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„Mittlerweile machen alle Satire“ – Jan Böhmermann über Hass im Netz

Jan Böhmermann spricht per Video-Schaltung auf der Republica. (Foto: dpa)

Mit „Liebe und Vernunft gegen Trolle und Memefabriken“. Jan Böhmermann spricht sich auf der Republica für organisierten Widerspruch gegen Hass im Netz aus.

Der Hass im Netz ist heutzutage so normal geworden wie ein Facebook-Profil der eigenen Eltern. Egal ob rassistische oder frauenverachtende Beiträge, sie werden tausendfach täglich ins Social Web gegossen. Die Absender sind fanatische Ideologen, gelangweilte Trolle sowie programmierte Bots, die die Diskussionskultur zunehmend vergiften. Das Thema ist selbstverständlich auch auf der diesjährigen Republica in Berlin präsent. Am Donnerstagmorgen haben sich die Macher des Projektes „Lösch Dich. So organisiert ist Hate im Netz“ sowie der Satiriker Jan Böhmermann mit „Reconquista Internet“ dem Publikum präsentiert.

Zwei Leuchtturm-Projekte gegen Hass im Netz: „Lösch dich!“ und „Reconquista Internet“

„Mittlerweile machen alle Satire“ – Jan Böhmermann über Hass im Netz. (Foto: dpa)

In der knapp 40-minütigen Dokumentation „Lösch Dich.“ gibt eine Gruppe von Netzaktivisten einen Einblick in die Organisationsstrukturen der Hater. Über ein Jahr lang hat die Gruppe um den Youtuber Rayk Anders und den Journalisten Patrick Stegemann versucht, sich einen Zugang zu organisierten Troll-Netzwerken zu verschaffen. Das Ziel: so viele Informationen wie möglich darüber sammeln, auf welche Weise der Hass gezielt im Internet gestreut und eingesetzt wird. Dafür habe man sogar selber Fake-Profile aufgesetzt und mitgetrollt. „Es gab aber auch Grenzen, volksverhetzende Sachen habe ich nicht gepostet“, erklärt ein Gruppenmitglied.

Im Fokus der Recherche steht auch das neurechte Netzwerk „Reconquista Germanica“, das dem Namen nach die Absicht pflegt, ein wie auch immer aus der Rolle geratenes Deutschland „zurückerobern“ zu wollen. Das Netzwerk versteht sich nach eigenen Angaben als „satirisches Internetprojekt ohne Bezug zur Wirklichkeit“, das seit der Bundestagswahl 2017 immer wieder fremdenfeindlich in Erscheinung tritt. Die Verantwortlichen gehen sogar so weit, den Einzug der Alternative für Deutschland in den Bundestag als eigenen Erfolg zu verbuchen. An der Stelle hat sich dann auch Jan Böhmermann herausgefordert gefüllt.

„Wir haben aus Versehen eine Bürgerrechtsbewegung ins Leben gerufen.“

„Mittlerweile machen alle Satire“, sagt der leider nur per Video zugeschaltete Böhmermann. Der Moderator und Satiriker drückt seine Skepsis darüber aus, wie mittlerweile selbst Rechtsextreme den Begriff für sich beanspruchen, um ihren in die Welt gesetzten Hass zu rechtfertigen. Dabei laufe professionelle Satire doch nach konkreten Maßstäben ab. Als Reaktion setzen er und seine Mitstreiter dem Hass das sogenannte „Love Trolling“ entgegen. Fast 50.000 Gleichgesinnte machen bei dem „Reconquista Internet“-Projekt mit. „Wir haben aus Versehen eine Bürgerrechtsbewegung ins Leben gerufen“, sagt Böhmermann.

Somit haben sich zwei Parteien getroffen, die sich eigentlich gar nicht kennen – die „Lösch Dich“-Macher und das Team des Neo Magazin Royale. Böhmermann selbst sieht darin jedoch keinen Zufall, denn er bemerkt, dass sich, wenn es darum gehe, freiheitliche Werte zu verteidigen, doch recht viele Leute einig sind. Beispielhaft verweist er auf die #FreeDeniz-Kampagne, bei der sich für die Freilassung des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel sogar Leute eingesetzt haben, die sonst kaum Gemeinsamkeiten hätten. Angefangen die vom Bild-Chefredakteur bis zur Taz-Journalistin. „Da habe ich gemerkt, es gibt etwas, das uns verbindet“, so Böhmermann.

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Naja, habs gelesen und zur Kenntnis genommen. Die Welt werden sie jedoch trotzdem nicht retten, wenn sie in ihrer Echo Kammer diskutieren und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen.

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