Analyse

Digitalisierung: Kann das „Android der Industrie 4.0“ aus Deutschland kommen?

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Weitere ähnliche Systeme kommen beispielsweise vom deutschen Anbieter Bosch Software Innovations, von Accenture, IBM und PTC, dessen Lösung Thingworx heißt. Eine aus Berlin stammende Lösung heißt Relayr und kann Partner wie Bosch, Amazon, Cisco und Intel vorweisen. Als Konkurrenz für Predix sieht GE selbst eher Technologieunternehmen als traditionelle industrielle Wettbewerber des Konzerns wie Siemens.

Vernetzte Industrie 4.0: Siemens‘ Antwort auf Predix von GE heißt Mindsphere

Die Antwort vom deutschen direkten GE-Konkurrenten Siemens auf Predix heißt Mindsphere. „Mindsphere ist das offene, cloudbasierte IoT-Betriebssystem von Siemens“, sagt ein Unternehmenssprecher von Siemens auf Anfrage. Zu den Kunden gehörten beispielsweise das Maschinenbauunternehmen Gämmerler, das Maschinen an Mindsphere anschließt und Daten über die Mind-App „Visual Analyzer“ analysieren. Dadurch könne das Unternehmen weltweit Kunden, bei denen die Maschinen im Einsatz sind, digitale Dienste „out oft he box“ anbieten und die Maschinenverfügbarkeit erhöhen. Weitere Kunden will Siemens nicht nennen.

Mit der Cloud-basierten Software Mind-App von Siemens ließen sich beispielsweise Werkzeugmaschinen in Produktionsstätten weltweit überwachen. „Theoretisch ist es damit beispielsweise auch möglich, dass Betreiber von Produktionsstätten Maschinenstunden flexibel nach Bedarf anbieten“, so der Sprecher weiter.

Vollautomatisierte Modellfabrik an der Universität Kassel. (Foto: dpa)

Immerhin kann Europa bereits einen Erfolg vorweisen: Der Begriff Industrie 4.0, eine Erfindung der deutschen Bundesregierung, wird inzwischen auch international genutzt – General-Electric-Chef Jeffrey R. Immelt beispielsweise sprach von der „Industry 4.0“ beim Intel Developer Forum im vergangenen September in San Francisco.

Die entscheidende Rolle bei der Industrie 4.0 wird aber die verwendete Software spielen – und das könnte der deutschen Industrie zum Verhängnis werden. Hierzulande wird Ingenieurskunst noch immer eher mit Stahl und Spaltmaß in Verbindung gebracht, als mit Software-Entwicklung.

Grundsätzlich steht GE dabei vor ähnlichen Herausforderungen wie der deutsche Technologiekonzern Siemens. Beide Unternehmen wollen von Herstellern von Maschinen zu Digitalunternehmen werden, auch als Abwehrstrategie gegen Softwareunternehmen wie Alphabet und IBM.

Beim Wandel allerdings wählt GE einen deutlich disruptiveren Ansatz als die deutsche Konkurrenz, analysiert der Economist. GE ist zentraler als Siemens organisiert und doppelt so profitabel. Es sei daher kein Wunder, dass „beide Unternehmen verschiedene Wege bei der Digitalisierung gehen.“ Anfang 2016 verlegte GE seinen Unternehmenssitz von der amerikanischen Provinz im Bundesstaat Connecticut ins urbane Boston, um jüngere, kreativere Mitarbeiter anzulocken. Das Unternehmen ist überzeugt, dass im Kern der neuen industriellen Ära Software stehen wird. Während sich GE komplett neu erfinde, bleibe Siemens nah an den eigenen Wurzeln.

„Predix wird häufiger in meinen Gesprächen mit industriellen Kunden genannt.“

Auch die IoT-Plattform Predix scheint schon weiter als die deutsche Konkurrenz Mindsphere. GE kann zahlreiche Kunden über unterschiedlichste Branchen hinweg vorweisen – von Energieversorgung über Gesundheitswesen und Eisenbahnen bis zur Luftfahrtindustrie.  Zu den Kunden gehören laut GE unter anderem Unternehmen wie Akzo Nobel, Schindler, Eon und BP. Auch das japanische Unternehmen Lixil nutze Predix, ebenso wie Rasgas in Katar oder Pitney Bowes on den USA. Der Schweizer Aufzugbauer Schindler nutze Predix beispielsweise, um seine eine Million Aufzüge und Rolltreppen über das industrielle Internet zu vernetzen. „Schindler beobachtet, wie gut die eigenen Produkte funktionieren. Predix hilft ihnen, den Datenstrom der angeschlossenen Aufzüge und Rolltreppen zu analysieren, sodass mögliche Wartungsfälle gelöst werden, bevor sie akut werden“, sagt der GE-Sprecher.

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2 Kommentare
speedr4cr
speedr4cr

Bei Android und iOS hat sich das „Software is eating the world“ Mantra ja in Perfektion erfüllt. Falls das auch bei der industriellen Vernetzung gewinnt, sehe ich GE deutlich vorne, denn dort hat man anscheinend schon den nötigen Kulturwandel geschafft. Anders Siemens: Wer 2017 eine Entwicklerplattform herausbringt, die weder unter http://www.mindsphere.com noch bei https://github.com/mindsphere zu finden ist, sollte sich fragen, ob er die Sache ernst genug nimmt. (Immerhin mindsphere.io hat man mit einer Weiterleitung versehen…)
GEs https://www.predix.com/ bzw https://www.predix.io und https://github.com/predix sehen da schon ganz anders aus.

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Hans-Georg Torkel

Wenn wir führend werden wollen ist ein modulares Paket (Software, Hardware, soziale Innovationen) Industrie 4.0 notwendig. Wenn Deutschland sich auch gleich um neue Arbeitsmärkte für die durch Industrie 4.0 freiwerdenden Arbeitskräfte kümmert. Letzteres könnten besondere Alleinstellungsmerkmale für Deutschland werden.

Alles ist in Deutschland, sogar aus einer Hand vorhanden. Deutschland will wieder das Land der Dichter, Denker und Erfinder werden.
Eine Story, die sich lohnt.
http://www.innovationshaus.eu

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