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Interessiert an Alkohol und Glücksspiel: Facebook ordnet Minderjährige fragwürdigen Werbekategorien zu

(Foto: Shutterstock)

Facebooks eigene Werbe-Tools zeigen, dass der Social-Media-Riese Hunderttausende Minderjährige als „interessiert an“ Glücksspiel und Alkohol ausweist.

Nach gemeinsamen Untersuchungen des Guardian und des Dänischen Rundfunks führt Facebook rund 740.000 Minderjährige als an Glücksspiel interessiert, sogar rund 940.000 Minderjährigen schreibt das Social Network Interesse an Alkohol zu.

Automatische Kategorisierung offenbart Schwachstellen

Dabei generiert Facebook dieses „Interesse“ algorithmisch aus den Aktivitäten des einzelnen Nutzers auf dem sozialen Netzwerk. Werbetreibende verwenden derlei „Interessen“, um ihre jeweilige Kampagne möglichst zielgenau auf eine Zielgruppe zuzuschneiden, von der auszugehen ist, dass sie für das Produkt oder die Dienstleistung voraussichtlich empfänglich sein wird.

Angesprochen auf die Untersuchungsergebnisse teilte Facebook mit, man erlaube keinerlei Werbung, die Alkohol und Glücksspiel an Minderjährige inseriere. Würde das Unternehmen solche Werbung dennoch finden, ginge es konsequent dagegen vor. Außerdem arbeite man eng mit den Regulierungsbehörden zusammen, um Werbetreibenden verlässlich dabei zu helfen, ihre Zielgruppen nicht nur effektiv, sondern auch verantwortungsbewusst zu erreichen.

Dabei widerspricht Facebook den Untersuchungsergebnissen nicht, stellt sie aber positiv dar. Tatsächlich könnten Werbetreibende Minderjährige über die genannten Werbekategorien ansprechen, dabei sei aber eher daran gedacht, dass sich etwa Suchtberatungsstellen gezielt an gefährdete Jugendliche wenden können. Das wäre vollkommen regelkonform und wohl nicht zu beanstanden.

Ebenso regelkonform wäre es indes auch, wenn sich ein Anbieter von Videospielen mit In-App-Käufen, besonders mit Pay-to-Win-Ansätzen gezielt an Jugendliche mit Glücksspielaffinität richten würde. Dieser Fall wäre jedoch ganz sicher zu beanstanden.

Nicht der erste Vorfall seiner Art

Facebook steht für seine automatisierte Kategorisierung seiner Nutzer in Werbezielgruppen immer wieder in der Kritik. Aufgefallen sind bislang Fälle wie das Targeting nach sexueller Orientierung, religiöser oder politischer Ausrichtung, aber auch schlicht nach Hautfarbe, Herkunft oder dem Grad der Behinderung. Fast schon skurril mutet die Kategorie „Interessiert an Verrat“ an, in die Facebook im vergangenen Jahr rund 65.000 russische Nutzer einsortiert hatte. Ein Jahr zuvor hatte Facebook sogar die Kategorie „Judenhasser“ im Angebot.

Gegen nicht regelkonforme Werbung geht Facebook vor. Allerdings setzt das voraus, dass das Netzwerk diese Werbung auch tatsächlich findet. Ebenso wie für die Kategorisierung setzt Facebook dafür auf automatisierte Systeme.

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