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Analyse

Insolvenzen: Die deutsche Startup-Szene hat ein Struktur-Problem

(Foto: Shutterstock)

Das Jahr 2017 startete gleich mit zwei Insolvenzen in der Startup-Szene. Das liegt nicht nur an individuellen Problemen der Unternehmen – sondern vor allem an den Investoren.

Das Jahr ist noch keine drei Wochen alt, und schon verzeichnet die deutsche Startup-Szene ihre erste Hammer-Pleite: Mit Auctionata musste am Donnerstag ein Unternehmen vorläufig Insolvenz beantragen, das einmal mit rund 100 Millionen Euro an Wagniskapital ausgestattet wurde und sogar mit Gerüchten um einen Börsengang auf sich aufmerksam gemacht hatte. Wenige Tage zuvor war bereits das crowdfinanzierte Hamburger Startup Triprebel insolvent gegangen.

In beiden Fällen kommt eine Anschlussfinanzierung nicht zustande. 2016 mussten schon Startups wie in den vergangenen Monaten nach unten korrigieren.

Eine Insolvenz hat natürlich immer individuelle Gründe und kann beispielsweise auch in einem fehlenden oder schlecht funktionierendem Geschäftsmodell begründet sein. Doch ist diese Häufung nicht dennoch auffällig, platzt da etwa gerade eine Blase? Waren die Startups überbewertet?

Platzt in Deutschland gerade eine Startup-Blase?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Um von einer Blase oder auch Überhitzung des Marktes zu sprechen, ist es noch zu früh. Die etwas längere Antwort: Es ist richtig, dass sich die Stimmung in der Branche 2016 deutlich abgekühlt hat: Nach dem Überjahr 2015, in dem in Deutschland ein Funding-Rekord nach dem anderen gebrochen wurde, nahmen die Investitionen im dritten Quartal vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel ab.

 „Es wird nicht mehr alles finanziert, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.“

Experten sehen darin allerdings eher eine Korrektur. „Es wird nicht mehr alles finanziert, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist“, sagte Hendrik Brandis von Earlybird bereits im August. Auch Project-A-Gründer Uwe Horstmann sah damals durchaus „hier und da“ eine Korrektur im Markt. Aber beide sagten auch, dass der Markt noch gesund sei.

Um diese Argumentation zu verstehen, lohnt ein Blick, woher die Rekordzahlen 2015 rührten: vor allem von mehreren dreistelligen Millionenrunden von Rocket Internet in Startups wie Hellofresh, Delivery Hero oder Home24. Im vergangenen Jahr investierte der Berliner Inkubator, auch wegen des finanziellen Umfelds, weniger – und das machte sich eben insgesamt bemerkbar.

Was in Deutschland hinzukommt: Viele der gescheiterten Startups der vergangenen Monate,  Auctionata mal außen vor gelassen, standen noch am Anfang. Sie konnten oft eine Seed-Finanzierung vorweisen, manchmal auch eine Series A oder B. Aber danach bekamen sie kein neues Kapital – und mussten deshalb aufgeben.

Deutschlands Startup-Szene hat ein Wachstumsproblem

Schaut man sich die Szene also genau an, dann mangelt es nicht grundsätzlich an Kapital. Es mangelt immer noch an Wachstumskapital, an Geld für die Series C und D. Immer noch, weil das kein neues Phänomen ist: Seit Jahren bemängeln Experten, dass hierzulande zwar viel Geld in der Frühphase fließt, dass aber danach viele Unternehmen einfach keine weitere Finanzierung erhalten. In Zahlen verpackt wird es vor allem ab einer Summe von 50 Millionen Euro schwierig, wie die Deutsche Börse bereits 2015 konstatierte.

Was lässt sich aus den Pleiten also wirklich ableiten? Dass sich die Szene weiterentwickelt hat, die Investoren aber nicht im selben Tempo mitgezogen haben. Dass wir zwar starke Frühphasen-Geldgeber haben, aber keine Laterstage-Investoren. Dass die Wagniskapitalgeber zwar hier und da mal ein paar Millionen in ein Startup fließen lassen, das Geld dann aber lieber versickern lassen, als noch mal zu investieren.

Und dass sich keiner beschweren kann, dass Rocket Internet den Markt dominiert, wenn kein anderer Investor die großen Finanzierungsrunden mitgehen will.

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Eine Reaktion
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Ja, bestimmt ist ausbleibende Investitionsfreude ab der Series B ein Wachstumshindernis. (Wobei mE viel dafür spricht, Auctionata einmal *nicht* außen vorzulassen - wenn es ein solches Projekt schafft, 100m einzusammeln, fehlt das Kapital vielleicht doch nicht so sehr...)

Aber: Wo sind denn die allgemeinen Erfolgsgeschichten jenseits eines Zalandos, die zeigen, dass sich ein solches Investment in Deutschland lohnt? Ich bin ein großer Startup-Freund, aber was hier zT gezeigt wird, leider vor allem in Berlin, erweckt bei mir immer mehr den Eindruck einer Sackgasse. Da werden Millionensummen eingesammelt, die zum Großteil bei Google, Facebook und Co. als Anzeigenschaltungen landen und irgendwann ist die Luft raus. Bis dahin pumpt der ein oder andere anscheinend gerne noch die Zahlen auf (- Umzugsvermittlung), was die Fallhöhe nur noch höher macht. So oder so, die gezeigten Management-Leistungen sind einfach unzureichend und vielleicht das wahre Problem. (Und das sage ich als BWL-Absolvent...) Wenn bei einem Leitzins von 0%, also wortwörtlich "free money", nicht investiert wird, fehlt es vielleicht einfach an guten Konzepten. Dass dann Investoren, die ohnehin fast nichts über digitale Geschäftsmodelle wissen, zögerlich werden, kann ich ihnen nicht einmal verdenken und bin insgesamt sehr skeptisch, dass es hier (nur) ein "strukturelles" Problem gibt.

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