Was ist Informationsarchitektur und warum sollte dich das interessieren?

Eine gelungene Informations-Architektur entsteht vor der eigentlichen Arbeit an der Website. (Foto: Jpeg/Shutterstock)

Der Begriff der Informationsarchitektur ist recht neu und wurde schon für verschiedene Zwecke benutzt. Sogar im Chipdesign oder bei der Netzwerkplanung fand er Verwendung. In den letzten zehn Jahren wird er aber vorwiegend im Kontext mit Softwareprojekten verstanden.

Informationsarchitektur im Webdesign

In diesem Zusammenhang meint „Informationsarchitektur” die sinnvolle Organisation und Strukturierung von Inhalten mit dem Ziel, dass eben diese Inhalte von Nutzern schnell gefunden und erschlossen werden können. Webdesigner sind demnach notwendigerweise stets auch Informations-Architekten.

Informationsarchitektur hat nichts mit visueller Gestaltung zu tun

Kunden und Dienstleister verwenden jedoch erfahrungsgemäß sehr viel Zeit auf visuelle Aspekte, sodass strukturelle Überlegungen nicht selten zu kurz kommen. Dabei ist eine gelungene Informationsarchitektur die beste Grundlage für eine ebenso gelungene Website. Informationsarchitektur lässt sich allerdings nicht als Photoshop-Mockup bauen.

Niemand würde ohne Architektur schon mal anfangen, das Haus zu bauen. (Foto: cherezoff/Shutterstock)

Vielfach wird Informationsarchitektur (IA) mit UX-Design gleichgesetzt, was ebenfalls viel zu kurz gesprungen erscheint. Auch hier gilt, dass IA lediglich die Grundlage für das UX-Design bildet. UX-Design ist weniger strukturell in den Überlegungen, sondern befasst sich weit konkreter mit den großen und kleinen Fragen der Benutzererfahrung, etwa welche Interaktion welches Ergebnis zeitigen soll.

Informationsarchitektur ist die Grundlage aller weiteren Arbeiten an einer Website

Wenn wir also über IA sprechen, dann befinden wir uns am Ursprung jedes digitalen Projekts. Hier gibt es noch nichts zu sehen und die künftige Benutzererfahrung ist in weiter Ferne. In der Informationsarchitektur geht es um rein strukturelle Fragen.

Das mag man auf den ersten Blick reichlich langweilig finden. Betrachtet man aber mal das Beispiel einer großen Bibliothek, wird schnell klar, dass Informationsbereitstellung ohne durchdachte Architektur keine gute Idee ist.

In unserem Städtchen existiert nur eine relativ kleine Stadtbücherei. Aber selbst in dieser könnte ich kein Buch finden, wenn sich die Bibliothekare nicht ein so gutes Ordnungssystem, eine nachvollziehbare Informationsarchitektur ausgedacht hätten. Eine Kombination aus einem digitalen Katalog und einem physikalischen Wegweisersystem führt dazu, dass jeder Besucher das von ihm gesuchte Buch auch findet. Gäbe es das nicht, bestünde nur eine zufällige Chance, die gesuchten Informationen zu erhalten. Die meisten Besucher dürften wohl ob des Frustpotenzials rasch kapitulieren.

Diese Unibibliothek bedarf ständiger Planung. (Foto: Rawpixel/Shutterstock)

Ähnlich ergeht es den Besuchern einer Internetseite, wobei sich das Problem mit steigender Informationsdichte steigert. Je mehr Informationen eine Website bietet, desto durchdachter muss ihre Informationsarchitektur sein. Generell bedarf jedoch auch die kleinste Website einer sinnvollen IA. Lediglich der Komplexitätsgrad unterscheidet sich.

Informationsarchitektur ist nicht bloß Navigation

Typische Fragen, die eine gute Informationsarchitektur dem Besucher beantworten können muss, lauten etwa:

In Anbetracht dieser Fragen könnte man auf die Idee kommen, dass Informationsarchitektur nur ein anderes Wort für Navigation ist. Auch das würde jedoch zu kurz greifen. Richtig ist allerdings, dass die Navigation ein Bestandteil der IA ist. Sie lässt sich allerdings erst ableiten, wenn ein paar vorbereitende Arbeiten erledigt sind.

Informationsarchitektur beinhaltet die Klassifizierung und Kategorisierung aller Inhalte

Es ist eines der verbreitetsten Probleme in der Kunde-Designer-Beziehung. „Fangen Sie schon mal an, die Inhalte liefern wir Ihnen nach und nach.” Wer kennt das nicht?

Und wer hat sich nicht schon oft, wenn auch intuitiv gefragt, wie das denn funktionieren soll? Die Antwort auf die Frage ist recht einfach: Es funktioniert nicht.

Bevor ihr sinnvoll eine Website erstellen können, müsst ihr alle Inhalte kennen, sortieren und strukturieren. Schon die Festlegung, welche Inhalte überhaupt in die Website integriert werden sollen, ist ein wichtiger Aspekt der Informationsarchitektur. Wer hat sich nicht bei verschiedenen Websites schon über seltsam „angeflanscht” wirkende Menüpunkte gewundert? Da kam der Kunde kurz vor Projektende noch mit einer neuen Ladung Informationen, die wir dann kurzerhand außerhalb der geplanten Struktur reinnehmen mussten. „Ist ja kein Problem, oder?“

Liegen alle Inhalte vor und sind die zu verwendenden definiert, gilt es, die Inhalte zu klassifizieren und zu benennen. Dabei werden die Inhalte Kategorien zugeordnet, aus denen sich später unsere Navigation entwickeln wird. Es empfiehlt sich, dabei ganz klassisch mit Taxonomien zu arbeiten. So erhält jede Kategorie stets nur eine Oberkategorie, was zu einem Abhängigkeitsbaum führt, wie er für Organigramme üblich ist. Innerhalb des Baumes bewegt ihr euch von ganz grob nach ganz fein. Je weiter unten in den Verästelungen ihr euch befindet, desto spezifischer werden die Informationen.

Monohierarchische Strukturen funktionieren am besten. (Foto: Mario Lopes/Shutterstock)

Flache Informationshierarchien bevorzugt

Dabei solltet ihr zudem darauf achten, dass eure Informationshierarchie nicht zu tief wird. Zum einen schätzt es kein Besucher, wenn er wahre Klickorgien durchleben muss, um letztlich zur gewünschten Information zu gelangen. Zum anderen bevorzugen die Crawler unserer Lieblingssuchmaschine aus Mountain View ebenfalls eindeutig flache Hierarchien.

Die einzelnen Kategorien sollten sich dabei ganz klar thematisch unterscheiden, sodass Besucher und Crawler gleichermaßen in die Lage versetzt werden, Zusammenhänge eindeutig erkennen und verstehen zu können. Denkbar sind, je nach Sinn und Zweck der Website, natürlich auch andere Unterscheidungen, etwa chronologischer Art oder nach dem Typ des Besuchers (zum Beispiel Kunde, Lieferant, Investor). Wichtig ist nur, dass ihr einen einmal eingeschlagenen Weg nicht verlasst und es so zu einer Vermischung unterschiedlicher Hierarchien kommt.

Suchen, aber richtig

Ebenfalls ein wichtiger Teil der Informationsarchitektur ist die Suchfunktion, die so selbstverständlich als Teil des CMS angesehen wird. Eine optimale IA würde nicht auf die Standardsuche von etwa Wordpress als Volltextsuche setzen, sondern ein entsprechendes Konzept zugrundelegen, was Besucher wohl suchen könnten und welche Ergebnisse sie dann finden sollten. Das hätte dann mit Freitextsuche nicht viel zu tun, würde aber bessere Ergebnisse liefern, die sowohl dem Interesse des Besuchers als auch dem des Betreibers entgegenkämen.

Und das ist alles?

Informations-Architektur ist eine Wissenschaft für sich. In diesem Beitrag habe ich mich auf die absoluten Basics beschränkt. Ich denke auch, dass es gerade die kleineren Projekte sind, denen IA-Überlegungen derzeit noch am meisten fehlen. Dabei sind das aber auch die Projekte, in denen gar nicht erst über User-Befragungen, Card Sorting und andere spezifische Techniken ausgewachsener Informationsarchitekten nachgedacht werden muss.

Wenn ihr bisher eure Kunden ganz ohne IA-Basics bedient habt, wird euch der Beitrag sicherlich ein paar Denkanstöße gegeben haben. Damit wäre ich schon zufrieden.

Quellen zum Weiterlesen:

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