Ratgeber

Wie du innerhalb von 2 Tagen ein Unternehmen in Estland gründest

(Foto: Enterprise Estonia)

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Wer schon mal ein Unternehmen gegründet hat oder kurz davor steht, weiß, wie aufwändig das ist. Handelsregistereinträge, Notare, Bankkonten und der Papierkrieg mit den Behörden machen die Firmengründung zu einer zweiwöchigen Angelegenheit. Wie es dagegen in maximal zwei Tagen geht, zeigt das Beispiel aus Estland.

In dem kleinen nordischen EU-Land mit gerade einmal 1,3 Millionen Einwohnern geht die Firmengründung nämlich digital. Genau wie die Handelsregistereinträge, die Anmeldung eines Bankkontos, die Meldung bei allen notwendigen Behörden und all das – ohne das Haus verlassen oder überhaupt in Estland sein zu müssen! Wie Estland das geschafft hat, was in Deutschland immer noch mit viel Papier, Wartezeiten und Kosten verbunden ist? Volldigitalisierung, Interoperabilität und ein bisschen Druck.

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Historisch-digital gewachsen

Der entstand nach dem Fall der UDSSR, als sich das Land vom ehemaligen Kalter-Krieg-Player souverän abspaltete. Estland stand vor der Mammutaufgabe der Neustrukturierung des Landes, vor allem in der Bürokratie. Die unglaublich aufwändigen Prozesse der vorigen Jahrzehnte waren keine Option mehr für einen Neuanfang, also begann das Land damit, die Daten seiner Bürger zentral und für die Behörden übergreifend zugänglich zu erfassen.

Diese Interoperabilitätsplattform namens X-Road macht es seitdem möglich, Bürger-, Firmen- und Behördendaten zwischen allen Parteien auszutauschen. Dieses auch von der Bundesregierung Deutschland mühsam in der Umsetzung befindliche Prinzip ist in Estland übrigens vor rund 19 Jahren eingeführt worden.

Es schuf die Basis für papierlose Einkommenssteuererklärungen, die in drei Minuten vom Smartphone aus erledigt werden können; für E-Voting, ebenfalls vom Smartphone aus, und für die Erledigung von Bankgeschäften, Neuwagenanmeldungen, die elektronische Patientenakte und nahezu allen Behördengänge, zu denen auch die Firmengründung gehört.

Besonders für Digitalnomaden und Serviceanbieter ist die e-Residency interessant (Foto: Enterprise Estonia)

Besonders für Digitalnomaden und Serviceanbieter ist die E-Residency interessant. (Foto: Enterprise Estonia)

Maximaler Datenschutz und Einsicht für Bürger

Ein besonders junges und fortschrittlich denkendes Kabinett hatte die Infrastruktur damals auf den Weg gebracht. Bereits seit Jahren zahlen die Esten mit ihrem Personalausweis im Geschäft, nutzen ihn als Krankenversicherungskarte, sammeln Bonuspunkte bei Einkäufen und signieren Verträge mit diesem Ausweis digital. Ihr wisst schon: Das, was nach der Einführung des elektronischen Personalausweises nPa in Deutschland seit Jahren möglich sein sollte.

Für alle, die gerade denken, dass das im Grunde der totale Überwachungsstaat ist, wie in George Orwells Roman 1984 beschrieben: Der Datenschutz und Zugriff auf persönliche Daten ist dank einer Blockchain-Lösung stark reglementiert. Jeder einzelne Bürger kann online einsehen, wer wann welche Information eingeholt hat, und das bei Wunsch per Klick sperren. Auch bei staatlichen Behörden, die Datenpunkte ohnehin nur ein Mal anfragen dürfen. Das ist meilenweit dem voraus, was eine maximal intransparente Schufa, GEZ (ich weiß, dass die anders heißen), Behörden oder Unternehmen in Deutschland und auch anderen Ländern tun. Interoperabilität und Datentransparenz sei Dank.

E-Bürgerschaft beantragen

Um auch Ausländer in den Genuss dieser Vorteile kommen zu lassen, hat die estnische Regierung vor rund sechs Jahren ein sehr interessantes Modell entwickelt, dass sich E-Residency nennt. Diese elektronische Bürgerschaft steht nahezu jedem Menschen weltweit zur Verfügung. Bürger einiger weniger Risikostaaten kommen leider nicht in den Genuss und massiv Kriminelle dürften bei der Beantragung ebenfalls von der Grenzpolizei Estlands ausgesiebt werden.

Das e-Residency-Kit: Kartenleser und ID-Karte (Foto: Enterprise Estonia)

Das E-Residency-Kit: Kartenleser und ID-Karte. (Foto: Enterprise Estonia)

Wie werde ich digitaler Bürger Estlands?

Alle anderen können sich aber nach einem relativ einfachen Anmeldeprozess über eine Website, darüber freuen, digitaler Bürger des Landes Estland zu werden. Neben einem biometrischen Foto und einigen persönlichen Angaben erhebt Estland 100 Euro plus eine Versandgebühr von 20 Euro. Die fällt an, falls ihr das E-Residency-Kit nicht in Estland, sondern in einer Botschaft im (estnischen) Ausland abholen wollt – was vermutlich der häufigste Fall sein wird.

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