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Innogy-Chef Peter Terium: „Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht“

Der Vorstandsvorsitzende von Innogy, Peter Terium. (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Wie funktioniert Innovation bei einem Energiekonzern? Im Fall von Innogy sollen Startups beim Kulturwandel helfen, erklärt Firmenchef Peter Terium. 

Man könnte Peter Terium als eine Art Gründer bezeichnen. Lange musste sich der frühere Vorstandsvorsitzende des Energieriesen RWE für dreckigen Strom, veraltete Strukturen und Rekordverluste rechtfertigen. RWE – diese drei Buchstaben standen für alte und unflexible Wirtschaft. So konnte es nicht weitergehen. Im vergangenen Jahr beschloss Terium deshalb, den Konzern neu aufzustellen. Und spaltete die Tochter Innogy ab. Sie soll jetzt die Zukunftsthemen besetzen: erneuerbare Energien, Nachhatligkeit und Dezentralität. „Mit 40.000 Mitarbeitern ist Innogy das größte Startup Deutschlands“, sagt der Niederländer und schmunzelt.

Natürlich ist das Wort „Startup“ eine Übertreibung, und so ein richtiger Gründer ist Peter Terium auch nicht. Schließlich hat das neue Unternehmen zwei Drittel der RWE-Mitarbeiter mitgenommen, auch in der IT-Infrastruktur finden sich teils noch frühere Konzernkonstrukte. Trotzdem soll Innogy einen Neuanfang beschreiben. „Das ist ein anderes Unternehmen, das fühlt anders, das denkt anders“, sagt Terium bei einem Pressegespräch im Rahmen der Noah-Konferenz. Auch wenn man längst noch nicht am Ziel angekommen sei, habe man die ersten wichtigen Schritte gemacht.

Bis 2019 sollen sich Innogy-Investments rentieren

Um den Kulturwandel komplett zu vollziehen, setzt Innogy auf die Kooperation mit Gründern. Mit seinem Startup-Hub in Berlin und seiner firmeninternen Innovationsplattform sollen neue Ideen in den Konzern kommen. Mit eigenen Ideen sei man selbst nicht so gut, erklärt Terium, Gründer hingegen schon. Die Kooperation könne sein Unternehmen voranbringen: „Besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht.“ Der Innogy-Chef sieht aber auch Vorteile für die jungen Unternehmen: „Wir können schnelles Skalieren anbieten, weil wir schon die Kunden haben, die ein Startup vielleicht sucht.“

Dass sich sein Konzern so schwer mit Innovation tut, liegt nach Meinung des Niederländers vor allem an den neuen Rahmenbedingungen. „Die Art und Weise, wie die Welt innoviert, hat sich maßgeblich verändert“, sagt Terium im Pressegespräch auf der Noah. In den vergangenen 50 Jahren habe man sich drei bis vier Jahre im Keller eingeschlossen, dann ein Patent angemeldet und schließlich das Produkt vermarktet. Heute hingegen sind die Prozesse deutlich kürzer.

Die Hauptzentrale von Innogy in Essen. (Foto: Innogy)

Auch deshalb dürfte sich Peter Terium gerne auf die Noah-Konferenz nach Berlin begeben haben. Auf dem Gründertreffen warb er fleißig für sein Unternehmen und zeigte sich offen für viele Arten der Zusammenarbeit – ob Seedinvestment oder Ideeninkubation. „Wir haben Geld zum Investieren und Startups brauchen Geld. Warum sollten wir das nicht zusammenbringen?“, sagte der Innogy-Chef in seinem Vortrag.

Derzeit steckt das Unternehmen 100 Millionen Euro im Jahr in Innovationen – nicht nur im Energiesektor. Mit seinem Innovations-Hub hat es etwa in die Blockchain-Firma Xtech investiert, aber auch in das Umzugsstartup Move24 oder das Drohnenunternehmen Ucair. Bis 2019 sollen sich die Investitionen in firmeninterne und externe Ideen laut Terium „zurückverdienen“.

Innogy-Chef Terium: „Die Gigabyte sind egal, die Bandbreite zählt“

Das ist nicht nur Selbstzweck, sondern auch entscheidend für die Zukunft von Innogy. Denn wegen der Energiewende müssen die Essener ihr Geschäftsmodell neu erfinden. Bisher machten sie ihr Geld vor allem über den Verkauf von Strom. Aber durch die Dezentralisierung, also die Möglichkeit, Energie von kleineren Kraftwerken zu beziehen, wird dieses Konzept infrage gestellt.

„Wenn die Lage schwierig ist, bewegen sich die Leute schneller.“ 

Peter Terium ist sich dieses Problems durchaus bewusst. Strom werde es zwar weiterhin geben, sagt er. Aber die Frage sei, ob man künftig Kilowattstunden bepreise. Er kann sich vorstellen, dass man künftig stattdessen Kunden belohne, die den Strom abnehmen und speichern. „Das könnte ähnlich wie im Telekombereich aussehen: Die Gigabyte sind egal, die Bandbreite zählt“, erklärt Terium.

Innogy versucht, dieser Veränderung neue Ideen entgegenzusetzen. „Wir haben unsere Kultur verändert“, sagt Terium, „auch wenn wir erst am Anfang unseres Weges stehen“. Druck von außen hält er für diesen Weg für hilfreich: „Wenn die wirtschaftliche Lage schwierig ist, bewegen sich die Leute schneller.“

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2 Reaktionen
Isi Oz

Allein der Titel zeigt schon, dass der gute Mann keine Ahnung von Innovation hat.

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Martina Wenk

Ich bin schon sehr gespannt, ob Innogy auf Dauer ein agiles Unternehmen bleibt oder in alte Muster zurückfällt!

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