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Analyse

Internationale App-Wirtschaft – Wohin geht die Reise?

(Foto: dpa)

Wird die App-Vielfalt irgendwann von plattformbasierten All-in-One-Konzepten ersetzt? Unser Gastautor geht der Frage nach, wie sich die globale App-Wirtschaft entwickeln wird.

Mit der Einführung des App-Stores 2008 nahm auch die Erfolgsgeschichte der globalen Apps Economy ihren Lauf. Innerhalb von zehn Jahren hat dieser neue Industriezweig es geschafft, zu einer festen Instanz der Digitalwirtschaft zu werden. Laut Prognosen von App Annie soll sich dessen Wert bis zum Jahr 2021 auf 139 Milliarden US-Dollar belaufen. Und doch sehen erste Experten bereits das Ende gekommen. Mit dem Internet of Things (IoT), Chatbots und Sprachassistenten treten bereits neue Technologien auf den Plan, die wegen ihrer plattformbasierten (All-in-one)-Konzepte das Wechseln zwischen verschiedenen Apps überflüssig und unseren Alltag noch angenehmer machen sollen. Der Plan: Verschiedene Dienste werden künftig von Google, Amazon & Co. in einer Handvoll Core-Apps gebündelt.

Wie ist es also um die internationale App-Wirtschaft bestellt – wo liegen Trends? Welche Chancen und welche Herausforderungen sehen Unternehmer aktuell und in den nächsten Jahren? Und gibt es weltweit Unterschiede oder ist die Branche schon zu einem globalen Dorf mit denselben Sorgen und Nöten geworden?

Wo sind die aktuellen Innovations-Hotspots?

Rund um den Globus prosperieren lokale App-Märkte. Das Herz der internationalen App-Wirtschaft schlägt zwar im Silicon Valley. Doch andere Standorte wie New York, Tel Aviv oder Berlin holen auf und sind mittlerweile ebenfalls international geschätzte Standorte für Startups aus den unterschiedlichsten Branchen. Im direkten Vergleich müssen sie sich jedenfalls nicht mehr vor dem Valley mit seiner internationalen Strahlkraft verstecken. Was sind ihre Besonderheiten? Ein Blick über den Tellerrand hinaus.

Berlin gilt dieser Tage als eines der vielversprechendsten Startup-Hubs Europas. Mit jährlich bis zu 500 Startup-Neugründungen, bezahlbaren Gewerbeflächen, innovativen Coworking- und Business-Spaces als attraktive Spots für Jungunternehmer und insgesamt 60.000 Arbeitsplätzen in der Digitalwirtschaft ist die Stadt klarer Spitzenreiter in Deutschland. Anteil an diesem Ruf haben neben zahlreichen Software-as-a-Service und E-Commerce-Startups auch viele Jungunternehmen mit Fokus auf die App-Wirtschaft – der Großteil von ihnen sitzt in der deutschen Hauptstadt. Und das aus gutem Grund: Berlin bzw. Deutschland ist in den letzten Jahren aufgrund seines funktionierenden Ökosystems und eines großen Pools an gut ausgebildeten Fachkräften zu einem hochinteressanten Technologiestandort gereift.

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass in den USA auch abseits der kalifornischen Sonne innovative Unternehmen gegründet werden. Zum Beispiel in New York. Die Stadt war schon immer ein Ort für Menschen unterschiedlichster Kulturen. Dies kommt dem dortigen Ökosystem und damit den Gründern zugute, beflügelt es doch Kooperationen und den Austausch innerhalb der Community. New York hat sich mittlerweile zu einem Magneten für Startups und Risikoinvestoren entwickelt. 7.000 High-Tech-Firmen sind in der Stadt, die niemals schläft, zu Hause und beschäftigen rund 100.000 Angestellte.

Tel Aviv hat ebenfalls geschafft, wovon sie anderswo nur zu träumen wagen. Die Stadt ist inzwischen zu einem Hotspot des Technologiesektors geworden. Die Stadt ist europäisch geprägt und mit knapp 1.500 Jungunternehmen inzwischen die zweitgrößte Startup-Metropole der Welt. Während die Präsenz der großen Tech-Giganten wie Google, Apple, Facebook und Microsoft für die Entwicklung der Stadt durchaus wichtig ist, speist sich der Innovationsgeist vor allem aus einer Institution: den Israel Defense Forces (IDF). Jeder Staatsbürger ist verpflichtet, Wehrdienst zu leisten. Ideen und Konzepte haben deshalb nicht selten auch einen militärischen Hintergrund.

Die IDF fördert mit einer Spezialeinheit aus Computerspezialisten auch das technologische Know-how der Rekruten. Und der Staat macht auch an anderen Stellen seine Hausaufgaben, wenn es um die Zukunft des Technologiestandorts geht: Die hiesige Hochschullandschaft ist ausgezeichnet, die Investitionen für Bildung liegen über dem Durchschnitt der OECD und Gründer werden mit großzügigen Finanzspritzen vom Staat gefördert. Über 32.000 Jobs schafft die lokale App-Wirtschaft dort in diesem Jahr. Als Geburtsort der international erfolgreichen Social-Navigations-App Waze und Taxi-App Gett setzt die lokale Apps Economy (neben Gaming Apps) vor allem auf Anwendungen aus den Bereichen Social und Communication sowie Transport – gerne auch in Kombination.

Einmal App, immer App!? 

Bis zum Jahre 2021 werden Menschen laut App Annie rund drei Billionen Stunden mit Apps verbringen. Vergleicht man diese Zahlen mit heutigen Werten von rund 1,5 Milliarden Stunden, braucht es keine mathematischen Zauberkräfte, um das enorme Potenzial für mobile Services zu erkennen. Allein in Deutschland nutzen 54 Millionen Deutsche ab 14 Jahren ein internetfähiges Mobiltelefon, so die Aussage einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom. Dieses enorme Potenzial birgt für die Startups aber auch Schwierigkeiten. Viele Jungunternehmen stehen unter massivem Druck, etwas Innovatives zu schaffen. Gelingt es ihnen, übernehmen immer öfter größere Corporates die Innovation und integrieren sie es als eigenes Feature in ihren Service. Das wohl prominenteste Beispiel hierfür ist die Auseinandersetzung zwischen Instagram (Stories) und Snapchat.

Dieses Beispiel macht eine weitere Entwicklung in der aktuellen Entwicklung der Apps Economy deutlich: Der Trend geht weg von einzelnen Applikationen, die sich auf einzelne Services bzw. Problemlösungen beschränken, hin zu Plattformen, die mehrere Funktionen und Services unter einem Dach bündeln. Der Facebook Messenger, Payback, WeChat und Co. machen vor, wie so etwas in der Praxis aussehen kann. Es scheint so, als wäre das seit rund einem Jahrzehnt unveränderte Prinzip der klassischen App, die singuläre Funktionen oder Services anbieten, überholt. Könnte den Apps jetzt das gleiche Schicksal blühen wie zuvor den Websites?

Der Aufstieg des Internet of Things scheint unaufhaltsam. Sprachassistenten wie Amazons Alexa erfreuen sich wachsender Beliebtheit und Verbreitung. Chatbots wiederum sind vor allem im asiatischen Raum sehr erfolgreich und erwirtschaften dort bereits Umsätze in Milliardenhöhe. Die Herausforderungen für Unternehmen der Apps Economy liegen auf der Hand: Wenn die Nutzer durch Sprachsteuerung zu jedem gewünschten Inhalt geführt werden können, dann sind spezialisierte Apps überflüssig.

Wohin geht die Reise? 

Ob Berlin, New York oder Tel Aviv: Die internationale Apps Economy unterliegt weltweit starken Veränderungen. Zwar gibt es je nach Standort und Themenschwerpunkt verschiedene Ausprägungen in Bezug auf die Herausforderung und Entwicklungen – insgesamt sitzen die Startups in einer zunehmend vernetzten, globalisierten Weltwirtschaft jedoch im gleichen Boot und müssen sich mit den ähnlichen äußeren Bedingungen arrangieren.

Wohin geht die Reise also – sowohl für die Nutzer als auch die Startups? Wer sich in dem verändernden Umfeld langfristig erfolgreich positionieren möchte, kommt nicht umhin, den Nutzer in den Fokus seines Schaffens zu stellen. Die Kunden und ihre Bedürfnisse geben die Richtung der Entwicklung vor. Unternehmen sollten daher jederzeit in der Lage sein, ihre Wünsche zu erfüllen und sich bei Bedarf an neue Gegebenheiten anzupassen. Gerade vor dem Hintergrund von IoT, Connected Cars und Co. werden die Herausforderungen, eine konsistente Nutzererfahrung zu gewährleisten, immer anspruchsvoller und entsprechend schwieriger zu lösen sein. Zeitgemäße Testmethoden, in deren Zentrum die Nutzer stehen und die ihre Wünsche und Bedürfnisse abdecken, werden in diesem Zusammenhang elementar sein.

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