Ratgeber

Inhalte für alle(s): Was ist eigentlich ein Headless CMS?

(Foto: Chaosamran_Studio / Shutterstock)

In der Frühzeit des Netzes hatte ein Content-Management-System (CMS) allein die Aufgabe, Inhalte für eine Website zu verwalten und dynamisch über ein Frontend anzuzeigen. Diese Zeiten sind vorbei.

Die Einführung eines CMS stellte etwa ab Beginn der Nullerjahre eine der typischen Investitionen in die Unternehmens-Website dar. Das hatte einen einfachen Grund. Die Inhalte, die Besucher der Website sehen würden, sollten von den Personen eingepflegt werden, die die Inhalte fachlich auch erstellen konnten. Damit legten CMS einen Konflikt bei, nämlich den zwischen Designer und Content-Ersteller.

Goldene Zeiten: Designer verwalten alle Inhalte der Kunden-Website auf Stundenbasis

Vor dem Auftreten der CMS waren Websites stets eine Mischung aus Design und Inhalt. Die Inhalte wurden vom Designer eingepflegt, weil die Content-Lieferanten sonst mit großer Wahrscheinlichkeit das Design zerstört hätten. Das ging rund zehn Jahre ganz gut, aber irgendwann nahm der Wunsch der Website-Auftraggeber, immer mehr und immer aktuellere Informationen immer unkomplizierter und ohne kostspieligen Designer-Einsatz kommunizieren zu können, massive Ausmaße an.

Die Lösung waren die damals noch Redaktionssysteme genannten CMS. Diese Systeme waren in der Regel Datenbank-Aufsätze, die deren Inhalte über spezielle Tags abrufen konnten. Diese Tags wiederum musste der Designer in die Gestaltung integrieren, wo sie als Platzhalter für die eigentlichen Inhalte galten. Die Template-Engine war integraler Bestandteil des CMS, im Grunde sogar dessen Kern. Webdesign wurde so zum Template-Design, der ersten Design-Abstraktion von vielen, die noch kommen sollten.

Die CMS-Idee: Wir trennen Inhalte vom Design

Hatte der Designer nun für alle infrage kommenden Inhaltstypen ein Template, eine Vorlage, erstellt, konnten der Kunde oder seine Mitarbeiter über eine eigene Verwaltungsoberfläche, das Backend, Inhalte erfassen. Für den Designer war diese Teilung nur semi-gut, denn Bilder gehörten natürlich ebenfalls zum Inhalt, konnten aber bei unsachgemäßer Verwendung das sorgsam gestaltete Layout ebenso zerschießen wie ein Text, dessen Autor dabei versehentlich ein paar HTML-Tags überschrieben hatte.

Viele Schulungen, Tutorials und Nervenzusammenbrüche später, im Jahr 2020, funktionieren CMS, Design und Inhaltezulieferer ganz ordentlich. Redakteure, wie die Inhaltezulieferer im CMS-Kontext heißen, wissen zumindest grob über Bildformate, Größen, Auflösungen und Schriftarten und -größen Bescheid. CMS wurden zudem mit Funktionen ausgestattet, die die gröbsten Nutzerfehler, etwa viel zu große Bilder, automatisiert behandeln.

Wo traditionelle CMS an ihre Grenzen kommen

Das ist alles fein. Aber, es reicht nicht mehr. Denn heutzutage wollen immer mehr Unternehmen ihre Inhalte nicht mehr nur auf die eigene Website bringen. Vielmehr gibt es inzwischen eine Vielfalt verschiedener Geräte, die im besten Falle alle bedient werden wollen. Der Marketer wird das jedenfalls vorschlagen, weil er das Mantra pflegt, man müsse die Kunden da abholen wo sie sind, womit er nicht Unrecht hat.

Nun kann aber das Template eines Standard-CMS nur bedingt geräteagnostisch gestaltet werden. Bis zu gewissen Grenzen kommen wir hier mit responsiven Design-Ansätzen weiter. Damit erreichen wir Desktop- und Mobilbrowser mit Abstrichen recht zuverlässig.

Wie aber bringen wir die Inhalte auf Geräte ohne Browser, etwa Smartwatches, Smart TVs, Autos oder sonstige noch zu ersinnende Displayformen? Wäre es zudem nicht gut, wenn Inhalte aus dem Web-Auftritt in der nativen App eingesetzt werden könnten?

Wenn diese Überlegungen angestellt werden, kommt das Headless CMS ins Spiel. Diese neue Art von Content-Management-System liefert Inhalte über eine Schnittstelle aus. Es kommt nicht mit einer eigenen Template-Engine, die für die Anzeige verwendet werden müsste. Dieses Fehlen der Anzeigeeinheit gibt dem CMS den Zusatz „Headless“. Eigentlich müsste es „Faceless“ heißen, weil dem CMS ja quasi nur das Gesicht fehlt, aber die Terminologie sieht nunmal das Headless vor.

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4 Kommentare
George
George

So neu ist das Ganze ja nun auch wieder nicht.
Nutzen sie in der Firma seit 5 Jahren (erst in Eigenbau, mittlerweile mit nova).
Kann ich jedoch nur empfehlen!

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Malte Dietrich

Die Entwicklung geht derzeit auch schon weiter: neben CMS machen Headless Lösungen z.B. auch im Bereich E-Commerce sehr viel Sinn, da heute ja meistens nicht mehr nur ein Kanal bespielt wird. Zudem kann man das eigene Angebot über Headless Commerce auch besser auf einzelne Kundengruppen zuschneiden.

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Dieter Petereit

Genau. Das Thema schauen wir uns separat an.

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Jürgen Tepe
Jürgen Tepe

Vieleicht täusche ich mich? Aber gab’s da nicht mal vor Urzeiten ein Konzept für genau dieses Problem (Trennung von Inhalt und Design)
IMHO nannte sich das html und css
Oder gibt es etwas, was z.B. ein Smart-TV kann, was man nicht mit diesen beiden Komponenten ansprechen könnte? Ich kann mir da nur proprietäre Anwendungen vorstellen, aber nichts, was man nicht auch mit einer etablierten Scriptsprache lösen könnte

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