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Sponsored Post Was ist das?

„Menschen kaufen keine künstliche Intelligenz, sondern Features und Funktionen!“

(Foto: HUAWEI)

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Arne Herkelmann ist Head of Handset Portfolio bei Huawei Europe. Im Gespräch mit t3n.de erklärt er, was künstliche Intelligenz auf dem Smartphone macht, was der Anwender davon hat und wo der Unterschied zur Automation liegt. 

 

t3n.de: Hi Arne. KI wird ja gerade im Endkundenbereich häufig noch als „nette Spielerei“ belächelt. Ihr gebt gerade in diesem Bereich richtig Gas. Was erhofft ihr euch davon?

Arne Herkelmann: Künstliche Intelligenz ist schon lange keine Spielerei mehr. Ganz im Gegenteil: Sie ist ein sehr spannendes Betätigungsfeld und ohne Zweifel eine der großen Zukunftstechnologien. Da sind Fachleute wie Gartner Research, die sagen, dass 90 Prozent der Software in zwei bis drei Jahren mit künstlicher Intelligenz arbeiten wird. Wir bei Huawei sind der Meinung, dass dieses Entwicklungsfeld sehr schnell wichtig wird und investieren schon länger in die Forschung. Seit dem Launch des Kirin-970-SoC im letzten September gehen wir ganz massiv in die Richtung, auf dem Gerät KI zu betreiben, um die Nutzererfahrung und die Software besser zu machen und mehr Leuten ein besseres Nutzungserlebnis bieten zu können.

t3n.de: Künstliche Intelligenz findet ja bislang eher in der Cloud statt.

Arne Herkelmann: Wir gehen jetzt nicht nicht den Weg, zu sagen: „KI sollte grundsätzlich nur auf dem Gerät laufen!“. Für viele Dinge ergibt das Sinn, für viele aber auch nicht. Unter dem Begriff Mobile AI kombinieren wir künstliche Intelligenz in der Cloud und auf dem Gerät. Bei On-Device-KI ist ganz klar der Vorteil, dass viele Prozesse in Echtzeit laufen können, weil da kein Netzwerk und keine Cloud dazwischen liegt. Dadurch kann unabhängig von irgendeiner Funkverbindung eine größere Menge an Daten schneller verarbeitet werden. Durch die KI ist das Gerät in der Lage, in Echtzeit zu verstehen: Wer benutzt mich gerade? Wo werde ich benutzt? Was hat der Anwender gerade für eine Anforderung?

Außerdem profitieren dabei die Privatsphäre und Sicherheit: Alles, was an Daten verarbeitet wird, bleibt auf dem Gerät und muss nicht irgendwo hochgeladen werden. Das ist für viele Dinge nützlich. Auch Akkulaufzeit und Performance sind dabei ein Riesenthema: Wenn alles in der Cloud läuft, muss ein permanenter Up- und Download stattfinden. Dafür braucht es die ganze Zeit eine aktive LTE-Verbindung, um die Daten hin- und herzuschicken – das kostet erstens Traffic und zweitens richtig viel Akku. Das können wir mit On-Device-KI direkt auf dem Gerät wesentlich besser und effizienter lösen.

An Bord des Kirin-970-SoC befindet sich eine neben CPU und GPU auch eine NPU, die als dedizierter KI-Prozessor arbeitet. (Grafik: HUAWEI)

t3n.de: Stichwort On-Device: Im neuen Kirin-970-Chip stecken nicht nur CPU und GPU, sondern auch eine sogenannte NPU. Was ist das?

Arne Herkelmann: NPU bedeutet „Neuronal Processing Unit“. Dabei handelt es sich um einen dedizierten Prozessor im System-on-a-Chip, der als KI-Beschleuniger fungiert. Dabei ist er einer GPU ähnlicher als einer CPU, weil er darauf getrimmt und optimiert ist, möglichst viele Schritte gleichzeitig laufen zu lassen. Eine CPU arbeitet sequentiell: Du schmeißt vorne ein Problem rein, das dann sequentiell abgearbeitet wird. Die NPU arbeitet dagegen parallel, das Problem wird in viele kleine Stücke zerlegt, die dann gleichzeitig abgearbeitet werden. Durch die hohe Geschwindigkeit bei Methoden wie Deep Learning und Machine Learning ist es für die aktuellen KI-Hauptthemen wie Bilderkennung und Spracherkennung prädestiniert.

t3n.de: Das System wird mit KI-Unterstützung also immer besser?

Arne Herkelmann: Da ist vor allem das Ressourcenmanagement, das von dir als Nutzer lernt, wie du dein Smartphone benutzt. Es setzt Prioritäten, kategorisiert deine Apps in verschiedene Muster oder Schubladen und verwaltet sie für dich, sodass du immer die optimale Performance bei der besten Akkulaufzeit bekommst. Dabei sind verschiedene Parameter wichtig: Manche Apps brauchen viel Arbeitsspeicher, manche brauchen viel CPU-Zeit, andere viel Zeit im Vordergrund oder im Hintergrund. Hier lernt das Gerät mit. So hilft uns die KI, auch nach vielen Monaten eine gute Performance zu liefern.

t3n: Welche Anwendungen profitieren denn Stand jetzt am meisten von der künstlichen Intelligenz?

Arne Herkelmann: Wenn du dir unser P20 Pro anschaust, wirst du natürlich feststellen, dass neben der erwähnten Power- und Ressourcenplanung am deutlichsten die Kamera von der KI profitiert. Das fängt an mit der Master AI: Sie erkennt dein Motiv und passt die verschiedenen Parameter und Modi der Kamera automatisch für ein optimales Ergebnis an. Das sind server-seitig trainierte Modelle, für die du Riesen-Datenmengen brauchst – und viel Zeit.

Dann haben wir AIS, also die Bildstabilisierung mit KI, die dir zum Beispiel bei Video-, aber auch bei Nachtaufnahmen sehr hilft. Wir haben einen KI-unterstützten Zoom, der in der Lage ist, Elemente zu rekonstruieren, wo optisch eigentlich keine Details mehr erkennbar sind. Das sind alles im Hintergrund umgesetzte kleine Sachen, die ein Nutzer vielleicht gar nicht so mitbekommt, die aber massiv dazu beitragen, dass wir diese hohe Kameraqualität liefern können.

t3n.de: Das heißt: Die Kamera denkt in Echtzeit mit?

Arne Herkelmann: Genau. Die Kamera-KI wird von der NPU beschleunigt. So kann das Huawei P20 und Huawei P20 Pro eine Bilderkennung in Echtzeit mit 30 Bildern pro Sekunde durchführen – damit sind wir aktuell deutlich an der Spitze. Nur so macht es auch wirklich Spaß, wenn dann die Kamera auch sofort umschaltet.

Die Algorithmen, die dabei ausgeführt werden, wurden in der Cloud trainiert. Heißt also: Auf dem Weg dahin haben sich viele Computer und Maschinen gegenseitig mit einem Datensatz von mehreren Millionen Bildern trainiert. Dabei fangen sie an, Zusammenhänge zu erkennen – im Prinzip wie ein Kind, das zur Schule geht. Da geht es dann um Fragen wie „Was ist ein Porträt? Wie sieht das aus, was ist dabei wichtig? Was bedeuten Vorder- und Hintergrund?“. Irgendwann, wenn sie schließlich gut genug sind, bekommen diese Algorithmen dann im übertragenen Sinne ihr „Abi“, werden in den Ernst des Lebens entlassen und tun ihren Dienst auf den Geräten.

Abgesehen von diesen server-seitig trainierten Algorithmen bei der Bilderkennung lernt die Kamera aber auch auf dem Gerät mit: Wenn du zum Beispiel immer wieder den Portraitmodus abwählst, wird die Kamera lernen, dass du diesen Modus nicht bevorzugst und ihn dir irgendwann nicht mehr vorschlagen. Die Oberfläche passt sich also auch durch KI an deine Gewohnheiten an.

Lies auch: „Intelligente Kameras: So soll die neue Ära der Smartphone-Fotografie aussehen

Arne Herkelmann erklärt im Gespräch mit t3n.de, welche Chancen und Herausforderungen mit künstlicher Intelligenz auf Smartphones verbunden sind. (Foto: HUAWEI)

t3n.de: Was ja von außen betrachtet nicht immer ganz einfach zu sein scheint, ist die Unterscheidung von Automatisierung und KI. Man ist vielleicht geneigt zu sagen: Mit Tools wie IFTTT kann ich meinem Telefon ja jetzt schon dazu bringen, mich in meinem Alltag zu unterstützen. Was unterscheidet das denn jetzt von einer echten KI?

Arne Herkelmann: Tatsächlich ist momentan vieles, was man vielleicht unter dem Punkt „künstliche Intelligenz“ einordnen würde, eigentlich eine Automatisierung – da gibt es immer noch häufig Missverständnisse. Ich finde, man kann es so formulieren: KI kann dabei helfen, Automatisierung zu automatisieren.

Wenn du dir zum Beispiel einen der aktuellen Sprachassistenten auf dem Markt anschaust, dann ist dort das eigentliche Tätigkeitsfeld der KI die Spracherkennung. Dabei geht es darum, Sprache in einer natürlichen Art und Weise zu verstehen und zu antworten. Die Verknüpfung von einzelnen Befehlen wie „Licht an“ mit den entsprechenden Handlungen liegt dann schon wieder im Bereich der Automatisierung.

Der Punkt ist, dass du mithilfe von KI diese Automatisierung nicht mehr selber bauen musst und sagen musst: „Wenn A passiert, führe B aus“, sondern dass die KI das für dich macht und sich dabei ständig weiterentwickelt. Sie lernt ähnlich wie ein Mensch und kann dabei Zusammenhänge herstellen und Gruppierungen beziehungsweise Abstrahierungen machen. So wird sie zum Beispiel früher oder später lernen, dass ein Hund nicht immer ein Labrador, sondern auch ein Rottweiler oder ein Chihuahua sein kann. Sie fasst das dann automatisch zusammen und lernt daraus. Eine KI kann also Verknüpfungen ziehen und zu einem großen Ganzen zusammensetzen. Du musst nicht mehr selbst Regeln aufstellen oder irgendwas programmieren.

t3n.de: Eine KI arbeitet also eher an Prozessen, die man gar nicht so aktiv wahrnimmt und die bei uns Menschen eher im Hintergrund passieren?

Arne Herkelmann: Das ist ja genau der Punkt. Heute sagt niemand: „Ich kaufe mir eine KI.“ Die Leute kaufen Features und Funktionen, die auf KI basieren. Die aktuell großen Säulen sind dabei Bilderkennung, Spracherkennung und Sprachverarbeitung – danach geht es aber natürlich noch weiter. Das ist ein Riesenfeld und wir bei Huawei sind der Meinung, dass es wichtig ist, da früh und qualitativ hochwertig dabei zu sein. Wenn Gartner sagt, dass schon bald 90 Prozent der Apps mit KI arbeiten werden, zeigt das ja, das diese Dinge schon viel etablierter sind, als man das vielleicht aktuell wahrnimmt.

t3n.de: Zum Schluss ein kleiner Ausblick in die Zukunft: Was wird in diesem Feld in den nächsten zwei, drei Jahren passieren? Welche Fortschritte sind jetzt schon absehbar?

Arne Herkelmann: Auf jeden Fall wird das Thema „Assistenz“ stark vorangetrieben: Spracherkennung, Bilderkennung – alles was dadurch möglich gemacht wird, geht mit großen Schritten voran. Wir werden auch weiter darauf setzen, dass KI Brücken schlägt und Technik für die Nutzer begreifbarer macht, wie zum Beispiel jetzt schon bei der intelligenten Kamera in der P20-Serie. Im Bereich „Voice“ wird sicherlich die Spracherkennung noch natürlicher werden und uns besser verstehen. Das kann ja auch eine ganz andere Dimension erreichen, wenn durch Sprachassistenz zum Beispiel Nutzer mit eingeschränktem Sehvermögen die Möglichkeit haben, noch besser an der Gesellschaft aktiv teilzuhaben und Unterstützung zu bekommen. Insgesamt glaube ich, dass der Bereich „Health Care“ sehr profitieren wird.

t3n.de: Und wo siehst du die größten Herausforderungen?

Arne Herkelmann: Die zentrale Aufgabe liegt bei KI natürlich darin, dass alle Algorithmen trainiert werden müssen. Dafür braucht es große Mengen qualitativ hochwertiger Daten und große Rechner, um möglichst schnell möglichst viel lernen zu können. Zum Vergleich: Ein Kind hat in Deutschland aktuell zwölf oder 13 Jahre Zeit, um zur Schule zu gehen. Eine KI hat diese Zeit nicht. Da muss so etwas innerhalb von wenigen Monaten laufen. Dafür braucht es neben den oben erwähnten Voraussetzungen auch qualifizierte Leute, die dann vermitteln können: Was ist richtig, was ist falsch? Die Technik könnte sich theoretisch viel schneller weiterentwickeln, als das praktisch möglich ist. Einfach, weil du die entsprechenden Daten nicht zur Verfügung hast – und vielleicht auch nicht zur Verfügung haben willst.

Lies auch den Artikel „Der Gamechanger: Wie künstliche Intelligenz unser Verhältnis zur Technik verändert“.

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