google antreten, die schon seit Jahren an dem Thema forschen. Höflinger, der zum Thema Indoor-Navigation promoviert hat, ist dennoch optimistisch: „Die Großen haben Interesse, man sieht die immer auf diesen Konferenzen – allerdings hat sich ihre Technologie noch nicht durchgesetzt.“ Und so lange die anderen auf Technologien mit elektromagnetischen Wellen setzten, sei es auch fraglich, ob sie jemals die Genauigkeit der Freiburger hinbekommen.

Hofft Telocate heimlich darauf, von Google oder Apple gekauft zu werden? „Wer hofft das nicht?“, sagt Höflinger fügt aber hinzu, dass es „auf das Angebot ankommt.“

Mehr Technologie-News auf wsj.de

Von Stephan Dörner

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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