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ING Diba kauft Lendico – und macht als erste große deutsche Bank wirklich ernst mit Fintech

Das Berliner Fintech vermittelt Firmenkredite. (Foto: Screenshot t3n)

Es ist die erste große Fintech-Akquisition durch eine führende deutsche Bank: Die ING Diba hat offenbar bei Rocket Internet zugeschlagen und den Berliner Online-Kreditmarktplatz Lendico gekauft. Die Transaktion ist aus mindestens zwei Gründen einschneidend für die deutsche Bankenbranche.

Nach Informationen des Branchen-Newsletters Finanz-Szene.de hat die ING Diba den ursprünglich von den Samwers gegründeten Berliner Online-Kreditmarktplatz Lendico gekauft. Die Übernahme wurde Ende vergangener Woche beim Bundeskartellamt angemeldet und dürfte in den nächsten Tagen offiziell verkündet werden. Eine Sprecherin der Online-Bank bestätigte die Informationen am Wochenende gegenüber Finanz-Szene.de.

Lendico konzentriert sich auf Kredite für KMU

Die Transaktion ist aus mindestens zwei Gründen einschneidend für die deutsche Bankenbranche. Erstens: Nach den Kooperationen mit dem Robo-Advisor Scalable Capital und dem digitalen Versicherungsmakler Clark signalisiert die ING Diba mit dem Lendico-Deal, dass sie so konsequent wie keine andere große deutsche Bank die „Fintechisierung“ des eigenen Geschäftsmodells anstrebt. Und zweitens: Anders als die meisten bekannten Online-Kreditmarketplätze wie Lending Club in den USA oder Auxmoney in Deutschland fokussiert sich Lendico nicht auf Verbraucherkredite, sondern auf Darlehen für kleine und mittlere Unternehmen – das heißt, die ING Diba beschreitet nach der weitgehenden Digitalisierung des Retailgeschäfts nun offenbar denselben Weg im KMU-Bereich, was so im hiesigen Bankenmarkt noch kaum verbreitet ist.

Schon bei der Bilanz-Pressekonferenz Anfang Februar hatte ING-Diba-Chef Nick Jue angedeutet, mit einem speziellen Online-Kredit für kleine und mittelgroße Firmen an den Markt gehen zu wollen. Beobachter waren allerdings davon ausgegangen, dass die Oranje-Bank das entsprechende Tool selber bauen würde. Nicht nur deshalb kommt der Kauf von Lendico auf den ersten Blick überraschend. Denn: Der 2013 als große Fintech-Hoffnung der Samwer-Brüder gestartete Kreditmarktplatz kam – soweit sich das von außen beurteilen lässt – nie wirklich in die Gänge.

Lendico: Schwache Geschäftszahlen, aber interessante Technologie

Bezeichnend: Wie aus einem Geschäftsbericht von Rocket Internet hervorgeht, mussten die Samwers 2016 auf Lendico eine „Wertminderungsaufwendung“ in Höhe von 19,5 Millionen Euro vornehmen. Auch ansonsten ging bei Lendico einiges schief: So wurde zum Beispiel das Neugeschäft in Spanien, Polen und Südafrika wieder eingestellt. Im vergangenen Herbst wandte sich Lendico dann nochmal mit einer vermeintlichen Erfolgsmeldung an die Öffentlichkeit. Demnach würden nun Darlehen im Umfang von durchschnittlich fünf Millionen Euro monatlich vergeben. Berechnungen von Finanz-Szene.de zeigten jedoch, dass über Lendico damit im Schnitt gerade mal zwei Kredite täglich vermittelt wurden.

Warum also sucht sich die ING Diba ausgerechnet diesen anscheinend lahmen Fintech-Player aus? Lendico-Insider sagen: Es stimme zwar, dass die Firma – verglichen etwa mit Konkurrenten wie Auxmoney – am Markt nie wirklich durchgestartet sei. Das ändere aber nichts daran, dass die dahinterstehende Technologie für eine Bank, die ins Geschäft mit SME-Onlinekrediten einsteige, hochinteressant sei. „Es ist nicht so, dass man bei Lendico damals einfach mal ein Frontend gebaut und dann losgelegt hat. Sondern: Das ist echt ‚Full Stack‘, also eine komplette Technologie, mit der die ING Diba zeitnah loslegen kann“, sagt ein Kenner der Materie. Ein anderer Insider sagt: „Natürlich kann eine Bank wie die Diba so etwas auch selber bauen. Aber das würde dann erst mal anderthalb Jahre die IT-Kapazitäten unnötig belasten. Lendico und damit die Lendico-Technologie zu übernehmen, ergibt insofern absolut Sinn.“

Bleibt die Frage nach dem Kaufpreis. Hierzu war am Wochenende allerdings nichts Belastbares in Erfahrung zu bringen. Interessant wäre derweil auch zu wissen, wie sich die Anteile aufteilen. Im vergangenen Juli hießt es, Rocket wolle Lendico an einen britischen Hedgefonds namens Arrowgrass verkaufen – Vollzug wurde aber offiziell nie gemeldet. Vermutlich hielten zuletzt sowohl Rocket als auch Arrowgrass nennenswerte Anteile.

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